Planegg:Gewerbegebiet steht noch mal auf der Kippe

Lesezeit: 2 min

Planegg: Die Firmen Sanacorp und Eurofins wollen in dem Gewerbegebiet an der Semmelweisstraße erweitern.

Die Firmen Sanacorp und Eurofins wollen in dem Gewerbegebiet an der Semmelweisstraße erweitern.

(Foto: Stephan Rumpf)

In einer Sondersitzung wird sich der Gemeinderat noch einmal mit der Erweiterung des Gewerbegebiets Steinkirchen befassen. Grund ist wachsender Protest von Anwohnern und Umweltschützern.

Von Rainer Rutz, Planegg

Der Widerstand gegen eine Erweiterung des Gewerbegebiets im Planegger Ortsteil Steinkirchen an der Grenze zu Gräfelfing wächst. Vor allem vom Bund Naturschutz und einigen Gemeinderäten kommt massive Kritik an der geplanten Bebauung von rund 10 000 Quadratmetern bisheriger Ackerfläche östlich der Semmelweisstraße. Die Gegner haben jetzt erreicht, dass sich der Gemeinderat an diesem Montag, 6. Dezember, um 19.15 Uhr im Kupferhaus zu einer öffentlichen Sondersitzung trifft.

Hier sollen Pro und Contra diskutiert werden. Dabei geht es auch um etliche Vorschläge der Naturschützer, statt der Ackerfläche noch andere freie Flächen in Steinkirchen zu prüfen - die gebe es nämlich zur Genüge, wird argumentiert. Dass die Mehrheit der Gemeinderäte die schon signalisierte Zusage an die Firmen Sanacorp und Eurofins noch einmal zurückzieht, ist allerdings unwahrscheinlich.

Planegg: Naturschützer, Anwohner und Kommunalpolitiker wehren sich gegen eine Bebauung der freien Flächen an der Semmelweisstraße in Steinkirchen.

Naturschützer, Anwohner und Kommunalpolitiker wehren sich gegen eine Bebauung der freien Flächen an der Semmelweisstraße in Steinkirchen.

(Foto: Stephan Rumpf)

In einem fünfseitigen offenen Brief an die Würmtaler Bürgermeister und Gemeinderäte listet Hans-Dietrich Kubisch, seit 40 Jahren im Bund Naturschutz und langjähriger Vorsitzender der früheren Ortsgruppe Planegg-Gräfelfing, die Gründe auf, warum er das Gelände an der Semmelweisstraße für ungeeignet hält. Kubisch gilt als profunder Kenner des Würmtals, unter seiner maßgeblichen Mitarbeit wurde beispielsweise der Grünzug und das Biotop am Lichtweg zwischen Gräfelfing und Planegg entwickelt. Es liegt direkt an der geplanten Erweiterungsfläche und grenzt außerdem an die Ackerfläche eines "Bioland"-Bauern, wie Kubisch betont.

Eine Erweiterung der Gewerbeflächen würde den Bio-Anbau erheblich erschweren. Kubisch wirft der Gemeinde Planegg vor, unterschlagen zu haben, dass es nicht nur um 10 000 Quadratmeter geht, sondern der notwendige Ausbau der Semmelweisstraße weitere 2500 Quadratmeter verschlingen würde. Dies hatte Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) immer wieder bestritten.

"Blauäugig" nennt Kubisch das Argument, die Dachflächen der neuen Gebäude würden ökologisch aufgewertet. Er verweist auf technische Anlagen auf den Dächern, die man "nicht im Keller" unterbringen könne. Dass die von den Befürwortern favorisierte Fläche "ökologisch minderwertige Ackermonokultur" sei, bezweifelt Kubisch: "Der geltende Flächennutzungsplan spricht eine ganz andere Sprache."

Vor allem aber ist der Naturschutzexperte überzeugt, dass es - im Gegensatz zu Aussagen aus der Planegger Verwaltung - durchaus noch "ausreichend freie Erweiterungsflächen" gebe, so zum Beispiel das Grundstück südlich des Discounters Lidl. Die Erbengemeinschaft dort ist laut Kubisch, im Gegensatz zu Aussagen aus dem Rathaus durchaus zum Verkauf bereit. Außerdem könne man etliche bestehende Flachbauten "relativ einfach" überbauen.

Ganz ähnlich argumentiert die frühere Planegger Bürgermeisterin Anneliese Bradel (Grüne Gruppe 21). Ihrer Stellungnahme setzt sie den Satz "Noch eine Chance für die Natur" voran. Bradel verweist auf das anlässlich des gerade erst verabschiedeten Flächennutzungsplans erstellte Bürgergutachten, in dem eine große Mehrheit der Planegger und Planeggerinnen "dem Schutz der Grünflächen oberste Priorität" eingeräumt habe. Auch Bradel und mit ihr die beiden Gemeinderätinnen Angelika Lawo und Eva Schreier glauben nicht, dass bereits "sämtliche sich bietende Alternativen intensiv und mit allem Nachdruck geprüft" worden seien. Es sei auch nicht genügend mit bestimmten Grundstücksbesitzern verhandelt worden.

Bradel ganz grundsätzlich: "Ungebremstes Wachstum bringt vielleicht - nicht garantiert - mehr Geld in die Gemeindekasse, hat aber auch üble Nebenwirkungen. Mit den geplanten Neubauten werden, auf welchen Flächen auch immer, weitere 650 Arbeitsplätze in Planegg entstehen: Noch mehr Einpendler-Verkehr, noch mehr Wohnungsdruck."

Der Bund Naturschutz, Kreisgruppe München, verweist auf eine neue Statistik, wonach in Bayern täglich eine Fläche versiegelt wird, "die der Größe von 16 Fußballfeldern entspricht". Die Planungen in Steinkirchen entsprächen auch nicht den Forderungen des Klimaschutzgesetzes vom März 2021, dem sich auch Planegg verpflichtet fühlt. Die Erweiterung der Konzern-Niederlassungen könnten auch über bestehende Gebäude erfolgen: "Neubauten sind häufig mit einem deutlich größeren Kohlendioxid-Fußabdruck verbunden."

Zur SZ-Startseite

Wirtschaft
:Platz für expandierende Firmen

Planegg erweitert für zwei ansässige Weltunternehmen aus dem Gesundheitssektor das Gewerbegebiet Steinkirchen. Kritiker im Gemeinderat beklagen negative Folgen für Natur und Wohnungsmarkt.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB