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Polizei:Rückkehr in Uniform

Ein neuer Chef auf Dauer: Stefan Roß leitet die Haarer Polizeiinspektion. Er schätzt die Mischung aus Stadt und Land und die Arbeit in einem überschaubaren Team.

(Foto: Claus Schunk)

Stefan Roß hat sechs Jahre in Haar gewohnt. Nun leitet er die Polizeiinspektion als Nachfolger von Interimschefin Nina Samtleben

Von Bernhard Lohr, Haar

Stefan Roß ist seit April neuer Chef der Haarer Polizeiinspektion. Die Gemeinde und ihr näheres Umfeld ist aber schon länger sein Revier. Der heute 55-Jährige hat sechs Jahre in Haar gewohnt und mit seinem Hund namens Cosi viele Streifzüge unternommen. Das Herrchen und Cosi, eine Mischung aus Berner Sennenhund und Labrador, errangen dabei einen gewissen Bekanntschaftsgrad. Nicht weil der Begleiter des Polizisten ein scharfer Wachhund wäre. Im Gegenteil. Die Hündin ließ sich gerne streicheln. Cosi sei der perfekte "Deeskalationshund", sagt Roß. Ein Polizistenscherz, den Roß auch schon bei einem Vorgesetzten im Polizeipräsidium angebracht hat, als er Cosi mit in die Arbeit genommen hatte.

Ob der Scherz über das "neue Einsatzmittel" richtig angekommen ist, weiß Roß bis heute nicht. Jedenfalls zeigt sich der neue Haarer Polizeichef, der mit seinen Beamten auch für Aschheim, Feldkirchen und Grasbrunn zuständig ist, im Gespräch als jemand, der die Dinge auch von der heiteren Seite sehen kann. "Ich wäre ein Wiederholungstäter", sagt er auf die Frage, ob und warum er den Beruf des Polizisten liebe. Er habe als Jugendlicher im Rettungsdienst gearbeitet. Es liege ihm, mit Menschen zu tun zu haben.

Stefan Roß ist gebürtiger Münchner. Der ältere Bruder ging schon zur Polizei und für ihn selbst war vor dem Abitur schon klar, dass er auch diese Laufbahn einschlagen würde. Er fing am 1. September 1986 bei der Bereitschaftspolizei in Königsbrunn an. Es folgten Jahre an der Inspektion in München-Moosach im Streifendienst. Roß wurde Führungsmitarbeiter des polizeilichen Einsatzleiters im Abschnitt München-West. Es ging weiter nach oben, bis ins Präsidialbüro, wo Roß dem Chef zuarbeitete. Von 2002 bis 2004 folgte ein Studium an der Beamtenfachhochschule. 16 Jahre war Roß dann im Innenministerium für internationale Zusammenarbeit und Angelegenheiten der EU zuständig. Als er in Haar wohnte, bewarb er sich um die Leitung der dortigen Inspektion. Diese führte nach dem Abschied des langjährigen Chefs Karl-Heinz Schilling befristet ein halbes Jahr Nina Samtleben. Jetzt ist in Roß, der kürzlich mit Lebensgefährtin und natürlich mit Cosi in den Landkreis Erding gezogen ist, wieder ein Chef auf Dauer installiert.

Die Touren mit Cosi führten Roß auch ans Isar-Amper-Klinikum, wo man auf dem parkähnlichen Gelände spazieren gehen kann. Im Café am Gesellschaftshaus saß Roß gerne und freute sich, wenn Patienten mit dem Hund Freundschaft schlossen. Die Klinik betrachtete Roß damals schon mit den Augen des Polizisten auch als Einsatzbereich, gerade wenn er an dem stark gesicherten Gebäude der Forensik vorbeikam, in dem Patienten untergebracht sind, die im Zustand einer psychischen Erkrankung eine Straftat begangen haben. Roß ist ein achtsamer Umgang wichtig, ob mit Hund oder Mensch. Die menschlichen Schicksale, die mit diesen Mauern verbunden sind, beschäftigen ihn. Es sei kein Gefängnis, sondern ein Krankenhaus, sagt er. Aber auch ein Ort, den die Polizei im Blick habe. Die Klinik bezeichnet er als ein "Alleinstellungsmerkmal" seiner Haarer Inspektion. Abgesehen davon schätzt der Polizeichef in Haar die Mischung von Stadt und Land.

Der Übergang von Haar nach Trudering sei fließend, sagt Roß. Und doch habe man mehr Freiraum. Das gebe dem Arbeiten einen "entspannteren Touch". Roß schätzt das kleine Kollegenteam, in dem jeder auf gute Zusammenarbeit aus sei. Die Inspektion an der Rechnerstraße wird gerade umgebaut. Auch die Zellen werden hergerichtet. Da drin sei es dann zwar immer noch nicht schön, aber sauber, sagt Roß. "Das hat auch mit Menschenwürde zu tun."

© SZ vom 08.06.2021
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