Pullach:Chemiewerk und Biker bewegen die Gemüter

Lesezeit: 2 min

Peter Kloeber Pullach

Peter Kloeber leitet jetzt die Pullacher Agenda-Gruppe.

(Foto: Landratsamt)

Bei der Agenda-Gruppe gerät United Initiators auch wegen des Wasserverbrauchs unter Druck. Beim umstrittenen Isartrail herrscht Stillstand

Von Michael Morosow, Pullach

Als Bert Eisl 2003 zum Sprecher der Agenda 21 in Pullach gewählt wurde, war es gerade ein Jahr her, dass eine Halle auf dem Gelände der damaligen Peroxid-Chemie nach 20 Explosionen in Flammen stand. Seither hat sich kein Störfall mehr ereignet, aber das Thema Sicherheit wird heute heftiger diskutiert als jemals zuvor, will doch das Nachfolgeunternehmen United Initiators (UI) seine Lagerkapazitäten erweitern. In der Gemeinde geht die Angst um, dass die Erweiterung mit einer Produktionsmehrung einhergeht und sich die Gefahr eines weiteren Störfalles erhöht.

Nach 18 Jahren hat Eisl sein Amt in die Hände von Peter Kloeber gelegt, der Wachwechsel ging beim Herbstforum der Agenda am Donnerstag im Pullacher Bürgerhaus über die Bühne. Kloeber wurde bei zwei Enthaltungen zum neuen Sprecher gewählt, Wahlleiterin war Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne). Durch den Abend führte dann der neue Agenda-Chef Peter Kloeber, die vorherrschenden Themen waren die Erweiterungspläne des Chemie-Konzerns und das in der Luft hängende Lenkungskonzept "NaturErholung Isartal im Süden von München", für das sich eine Gruppe von Mountainbikefahrern vom MTB-Club München am meisten interessierte.

Kloeber hatte einiges zu berichten über die Pläne von UI und die Haltung des Pullacher Agendateams dazu. Unter anderem sorgt sich die Agenda um die Hangquellen, eine Trinkwasserreserve für Pullach und die Region, aus der das Chemiewerk sein Wasser schöpft - jährlich etwa vier Millionen Kubikmeter nur für Kühlzwecke, 0,275 Millionen Kubikmeter für die Produktion. Um die Größenordnung zu verdeutlichen, stellte Kloeber einen Vergleich mit dem Trinkwasserbedarf der Bevölkerung an: jährlich gerade mal 0,9 Millionen Kubikmeter. Die Bürgermeisterin war bereits zu einem anderen Termin enteilt, als der neue Agendasprecher sagte, die Gemeinde könne Einfluss nehmen, indem sie etwa über einen städtebaulichen Vertrag Höchstmengen verbindlich vereinbare. Die Gemeinde aber sage, sie habe keinen Hebel, auf eine Stellungnahme der Agenda sei sie nicht eingegangen.

Zum Dauerkonflikt zwischen Naturschützern und durch das Isartal abseits der Wege preschenden Mountainbikern meldeten letztere Kompromissbereitschaft an. "Wir sind da, um miteinander zu reden", sagte einer der von München angereisten Radler. Sie hatten selbst an dem Lenkungskonzept mitgearbeitet, das eine definierte Trail-Führung entlang der Isar vorsieht und vom Kreistag 2017 beschlossen wurde. Dass dieses bis heute nur auf dem Papier steht, macht sie ungeduldig. Dass Pullachs Bürgermeisterin mit einem Ausstieg aus der Zusammenarbeit mit dem Landratsamt drohte, falls bis zum 1. April 2022 das Problem der Gebietsbetreuung und Trägerschaft nicht erfolgt ist, macht ihnen Sorgen. Eines der Probleme, warum das Konzept noch in den Schubladen des Landratsamtes und der Stadt München liegt, - die noch ungeklärte Haftungsfrage -, ist in ihren Augen gar keines. Bei ähnlichen Projekten sei die Haftungsfrage schnell geklärt worden, "für 1000 Euro im Jahr". Die Agenda pocht aber darauf, dass zwei Abschnitte aus dem Trail genommen werden - zwischen dem Hofbrunnhaus und Pullach-Ortsmitte sowie die Wege durch den Höllriegelpark. Davon zeigten sich die Mountainbiker allerdings wenig begeistert.

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