bedeckt München 22°

Politik:Mit geballter Frauenpower in den Wahlkampf

Erleichtert und glücklich: Annette Ganssmüller-Maluche geht als Siegerin aus dem Wettstreit mit Ingrid Lenz-Aktaş hervor.

(Foto: Robert Haas)

Annette Ganssmüller-Maluche ist im nördlichen Landkreis SPD-Direktkandidatin für den Landtag

Der Wahlgang endete mit minutenlangem Applaus und stehenden Ovationen: Die neue Direktkandidatin der SPD im Norden für den Landtag heißt Annette Ganssmüller-Maluche. Ihr unterlag Ingrid Lenz-Aktaş. 54 Delegierte stimmten am Freitag im Bürgerhaus von Unterschleißheim ab, wer die Nachfolge von Peter Paul Gantzer antreten soll. Der 79-Jährige hatte vor dem Wahlgang nochmals wiederholt, dass er sich für Lenz-Aktaş ausspreche. "Jede hat ihre Vorzüge, keine hat ihre Nachteile", sagte der Haarer. Doch weil er wisse, welche Aufgaben auf die Kandidatin zukommen werden, habe er sich entschieden, die Fraktionsvorsitzende im Kreistag zu unterstützen.

Kritik für Gantzers Positionierung kam aus dem Kirchheimer Ortsverein: Die Gemeinderäte Ewald Matejka und Stefan Keck hielten solch eine Äußerung für unnötig. Ein Abgeordneter hätte die Aufgabe gehabt, seinen Nachfolger aufzubauen. "Wer sich so viele Jahre lang nicht geäußert hat, sollte es an dem besagten Tag auch lassen", sagte Matejka. Dass Gantzer sich nun für eine seiner potenziellen Nachfolgerinnen entschieden habe, treffe Matejka in sein "Sozialdemokratenherz". Keck fügte hinzu, er sei "enttäuscht", dass Gantzer in seiner Rede zwar beide Frauen gelobt, jedoch schließlich mit seiner Empfehlung zum Ausdruck gebracht hätte, dass eine von ihnen weniger geeignet sei.

Die Mehrheit der Delegierten entschied ohnehin anders als Gantzer, der seit 1978 im Landtag sitzt. Die Ismaningerin Ganssmüller-Maluche erhielt 35 Stimmen, während ihre Gegnerin aus Aschheim nur 19 bekam. Ein knappes Ergebnis war es nicht.

Ganssmüller-Maluches Fürsprecher waren überwiegend der Meinung, dass sie als stellvertretende Landrätin im gesamten Landkreis bekannter sei. Eine Eigenschaft, die im bevorstehenden Wahlkampf für die Landtagswahl in neun Monaten mit Blick auf die jüngsten Umfrageergebnisse dringend benötigt werde.

In der Rede vor den Delegierten gab sie sich betont links: Es brauche eine Rückbesinnung auf den Sozialstaat, sagte Ganssmüller-Maluche. Dieser müsse dem Streben nach Gewinnmaximierung der Wirtschaft Grenzen setzen. "Mit der Begründung Globalisierung haben wir uns immer mehr in die Defensive bringen lassen." Mit einem "roten sozialen Faden" und Bürgernähe wolle sie Wohnungsnot und Bildung im Wahlkampf thematisieren.

Die unterlegene Gegenkandidatin Lenz-Aktaş hatte zuvor in ihrer Bewerbungsrede argumentiert, mit ihr bekäme die Partei sowohl eine "Praktikerin, die mitmischt und sich einmischt" als auch eine Theoretikerin. Nach der verlorenen Wahl zeigte sie sich enttäuscht von dem deutlichen Ergebnis. Einen positiven Aspekt konnte sie ihm jedoch abgewinnen: Der parteiinterne Wettstreit sei vorbei und sie habe nun wieder mehr Lebensqualität. Angesichts der bevorstehenden Landtagswahl möchte sie sich weiterhin in der SPD engagieren: "Ich habe in meiner Partei immer weitergemacht", sagte Lenz-Aktaş.

Dass sie nun nicht für die SPD in den Wahlkampf zieht, werde er akzeptieren - in der Hinsicht sei er "ein alter Sozi", sagte Gantzer. "Die Basis hat entschieden." Und diese Entscheidung werde er mittragen. Die ganze Partei müsse nun den Blick nach vorne richten, denn es stehe ihr ein "unfassbar schwieriger Wahlkampf" bevor. "Ich werde Annette im Wahlkampf uneingeschränkt unterstützen", beteuerte Gantzer. Mit der Vorsitzenden der Bayern-SPD, Natascha Kohnen, als Spitzenkandidatin habe die SPD in Bayern eine "echte Chance". Kohnen sei ein "großes Pfund".

Die Vorsitzende selbst war auch zur Stimmkreiskonferenz nach Unterschleißheim gekommen. Zur frisch gekürten Direktkandidatin Ganssmüller-Maluche sagte sie: "Das kriegt sie hin. Sie hat enorme Wahlkampferfahrung." Kohnen wurde im südlichen Landkreis nominiert. Die beiden werden laut SPD-Chefin nun "mit geballter Frauenpower" in den Wahlkampf ziehen. Ganssmüller-Maluche sei eine starke Kandidatin und bekannt im Landkreis, sagte die SPD-Kreisvorsitzende Bela Bach. "Davon werden wir profitieren." Im Wahlkampf könne Ganssmüller-Maluche auf sie zählen. Anders als bei ihrer eigenen Kandidatur für den Bundestag, werde sie nun allerdings "nicht mehr an vorderster Front" dabei sein.

© SZ vom 04.12.2017

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite