Energiewende:Es geht nur zusammen

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Energiewende: In der Tiefe der Erde schlummert die Energie von Morgen: Geothermie-Bohrplatz bei Icking.

In der Tiefe der Erde schlummert die Energie von Morgen: Geothermie-Bohrplatz bei Icking.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Gemeinde Planegg sollte sich schleunigst dem visionären Projekt für einen Erdwärmespeicher im Würmtal anschließen.

Kommentar von Annette Jäger, Gräfelfing

Wenn heute kreative Ideen vorgebracht werden, wie eine zukünftige, nachhaltige und unabhängige Energieversorgung aussehen könnte, kann es sich eine Kommune kaum mehr leisten, einfach wegzuschauen. Insofern haben die Gräfelfinger alles richtig gemacht, zumindest die Machbarkeitsstudie zum Erdbeckenwärmespeicher im Alleingang zu beauftragen, obwohl der Nachbar Planegg ausgeschert ist und die Kosten gescheut hat. Eigentlich sollte es von Anfang an ein interkommunales Projekt sein, hatten die Gräfelfinger immer betont.

Die Präsentation der Zwischenergebnisse am Mittwoch war komplex und sehr theoretisch. Die Berechnungen der Wissenschaftler basieren auf Annahmen und Modellen, über die Wirtschaftlichkeit gibt es noch keine finale Aussage, von der praktischen Umsetzung ist der Speicher noch weit entfernt. Es fehlen nicht nur der politische Wille zur Realisierung und eine Finanzierung, sondern vor allem die Geothermie, an deren Umsetzung die Gräfelfinger seit Jahren arbeiten. Ebenso gibt es keine Garantie, das Planegger Sonnenkollektorenfeld, überhaupt nutzen zu können, das nahezu unverzichtbar für das Projekt ist. Es gibt also noch viele Unwägbarkeiten.

Doch es erscheint fahrlässig, das Projekt deshalb einfach zu begraben - und das ist wortwörtlich zu verstehen: wird die Kiesgrube jetzt zugeschüttet, ist das Projekt gestorben. Eine zweite Chance, in der Gegend eine offene Kiesgrube zu nutzen, wird es vielleicht nie geben. Der Widerstand in der Bevölkerung und der Umweltinitiativen gegen Kiesabbau im Würmtal wächst. Die Gruben sollen eher schwinden, als dass weitere ausgehoben werden. Und dass in Zukunft ein Eigentümer eine alternative grüne Wiese opfert, um sie in einen Wärmespeicher umzufunktionieren, erscheint zumindest im Würmtal ein unwahrscheinliches bis aussichtsloses Szenario zu sein.

Die Energiewende schafft keine Gemeinde alleine. Wenn sie gelingen soll, müssen die Kommunen sich aus ihren kleinteiligen Strukturen lösen und interkommunal zusammenarbeiten. Und sie müssen kreative Ideen zulassen, keine voreiligen Schlüsse ziehen und sich Optionen offenhalten. Deshalb ist jetzt die Gemeinde Planegg am Zug. Sie sollte sich diesem Zukunftsprojekt anschließen, auch wenn es bisher nur als theoretische Vision existiert.

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