Streit um Rechenzentrum„Ich glaube, wir müssen jetzt abrüsten“

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Die Pläne für ein Rechenzentrum haben Unstimmigkeiten zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und der Gemeinde Planegg ausgelöst. Das Foto zeigt Kabel an einem Hochleistungsrechner im Leibniz-Rechenzentrum in Garching.
Die Pläne für ein Rechenzentrum haben Unstimmigkeiten zwischen der Max-Planck-Gesellschaft und der Gemeinde Planegg ausgelöst. Das Foto zeigt Kabel an einem Hochleistungsrechner im Leibniz-Rechenzentrum in Garching.
Robert Haas

Nach der Ablehnung des Bauantrags verteidigt die Max-Planck-Gesellschaft ihr geplantes Data Center in Martinsried. Den Vorwurf mangelnder Kommunikation gibt sie an die Gemeinde Planegg zurück – und der Bürgermeister bemüht sich um Schadensbegrenzung.

Von Rainer Rutz, Planegg

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Unverständnis und Ärger hat die vorläufige Ablehnung ihres geplanten großen Rechenzentrums in Martinsried durch den Planegger Gemeinderat bei der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) hervorgerufen. Das Data Center mit einer Leistung von 15 Megawatt soll in einigen Jahren die von der Max-Planck-Gesellschaft neu geplanten Institute versorgen. Sozusagen als Vorabmaßnahme, so die MPG in einer Stellungnahme, soll es bereits 2027 fertiggestellt sein – es eilt also. Im Gemeinderat war Anfang vergangener Woche der Bauantrag jedoch einstimmig abgelehnt worden, weil die eingereichten Pläne den geltenden Bebauungsplan bei den zulässigen Grundflächen gleich um mehr als 50 Prozent überschreiten. Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) fühlte sich nach eigenem Bekunden überrumpelt und sagte: „Wir wollen in den Entscheidungsprozess mehr einbezogen werden.“

Die Max-Planck-Gesellschaft reagierte prompt. In gleich mehreren Stellungnahmen hieß es, man habe vergeblich das Gespräch mit der Kommune gesucht. Nach Aussage von Christoph Nagel-Hirschauer, Leiter der Gruppe Life-Science Campus Martinsried, hat die MPG schon im August 2023 einen Präsentationstermin im Planegger Gemeinderat angeregt. Ein vorläufiger Termin im Januar 2024 sei nicht zustande gekommen und man habe bis zum heutigen Tag nichts mehr gehört. Nun habe man vorgeschlagen, das Projekt in der nächsten Gemeinderatssitzung am 24. Oktober vorzustellen, darauf habe man bisher keine Antwort erhalten. Hermann Nafziger will sich dazu nicht äußern.

Bemängelt wurde von den Gemeinderäten auch das Fehlen eines Energie-Konzepts. Die Gemeinde befürchtet, den enormen Stromverbrauch dieses Rechenzentrums nicht stemmen zu können, und sieht negative Auswirkungen auf ihre eigene Energiebilanz. Rudolf Oberholzner, Referatsleiter Technik der Abteilung Forschungsbau bei der MPG, wehrt sich heftig gegen diesen Vorwurf. Er sagt, nach dem Energieeffizienzgesetz müssten von 2027 Rechenzentren ohnehin ausschließlich mit erneuerbaren Energien betrieben werden.

Dies könne unter anderem mit Solaranlagen geschehen. Das werde beim Rechenzentrum angestrebt, sodass man sagen könne, das Data Center werde „den Footprint der Gemeinde verbessern“. Der neue Campus mit seinen neuen Instituten werde „von der Heizungsseite wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der bisherigen Energie“ benötigen, so Oberholzner. Es liefen bereits seit Mitte 2023 „intensive Gespräche mit Unternehmen in der Region, zusammen mit der Gemeindeführung“. Der vom Gesetzgeber vorgeschriebene Effizienzwert für Rechenzentren werde deutlich unterschritten.

Laut Nagel-Hirschauer hat es auch bereits Gespräche mit der Gemeinde und dem Landratsamt München gegeben, um die Genehmigungsfähigkeit des Data Centers mit seinen Bauüberschreitungen zu klären. Man habe sogar ein Gutachten vorgelegt. Dieses bestätige, dass das Rechenzentrum nicht den Zielen des Bebauungsplans widerspreche. Ganz ähnlich sieht es offenbar das Landratsamt München, das letztlich die Genehmigungsbehörde ist, wie aus den Sitzungsunterlagen im Gemeinderat hervorgeht.

Bürgermeister Nafziger zeigte sich am Rande einer Gemeinderatssitzung Ende vergangener Woche versöhnlich: „Ich glaube, wir müssen jetzt abrüsten. Uns geht es vor allem darum, besser beteiligt zu werden.“ Man habe ja nicht einmal eine Einladung, am jetzt beginnenden Wettbewerb für Generalplaner mitzumachen. Nafziger hat nach eigener Aussage bereits ein Telefonat mit MPG-Generalsekretärin Simone Schwanitz geführt und hofft jetzt auf „ein baldiges klärendes Gespräch“.

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