Protestnote aus Garching:Waffenfähiger Atommüll

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Forschungs-Neutronenquelle FRM-II der TU München in Garching, 2014

Der moderne Forschungsreaktor FRM II (im Bild das Reaktorbecken) ist der Nachfolger des Garchinger Atomeis.

(Foto: Robert Haas)

Kritiker warnen vor hochangereichertem Uran in Garching.

Von Iris Hilberth, Garching

Die Vorsitzende der Initiative "Bürger gegen Atomreaktor Garching", Ingrid Wundrak, fordert die neue Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in einem Brief auf, sich für einen anderen Lagerort für die abgebrannten Brennelemente aus dem Garchinger Forschungsreaktor FRM II einzusetzen.

Derzeit ist vorgesehen, das Material in das Atommülldepot in Ahaus zu bringen. Wundrak bezeichnet dieses Zwischenlager als "relativ ungeschützt" und plädiert eindringlich für eine Lagerung an einem Ort, "der der besonderen Gefährlichkeit des Materials wirklich Rechnung trägt". Laut der Bürgerinitiative ist das Abklingbecken im Garchinger Reaktor fast voll. Der Abtransport der Brennelemente in Castoren solle deshalb noch in diesem Jahr beginnen, teilt Wundrak mit.

Transport bis nach Ahaus

In ihrem Schreiben an die Ministerin verweist sie zudem darauf, dass der Reaktor - entgegen der Genehmigungsauflage längstens bis 2010 - immer noch mit hochangereichertem, waffentauglichem Uran betrieben werde. Ein Brennelement des FRM II habe einen Anteil von 93 Prozent U 235. Die abgebrannten Brennelemente aus Garching, die mit einer Anreicherung von 87,5 Prozent noch immer waffenfähig seien, sollten von diesem Jahr an Hunderte Kilometer bis Ahaus transportiert werden und über Jahrzehnte dort bleiben, kritisieren die "Bürger gegen Atomreaktor Garching".

Sie verweisen auf eine Gutachterliche Stellungnahme zum FRM II für das Nationale Begleitgremium vom Dezember 2017, in der es heiße: "Der physische Schutz von Zwischenlagern entspricht, nach aktuellem Kenntnisstand, dem Standard für die Lagerung von radioaktivem Abfall und nicht demjenigen für die Lagerung von Waffenmaterial." Das Risiko eines Diebstahls von Brennelementen des FRM II aus dem Zwischenlager könne nicht ausgeschlossen erden.

Ein Abtransport eines circa 50 Kilogramm schweren Brennelements wäre vergleichsweise einfach. Wundrak fordert, künftig - wie lange zugesagt - nur noch wenig angereichertes Uran im FRM II zu verwenden.

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