Pullach:52 Bäume sollen weichen

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Pullach: Markierte Bäume an der Wolfratshauser Straße, wo der Lärmschutzwall erneuert wird. Damit dieser auch standfest wird, muss ins Wurzelwerk eingegriffen werden.

Markierte Bäume an der Wolfratshauser Straße, wo der Lärmschutzwall erneuert wird. Damit dieser auch standfest wird, muss ins Wurzelwerk eingegriffen werden.

(Foto: Claus Schunk)

In Pullach löst die Nachricht Entsetzen aus, dass für neue Lärmschutzwände an der B 11 massive Fällungen notwendig sind.

Von Michael Morosow, Pullach

Mit einer Hiobsbotschaft hat Pullachs Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) die jüngste Gemeinderatssitzung eröffnet: Für den Bau einer Lärmschutzwand entlang der Wolfratshauser Straße (B 11) müssen im ersten Bauabschnitt weitere 52 Bäume gefällt werden und damit deutlich mehr als geplant. Im Gremium löste diese Nachricht blankes Entsetzen aus und es wurde nach Schuldigen gesucht, die den Planungsfehler zu verantworten haben. Gefunden wurde keiner, aber geärgert haben sich alle. "Warum fällt das jetzt erst auf?", fragte Christine Eisenmann (CSU). Den Grund für die zusätzlichen Fällungen im südlichen Abschnitt erläuterte Peter Rappel von der Steinbacher Consult. Es sei ein rein technisches Problem, eines, mit dem man nicht habe rechnen können, sagte der Diplomingenieur. Es sei festgestellt worden, dass die Rammbohlen zur Gründung der Schallschutzwand tiefer als 90 Zentimeter in die Erde getrieben werden müssen, damit den Wurzeln der Bäume zu nahe kämen und damit deren Standsicherheit gefährden. Diese Fehleinschätzung sei bereits in der Planungsphase getroffen worden.

Wie das Gremium weiter erfuhr, lehnen sowohl die Baufirma als auch das Staatliche Bauamt ab, die Gewährleistung für die Standsicherheit zu übernehmen. Die Gemeinde will nun aus diesen Fehlern für die weiteren Abschnitte des Lärmschutzwalles lernen. "Wir sind dran, Neues zu überlegen", sagte Bürgermeisterin Tausendfreund. In den nördlichen Bauabschnitten könne die Konstruktion eine ganz andere sein, sagte sie.

Die circa 1000 Meter lange Lärmschutzwand wurde vor 30 Jahren errichtet und man sieht ihr das Alter auch deutlich an, stellenweise ist sie eingebrochen. Aus diesem Grund hat der Gemeinderat im September 2020 beschlossen, 1,8 Millionen Euro in die Erneuerung der Holzwand zu stecken, die höher werden soll als die bisherige und außerdem Fundamente bekommen soll. Platziert werden soll sie zwischen der Pater-Augustin-Rösch-Straße und dem Edeka. Schon damals hatte die WIP-Fraktion Bedenken angemeldet, Johannes Schuster, weil ihm das Vorhaben überdimensioniert schien, Reinhard Vennekold, weil er den Verlust von Bäumen dafür beklagte und auf Ersatzpflanzungen pochte.

Auch dieses Mal drückte er seinen Missmut darüber deutlich aus: "52 Bäume umhauen, damit die Autofahrer durchfahren können", und das in einer grünen Gemeinde, das gefalle ihm nicht.

Das Problem wäre nicht gegeben, wenn auf der B 11 in diesem Abschnitt Tempo 50 gelten würde, weil dann eine Lärmschutzwand nicht mehr dringend vonnöten wäre. Über diese Möglichkeiten dachten mehrere Gremiumsmitglieder laut nach, etwa Caroline Voit (Pullach plus) und Fabian Müller-Klug von den Grünen, der am Ende doch einen Schuldigen an der Misere gefunden hat. Diese Hoffnung nahm ihnen aber die Bürgermeisterin. Eine Tempo-50-Regelung für die Bundesstraße könnte zwar beantragt werden, sie sehe aber kaum Chancen, diese genehmigt zu bekommen, sagte sie. "Tempo 50 ohne Schallschutz, oder Schallschutz und kein Tempo 50" - auf diesen Nenner brachte Cornelia Zechmeister die Problematik. Jeder Baum tue ihr weh, "das war eine grüne Oase", sagte die WIP-Rätin.

Nach der Definition der Unteren Naturschutzbehörde ist die betroffene Fläche neben der Bundesstraße ein Flachlandbiotop, für den Leiter des Umweltamts im Pullacher Rathaus, Bernhard Rückerl, ist es eine artenarme Fläche, auf der möglicherweise bald ein weiteres Problem erwächst: "Da ist alles voll mit dem Japanknöterich", sagt Rückerl, "und wenn der erst einmal drin ist, kriegt man ihn nicht mehr weg."

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