Vor dem Hintergrund anhaltender Kritik an der Schließung der Postbank-Filiale im Taufkirchner Ortsteil Am Wald hat die Deutsche Post an dem Standort am Lindenring nun Deutschlands größte Poststation eröffnet. Dort können nach einer einmaligen Registrierung Briefe und Pakete verschickt und empfangen, Retouren abgegeben sowie Brief- und Paketmarken gekauft werden. Kurzum, vieles von dem, was bis vor Kurzem noch in der mittlerweile geschlossenen Postbank-Filiale möglich war – nur jetzt eben nicht mehr bei einem Menschen am Schalter, sondern per Selbstbedienung am Bildschirm.
„An vielen Stellen erleichtern Automationslösungen uns bereits das alltägliche Leben – seien es Geldautomaten, Ticketautomaten oder DHL-Packstationen“, sagt Stefan Kutzner, Vertriebsleiter Multikanalvertrieb München bei der Deutschen Post und DHL. „Die Poststation ist ein Angebot an unsere Kundinnen und Kunden, postalische Leistungen auf für sie möglichst bequeme Weise – unabhängig von Öffnungszeiten – zu nutzen.“ Nicht ganz so begeistert klingt Taufkirchens Bürgermeister Ullrich Sander (parteifrei). Er nennt die Poststation „derzeit wohl das Beste, was Taufkirchen geboten werden kann“. Das Angebot sei „ein guter Ersatz für unsere Gemeinde“.

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Sander bezieht sich damit auf die Schließung der Postbank-Filiale Ende September, die hohe Wellen in der Siedlung geschlagen hat. Den Ärger in der Bevölkerung haben die Grünen in der jüngsten Gemeinderatssitzung in Form eines Antrags aufgegriffen. Darin fordern sie das Rathaus auf, aktiv das Gespräch mit der Deutschen Post und der Postbank zu suchen. „Wenn Menschen für alltägliche Dinge wie Bargeld oder Briefversand auf komplizierte Umwege angewiesen sind, läuft etwas schief“, wird Grünen-Gemeinderätin Jutta Henkel in einer Mitteilung ihrer Partei zitiert. „Eine funktionierende Grundversorgung gehört direkt ins Wohngebiet – nicht wie von der Post vorgeschlagen, auf die To-do-Liste einer Tagesreise nach Rosenheim.“
Henkel spielt damit auf ein Schreiben der Postbank an, in dem diese über die Schließung des Geschäfts am Lindenring informiert hat. Darin verweist der Konzern, der zur Deutschen Bank gehört, seine Kundinnen und Kunden als alternative Anlaufstelle auf eine Filiale in Rosenheim – gut 60 Kilometer entfernt. Derweil heißt es in einer aktuellen Mitteilung der Deutschen Post, dass auch noch eine Filiale am Köglweg unweit des Rathauses, zwei Packstationen an den Discountern im Gewerbegebiet am Grünwalder Weg sowie zwei Partnerfilialen im benachbarten Unterhaching zur Verfügung stünden. Hinzu kommt nun also die neue Poststation am Lindenring, die mit 159 Fächern für Pakete sowie 19 Modulen die größte ihrer Art in Deutschland ist.
Ausschlaggebend für die Entscheidung, ein solches Angebot in Taufkirchen zu etablieren, sei zweierlei gewesen, erklärt Stefan Kutzner. Erstens habe man nach der Schließung der Postbank-Filiale das „leistungsstarke und stabile Netz“ der Post aufrechterhalten wollen. „Und zweitens gab es an dem Standort bereits eine Packstation, die sehr gut angenommen wurde“, sagt Kutzner. Auch wegen der großen Nachfrage habe man das bestehende Angebot durch eine Poststation der neuesten Generation ersetzt. Diese biete „viele Services und eine große Kapazität rund um die Uhr“, anerkennt auch Ullrich Sander. Wiewohl der Bürgermeister schon im nächsten Satz ausdrücklich bedauert, dass die „bisherige, mit Personal besetzte Filiale“ nunmehr der Vergangenheit angehört.

