Energiewende:Mais ernten, Strom gewinnen

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So wie hier bei Unterhaching soll auch bei Planegg eine Freiflächen-Photovoltaik-Anlage entstehen. (Foto: Sebastian Gabriel)

Am Ortsrand von Planegg soll die angeblich größte Agri-Photovoltaikanlage Süddeutschlands entstehen.

Von Rainer Rutz, Planegg

Rund 25 Prozent aller Planegger Haushalte könnten theoretisch durch die geplante Agri-Photovoltaikanlage, die neben dem Kraillinger Friedhof entstehen soll, mit Strom versorgt werden. Im Gemeinderat stellten Fachleute am Donnerstag das Vorhaben vor – es soll das größte in Süddeutschland sein. Das Plenum zeigte sich begeistert. Die Kommune mache auf diese Weise einen großen Schritt in Richtung Klimaneutralität, sagte Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU). Diese will sie bis 2040 erreichen.

Auf 7,5 Hektar Fläche sollen am Ortsrand Photovoltaik-Paneele installiert werden. Dabei soll die fortschrittlichste Technik zur Anwendung kommen: Tracker-Modelle, die sich automatisch nach der Sonneneinstrahlung richten. Bürger sollen Anteile zu je 500 Euro kaufen können, die mit rund 3,5 Prozent verzinst werden. Die Fläche gehört dem Grundstücksbesitzer und CSU-Gemeinderat Philipp von Hirsch, einem Parteifreund des Bürgermeisters. Da die Gemeinde selbst kein geeignetes Grundstück habe, sei man froh, „dass wir den Acker von Hirsch fanden“, so Nafziger. Der Bauer aus Gilching, der hier meistens Mais anbaut, soll das Feld weiter bewirtschaften können.

Betreiber der Anlage wird die Bürger-Energie aus Unterhaching, ein genossenschaftliches Unternehmen, das seit 2012 in der Region München für etliche Gemeinden Strom aus Photovoltaikanlagen produziert. 800 Mitglieder hat das Unternehmen, Beteiligungen sind sowohl an der Genossenschaft als auch an einzelnen Projekten möglich. Ziel des Unternehmens ist nach Aussage von Geschäftsführer Thorsten Grebe „niedrigere Strompreise“. Projektentwickler Oliver Pannke verspricht, der Landwirt könne auch mit Photovoltaikanlage rund 66 Prozent seiner Erträge erreichen, der Pachtvertrag müsse allerdings entsprechend gestaltet werden. Über die Zahlungen an den Grundeigentümer Hirsch, welche die Genossenschaft übernimmt, wurde auch auf Nachfrage von Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour (PPM) nichts mitgeteilt.

Die Leistung der Anlage soll rund 4,6 Megawatt betragen und im Herbst 2025 in Betrieb gehen. Der erzeugte Strom wird an einem Anschlusspunkt in rund 450 Meter Entfernung ins Netz eingespeist, zusätzlich ist ein Batteriesystem geplant, das überproduzierten Strom speichert. Die Kosten für die gesamte Anlage beziffert Pannke auf rund fünf Millionen Euro. Das Geld soll von der Bürger-Energie, Mitgliedsbeiträgen und Beteiligungen von Bürgern und möglicherweise über einen Kredit aufgebracht werden.

„Eigentlich müssten hier die Sektkorken knallen“

Angelika Lawo (Grüne Gruppe) und Florian Zeller (Freie Wähler) wollten im Gemeinderat wissen, worin der Gewinn für Bürger bestehe, die keine Anteile kaufen. Schall-Riaucour sagte, es gehe wohl eher um „ein moralisches Leuchtturmprojekt“. Zweite Bürgermeisterin Judith Grimme (Grüne) entgegnete: „Hauptsache ist, dass der Klimaschutz vorankommt – das ist unser Ziel. Eigentlich müssten hier die Sektkorken knallen und wir auf diesen großen Erfolg anstoßen.“

Das war dann zwar nicht der Fall. Das Projekt für grünen Strom wurde aber immerhin ohne Gegenstimme angenommen. Das Rathaus muss jetzt zusammen mit Sachverständigen Einzelheiten ausarbeiten.

In einer früheren Version hieß es, Planeggs Zweite Bürgermeisterin Judith Grimme sei Mitglied der CSU, tatsächlich aber gehört sie den Grünen an.

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