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Pullach:Brücke der Freundschaft

Gemeinde ehrt Mykola Kowalenko aus der Partnergemeinde

Nein, für diese Liedauswahl zeichne sie nicht verantwortlich, beeilte sich die Pullacher Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) klarzustellen, nachdem zur Eröffnung des Neujahrsempfangs der Gemeinde eine Formation der örtlichen Musikschule "Oh, Lady, be good!" aus dem gleichnamigen Musical intoniert hatte. Ob die Lady wirklich gut ist für Pullach, stand an diesem Abend aber auch nicht zur Debatte. Im Mittelpunkt der Veranstaltung am Freitagabend im Bürgerhaus standen die Gäste aus den ukrainischen Partnergemeinden Barischywka und Beresan, allen voran Mykola Kowalenko, der im Jahr 1990 zusammen mit dem damaligen Pullacher Bürgermeister Ludwig Weber per Unterschrift die bis heute anhaltende Partnerschaft zwischen beiden Kommunen besiegelte: Kowalenko erhielt die höchste Auszeichnung, die die Gemeinde Pullach zu vergeben hat - die Ehrenbürgerwürde.

In ihren Reden erinnerten Tausendfreund, Weber und Kowalenko an die Anfänge dieser Freundschaft, die zur damaligen Zeit, der kalte Krieg war eben erst vorüber, nicht selbstverständlich war. Für diesen Freundschaftspakt habe die Gemeinde damals noch die Erlaubnis des in Pullach ansässigen Bundesnachrichtendiensts (BND) einholen müssen, sagte die Bürgermeisterin. "Du hat wesentlich mitgeholfen beim Bau einer Brücke zwischen Pullach und Baryschiwka, einer Brücke, auf der sich die Partner friedvoll treffen können, eine Brücke, die jegliche Feindschaft überwindet", würdigte Laudator Weber den Geehrten.

"Sa druschbu" (auf die Freundschaft) sagte denn auch Susanna Tausendfreund, ehe sie zurück ins Hier und Jetzt und zu den Vorhaben der Gemeinde für dieses Jahr zurückkehrte. Zur Ortsentwicklung, die im März Thema einer Ausstellung sein werde, zum geplanten neuen Schwimmbad an der Kuhwiese, für das ein Fahrplan erarbeitet werden müsse, zum Schulgebäude, für das heuer die Konzeptphase beginne. Und zum seit Monaten tobenden Streit um den von der Gemeinde beabsichtigten Wohnungsbau an der Heilmannstraße, der am 25. Februar mit einem Bürgerentscheid sein Ende finden wird. "Und ich bitte alle Pullacherinnen und Pullacher, die nächsten Wochen zu nutzen, um sich vielleicht noch zu informieren", sagte sie.

Mit einer ebenso nachdenklichen wie pointierten Rede wartete Martin Zöbeley, Pfarrer der evangelisch-lutherischen Jakobuskirche Pullach auf. Er spreche nicht als Pfarrer und auch nicht im Namen Gottes, sondern als "Pullacher auf Zeit", schickte er voran. "Man muss Gott für alles danken . . .", sagte er und legte eine rhetorische Pause ein - ..."auch für Ober-, Unter- Mittelfranken" führten einige Gäste den Satz zu Ende - zu vorschnell. Zu einem berühmten Franken kam der Geistliche erst später. "..Auch für unsere S-Bahnschranken", sagte Zöbeley. Vor Gott und vor den Schranken seien alle Menschen gleich. Er sei dankbar, dass es in und zwischen den Kirchen keine Schranken mehr gebe, sagte der Pfarrer, um sich dann nur kurz zum designierten Ministerpräsidenten Markus Söder aus dem Frankenland zu wenden: "Sicherheit erreicht man nicht, wenn man Zäune errichtet, sondern wenn man Tore öffnet."

© SZ vom 15.01.2018

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