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Pullach:Wehmut vor dem Übergang

Beliebte Einkehr bei Ausflüglern im Isartal: der Brückenwirt in Höllriegelskreuth unterhalb der Grünwalder Brücke.

(Foto: Claus Schunk)

Ingrid und Andreas Hanisch schließen zum Jahresende den Brückenwirt - ein Investor hat das Gasthaus gekauft. Die dortige Tradition wollen die Wirtsleute in Solln fortführen.

Die kommende Radlsaison werden Sportler nicht ohne eine Rast im wunderschön gelegenen Biergarten des Brückenwirts in Pullach verbringen müssen, auch wenn die Wirtsleute Hanisch zum Jahresende aufhören. Das verspricht Joachim Stahl, der im Auftrag des neuen Inhabers für die Sanierung und Modernisierung zuständig ist. Die Wirtsleute Ingrid und Andreas Hanisch werden das Lokal daher am 22. Dezember zum letzten Mal für ihre Gäste aufsperren, sie haben den Pachtvertrag nicht verlängert. Danach wird eingepackt und umgezogen nach Solln. Dort eröffnet das Ehepaar in der ehemaligen "Schützenlust" an der Herterichstraße 46 ihr neues Lokal: die "Hofbrauhaus-Stubn Solln".

Gerne hätten sie den Brückenwirt an der Grünwalder Brücke in Höllriegelskreuth gekauft, sagen die Hanischs. Besonders für Andreas Hanisch, der 1988 als Koch dort anfing, ist der Ort zu einem Zuhause geworden. Er hat dort auch seine Frau Ingrid kennengelernt, die Tochter Jenny ist sozusagen im Brückenwirt aufgewachsen. Doch ein Münchner Investor hat mehr Geld auf den Tisch gelegt, um den Laden von Besitzer Erich Müller zu erwerben. Andreas Hanisch findet das sehr schade, denn Müller senior hatte ihn seinerzeit aus Österreich nach Pullach geholt.

Besonders für Andreas Hanisch, der 1988 als Koch im Brückenwirt anfing, ist der Ort zu einem Zuhause geworden.

(Foto: Claus Schunk)

Modernisierungen sollen den Pächterwechsel begleiten

Sorgen um die traditionell bayerische Gastronomie und den beliebten Stopp für Radler und Floßfahrer brauche man sich jedoch nicht zu machen, versichert Joachim Stahl im Namen des neuen Eigentümers. Natürlich werde man den Pächterwechsel für Modernisierungen nutzen, doch ansonsten bleibe alles beim Alten. Auch der Theatersaal werde erhalten. Obwohl es wegen des Umbaus eine Pause geben werde, wolle man bis zur neuen Radlsaison längst fertig sein.

Wirtin Ingrid Hanisch und ihr Mann Andreas müssen das Gasthaus nach vielen Jahren aufgeben.

(Foto: Claus Schunk)

Somit bräuchten sich auch die vielen Gruppen, die im Brückenwirt heimisch sind, nicht zu sorgen, sagt Stahl. Etwa die Volkstheatergruppe "Lampenfieber". Anders als etwa die Pullacher "Rabenritter", die den Wirten in ihr neues Lokal folgen, können die Schauspieler dies nicht tun, denn sie brauchen eine Bühne, die es in der alten Schützenlust in Solln nicht gibt. Im neuen Brückenwirt, der dann womöglich anders heißen wird, soll die Bühne dagegen bleiben. Auch die Schlierseer Almmusi, die heuer zum letzten Mal ihre altbairischen und adventlichen Kerzenabende von 13. bis 22. Dezember in Pullach abhalten, können vermutlich im kommenden Advent wieder auftreten. Und die Senioren der Firma Linde, die hier ihren Stammtisch haben, müssen vielleicht nur eine kleine Pause überbrücken.

"Hier hat man kaum jemanden gestört."

Die Wirtsleute Hanisch hoffen natürlich, dass ihnen ihre Gäste ins neue Lokal folgen, vor allem weil sich die Speisekarte nicht ändern wird, wie der Koch versichert. Die Hanischs sind zwar traurig, aber auch zuversichtlich. "Jetzt sind wir noch jung genug, um noch mal neu anzufangen", sagt Ingrid Hanisch. Und das habe ja auch seine Reize. Das neue Lokal sei etwas kleiner, man brauche weniger Personal. Und gerade Letzteres sei ja heutzutage in der Gastronomie immer schwieriger zu finden. Alle festangestellten Bedienungen aus dem Brückenwirt gehen übrigens mit nach Solln.

Ihren schönen Jahren im Brückenwirt trauern die Hanischs schon nach. "Hier hat man kaum jemanden gestört", sagt Andreas Hanisch. Wegen der abgeschiedenen Lage an der Isar konnte man Bands spielen lassen und feiern bis ein Uhr nachts. Beschwerden kamen nur selten, und wenn manchmal doch, dann von Bewohnern des Grünwalder Hochufers. Auch haben die Wirte natürlich viel Geld in ihr Lokal gesteckt im Laufe der Jahrzehnte.

Über eine Abfindung wird noch verhandelt. Dass sie Weihnachten nicht beschaulich feiern können, weil sie dann gerade den Umzug bewältigen müssen, sei kein Problem, sagen die Wirte. Denn das haben sie noch nie getan. "Wir waren an Weihnachten immer hier, außer an Heiligabend", sagt Ingrid Hanisch. Geschirr, Pfannen und andere Kleinigkeiten werden sie mitnehmen nach Solln, die Einrichtung, die teilweise neu ist, bleibt. "Wir sind dort schon neu eingerichtet."