Würmtal:Die neue Schmuddelecke im Münchner Westen

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Würmtal: Entsteht rund um das Kieswerk der Firma Glück an der Grenze zwischen Planegg und Krailling ein ganzes Industriegebiet? Diese Befürchtungen haben Gegner der Planungen für eine Recyclinganlage.

Entsteht rund um das Kieswerk der Firma Glück an der Grenze zwischen Planegg und Krailling ein ganzes Industriegebiet? Diese Befürchtungen haben Gegner der Planungen für eine Recyclinganlage.

(Foto: Catherina Hess)

Kommt zu Kiesabbau, Kompostanlage und Asphaltmischwerk noch eine Recyclinganlage? In Planegg und Krailling wächst die Sorge vor einem Industriegebiet am Rande von Forst Kasten, zumal in der Nähe ein Solarpark geplant ist.

Von Rainer Rutz

Entsteht südlich der Fürstenrieder Straße in Planegg nahe der Ortsgrenze zu Krailling eine Art riesiger Industriepark? Die Planungen für eine mobile Bauschutt-Recycling-Anlage der Firma Glück legen diese Vermutung nahe - vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass es dort schon eine Kompostieranlage, eine Bitumenmischanlage und großflächigen Kiesabbau gibt und, wenn es nach dem Willen von Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) und seiner Stellvertreterin Judith Grimme (Grüne) geht, ganz in der Nähe ein großer Solarpark geplant ist. Das Vorhaben einer Recyclinganlage wird vom Bauamt der Gemeinde Planegg zwar rigoros abgelehnt, was aber den Umweltausschuss des Gemeinderats vor zwei Wochen nicht daran hinderte, der lärmintensiven Anlage seine Zustimmung mit Vorbehalt zu signalisieren.

Das Vorgehen des Bürgermeisters und eines Teils des Gemeinderats löste in der Sitzung des Hauptausschusses am Donnerstagabend jedenfalls Empörung bei zwei Gemeinderäten aus. Angelika Lawo (Grüne Gruppe 21) sprach angesichts der Informationspolitik der Gemeinde von einer "Diskreditierung des Gemeinderats" und von "hochbrisanten Dingen, die überhaupt nicht diskutiert werden". "Die Befürchtung der Bauamtsmitarbeiterin Ursula Janson, hier könnte ein Gewerbepark entstehen, hat offenbar überhaupt keine Rolle gespielt. Und all das müssen wir aus der Zeitung erfahren." Auch Peter von Schall-Riaucour (Pro Planegg und Martinsried) sprach von "Aufregung unter Bürgern", die sich in E-Mails und Telefonaten an ihn geäußert hätten. In den beiden Gemeinden des Würmtals breitet sich die Sorge aus, zur Schmuddelecke des Münchner Westens zu werden.

Für die Abholzung eines Wäldchens ist Zustimmung erteilt

Eher am Rande wurde in der Hauptausschusssitzung zusätzlich bekannt, dass das Landratsamt München im April seine Zustimmung zur Abholzung eines 2,1 Hektar großen Wäldchens östlich der Kompostieranlage gegeben hat. Dort soll weiter Kies ausgehoben werden. Der Genehmigung liegt eine Zustimmung des Gemeinderats Planegg aus dem Jahre 2017 zugrunde, welcher der Gemeinderat Peter von Schall-Riaucour, der Mitglied im Bund Naturschutz ist, seine Zustimmung versagt hatte. Die Naturschützer wollten am Freitagabend dagegen vor dem Rathaus in Planegg demonstrieren.

Weiterer Kiesabbau, Recycling-Anlage und die geplante neun Hektar große Solaranlage stehen wohl in einem Zusammenhang. Im Gutachten zur Recyclinganlage aus dem Planegger Bauamt heißt es dazu jedenfalls aus den "städtebaulichen Leitlinien der Gemeinde Planegg: Die Lage der Gemeinde im bewaldeten Süden Münchens und im Würmtal ist ein hohes Gut. Dieses gilt es, aus Gründen des Natur-und Klimaschutzes wie auch für die Naherholung zu erhalten und zu entwickeln". Ursula Janson vom Bauamt schreibt darin, auch im neuen Flächennutzungsplan der Gemeinde sei deutlich gemacht worden, "dass hier in Zukunft keine gewerbliche Nutzung gewünscht ist. Vielmehr soll der Bereich dazu dienen, das Siedlungsgebiet mit den Naherholungsflächen des Forstenrieder Waldes und Forst Kasten zu verknüpfen". Laut Janson sprechen auch Aspekte der Baugesetzgebung gegen eine Recyclinganlage. In ihrer Stellungnahme zitiert die Fachfrau dazu etliche Oberlandesgerichtsurteile und kommt zu dem Schluss: "Der Bau einer Recyclinganlage wird abgelehnt, weil die Anlage die Entwicklung einer Splittersiedlung begünstigt."

Bürgermeister Nafziger wehrt sich gegen den Vorwurf der Intransparenz

Die Vorgänge auf dem Gelände südlich der Fürstenrieder Straße haben auch Einwohner der Nachbargemeinde Krailling und Anlieger alarmiert. Rechtsanwalt Mathias Walterspiel, selbst als Parteifreier Mitglied der Kraillinger CSU-Fraktion, empört sich über die bevorstehende Abholzaktion des Wäldchens. An weitere Mitstreiter aus Krailling schreibt er: "Die Abbaugenehmigung ist ohne Anhörung der Bürger, der Anwohner und der Gemeinde Krailling erfolgt, die verspätete Bekanntgabe der Kiesabbaugenehmigung hat sicherlich auch die Einwilligung der Gemeinde Planegg zu einer Bauschuttrecycling- und Brecheranlage nördlich der neuen Kiesabbaufläche deutlich erleichtert."

Würmtal: Der Kraillinger CSU-Gemeinderat Mathias Walterspiel ist empört über die bevorstehende Abholzaktion in einem Wäldchen.

Der Kraillinger CSU-Gemeinderat Mathias Walterspiel ist empört über die bevorstehende Abholzaktion in einem Wäldchen.

(Foto: privat)

Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) hat eine völlig andere Sichtweise der Dinge. Der SZ sagte er am Freitag, Solaranlage und Recyclinganlage hätten nichts miteinander zu tun. "Ich habe immer transparent gearbeitet. Die Solaranlage war eine Idee von Frau Grimme und mir. Wir wollen schließlich für den Ort denken, Visionen sind da nötig." Dort sei eine "ideale Fläche", Planegg werde etwa durch günstigeren Strom davon profitieren. Im übrigen werde das Thema noch öffentlich diskutiert. Nicht anders verhalte es sich mit der Recyclinganlage. Die dortige Auskiesung sei "seit Jahren genehmigt. Da können wir nichts machen". Recycling sei "keine schlechte Sache". Der Landkreis München, die Firma Glück und die Gemeinde Planegg müssten sich jetzt zusammensetzen, "um einen städtebaulichen Vertrag zu formulieren". Und der müsse dann vom Gemeinderat gebilligt werden.

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