Jugendzentrum in Planegg:Der Charme des Waaghäusls bleibt erhalten

Jugendzentrum in Planegg: Das Waaghäusl diente in seiner ursprünglichen Funktion einer Brauerei. Seit mehr als 30 Jahren wird es als Jugendzentrum genutzt.

Das Waaghäusl diente in seiner ursprünglichen Funktion einer Brauerei. Seit mehr als 30 Jahren wird es als Jugendzentrum genutzt.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Planegger Gemeinderäte entscheiden sich gegen einen Abriss des Jugendzentrums und planen zwei Millionen Euro für die Sanierung ein. Das liegt nicht nur daran, dass das Gebäude unter Ensembleschutz steht.

Von Rainer Rutz, Planegg

Muss das Jugendzentrum "Waaghäusl" an der Bräuhausstraße abgerissen werden oder lohnt sich eine Sanierung? Der Planegger Gemeinderat hat nach langen Diskussionen eine schwierige Entscheidung getroffen und sich für eine Generalsanierung ausgesprochen. Rund zwei Millionen Euro sollen in den nächsten zwei Jahren in das mehr als 150 Jahre alte Gebäude gesteckt werden, das einmal das Waaghaus für die ehemalige Planegger Schlossbrauerei war.

Das "Waaghäusl" ist seit mehr als 30 Jahren ein Zentrum für Kinder- und Jugendarbeit des Kreisjugendrings München. Es gehört sicherlich zu den originellsten und größten Zentren dieser Art im Landkreis München und ist bei jungen Leuten sehr beliebt. Die Gemeinde will die schwierigen Sanierungsarbeiten bei offenem Betrieb bewerkstelligen. Es gehe auch darum, "ein Stück Planegg zu erhalten", sagte Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) in der Sitzung.

Die Wände sind feucht und es schimmelt

Tatsächlich ist das alte Haus am Ortsrand von Planegg in keinem besonders gutem Zustand. In den vergangenen Jahrzehnten wurde es immer wieder stückweise saniert, allerdings nicht in ausreichender Qualität, wie Philipp Heiland vom Bauamt der Gemeinde durchblicken ließ. Zusammen mit einem Architekturbüro hat die Gemeinde nun eine ellenlange Liste der Arbeiten zusammengestellt, die unbedingt notwendig sind, allein schon um den Brandschutz zu gewährleisten und wenigstens Teile des Hauses behindertengerecht zu machen.

Jugendzentrum in Planegg: Die bunte Farbe kann nicht übertünchen, dass die Wände im Jugendzentrum feucht und teilweise von Schimmel befallen sind.

Die bunte Farbe kann nicht übertünchen, dass die Wände im Jugendzentrum feucht und teilweise von Schimmel befallen sind.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

So sollen alle Decken erneuert werden, ebenso die Fußböden und Teile des Dachgeschosses. Das gesamte Haus leidet unter Schimmelbefall und feuchten Wänden. Dazu müssen alle Fenster ersetzt werden, eine Klimaanlage soll eingebaut, das Haus gedämmt werden, Elektronik und Heizkörper erneuert werden. Darüberhinaus wird es einen neuen Anbau geben.

Für einige Gemeinderäte stellte sich da schon die Frage, ob ein Neubau nicht günstiger und sinnvoller wäre. Philipp Pollems (Pro Planegg und Martinsried) sagte beispielsweise, die schlechten Erfahrungen der Gemeinde mit der überteuerten Sanierung der Volksschule ließen ihn Schlimmes ahnen. Man solle sich auch mit dem Team des Jugendzentrums zusammensetzen und dessen Wünsche berücksichtigen.

Alles schon geschehen, sagte Bürgermeister Nafziger und ließ sich das gleich von der anwesenden Leiterin Claudia Haslbeck bestätigen. Sie sprach vom "Charme des Hauses", auch die jungen Leute würden es gerne erhalten. Außerdem werden Räume außerhalb der Öffnungszeiten auch anderweitig gerne vermietet. Die jetzige bauliche Struktur des alten Hauses sei dafür bestens geeignet.

Michael Book (CSU) erwähnte die immensen Kosten und forderte die seriöse Prüfung eines Neubaus. Nafziger wies allerdings auf einen noch ganz anderen Aspekt hin: Das alte Gebäude steht nämlich unter Ensembleschutz und unterliegt damit ähnlich strengen Auflagen wie beim Denkmalschutz. Einen "Schatz" nannte Angelika Lawo (Grüne Gruppe 21) das "Waaghäusl" und Fritz Haugg (FDP) lobte dessen zentrale Lage. Schließlich waren alle Gemeinderäte von einer Komplett-Restaurierung überzeugt. Mit den Sanierungsarbeiten soll noch heuer begonnen werden.

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