Planegg:"Der falsche Standort"

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Planegg: Vor dem Kulturzentrum Kupferhaus protestiert eine Gegnerin des Kiesabbaus in Planegg gegen die geplante Recyclinganlage.

Vor dem Kulturzentrum Kupferhaus protestiert eine Gegnerin des Kiesabbaus in Planegg gegen die geplante Recyclinganlage.

(Foto: Florian Peljak)

Baustoff-Recycling, wie es die Firma Glück plant, finden auch die Anwohner richtig - nur nicht an der Fürstenrieder Straße, das zeigt eine Informationsveranstaltung.

Von Annette Jäger, Planegg

Selten waren sich das Kiesunternehmen Glück aus Gräfelfing und Planegger Bürger so einig: Baustoff-Recycling ist eine "tolle Sache", hieß es wiederholt aus dem Publikum im Kupferhaus am Dienstag. Adressiert war das Lob in Richtung Podium, auf dem Glück-Geschäftsführer Markus Wahl und seine Mitarbeiter und Gutachter saßen. Doch die Einigkeit steht auf dünnem Eis, in Wirklichkeit könnten die Positionen beider Lager nicht weiter entfernt voneinander sein. Denn die Baustoff-Recycling-Anlage soll auf Planegger Flur entstehen. Ganz klar "der falsche Standort", wie aus mehreren Wortmeldungen der Anlagen-Gegner im Publikum hervorging. Was blieb von diesem Abend, ist großes Misstrauen seitens der Bürgerschaft.

An die 100 Besucher waren ins Kupferhaus gekommen, um einer Einladung der Gemeinde Planegg zu folgen: Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) wollte in einer Informationsveranstaltung den Bürgern dieselbe Präsentation zukommen lassen, wie sie der Umweltausschuss Ende April erhalten hat, als es um eine Stellungnahme zur beantragten Recycling-Anlage ging. Dazu holte Nafziger wie im Ausschuss auch, Vertreter der Firma Glück auf das Podium, dem Publikum waren an dem Abend Fragen gestattet. Das Format hat schon im Vorfeld der Veranstaltung Kritik hervorgerufen. Die Gegner der Anlage hätten gerne selbst mit auf dem Podium gesessen und ihre Sicht der Dinge präsentiert und sich zudem unabhängige Experten dazu gewünscht.

Eigentlich wollen beide Seiten dasselbe: das Klima schützen. So scheint es zumindest. Nur jeder will es auf seine Weise. Die Firma Glück will eine mobile Baustoff-Recycling-Anlage auf dem Planegger Betriebsgelände südlich der Fürstenrieder Straße errichten. Dabei soll wiederverwertbarer Bauschutt, der als Verfüllmaterial für die Kiesgrube in dem Gebiet ohnehin angeliefert wird, aussortiert und in einer Kreislaufwirtschaft wiederverwendet werden. Der Rest, etwa 50 Prozent, wird in die Gruben verfüllt. "Das ist aktiver Klimaschutz und nachhaltiges Wirtschaften", sagte Markus Wahl.

Die Mitglieder der neu gegründeten Bürgerinitiative "Wir sind Grund genug" und einige Planegger Gemeinderäte sehen das anders. Sie befürchten einen neuen Industriestandort am Rande ihrer Kommune. Auf dem Gelände gibt es bereits ein Asphaltmischwerk, eine Kompostieranlage und Kiesabbau, nun könnte noch eine Baustoff-Recycling-Anlage hinzukommen und in Zukunft ist auch noch an einen Solarpark gedacht. Im Flächennutzungsplan sei das nicht vorgesehen und zudem liege das Gebiet im schützenswerten regionalen Grünzug, lautet die Kritik. "Wir brauchen die Fläche für unsere Zukunft", forderte Malwina Andrassy von der Ortsgruppe Würmtal im Bund Naturschutz.

Planegg: Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger musste sich schwere Vorwürfe anhören.

Planeggs Bürgermeister Hermann Nafziger musste sich schwere Vorwürfe anhören.

(Foto: Florian Peljak)

Seitdem das Vorhaben der Firma Glück Ende April im Planegger Umweltausschuss behandelt wurde, regt sich Widerstand in Reihen der Gemeinderäte und der Bürgerschaft. Dabei hat das Gremium das Glück-Vorhaben mehrheitlich abgelehnt. Möglich war dies nur in Form einer Stellungnahme, denn Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt. Allerdings hat die Gemeinde in der Stellungnahme eine Tür geöffnet für einen Kompromiss: Wenn die Laufzeit der Recycling-Anlage auf 20 Jahre begrenzt ist, wäre eine Zustimmung der Kommune denkbar.

Schwere Vorwürfe musste sich Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) am Dienstagabend anhören. Er habe den Gemeinderat zu spät von der Genehmigung einer weiteren Auskiesung auf einer Fläche von 2,1 Hektar in dem betroffenen Gebiet informiert. Die mehrheitliche Zustimmung zur Stellungnahme in Sachen Recycling-Anlage wäre dann möglicherweise anders ausgefallen. Für Nafziger besteht zwischen Recycling und Auskiesung kein Zusammenhang, die Auskiesung sei bereits seit 2017 beschlossen. Für viele im Saal ist sie dagegen ein weiteres Indiz für die Etablierung eines Industriegebiets.

Wann immer es um Kies im Würmtal geht, egal ob Abbau oder Recycling - es ist der falsche Standort, argumentieren die Gegner. Entweder wird schützenswerter Wald abgeholzt oder der wertvolle Grünzug zerstört. Am Dienstag wurde im Publikum das Gräfelfinger Gewerbegebiet als alternativer Standort vorgeschlagen oder eine Erweiterung eines vorhandenen Recycling- Standorts in Oberpfaffenhofen. Doch Markus Wahl winkte ab: Bauschutt mit Lastwagen durch die Gegend zu fahren, um ihn zu recyclen, und die Reste wieder zurück nach Planegg zu fahren, um in die Gruben zu verfüllen, sei alles andere als ökologisch. Recycling müsse da stattfinden, wo Kiesgruben verfüllt werden, lautet seine Botschaft. Am Ende des Abends bot Wahl einen Runden Tisch an, für all diejenigen, die über die Standortwahl diskutieren wollen. "Da bin ich gerne dabei", sagt Andrassy.

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