Gut möglich, dass die Frauenwelt genau darauf wartet: auf einen Wärmegürtel bei Menstruationsbeschwerden, den man sich als elastisches Taillenband überzieht, modisch designt, gesteuert über eine App und immer mobil in der Hand- oder Schultasche dabei. Ausgedacht haben sich dieses innovative und sehr weibliche Produkt drei Schülerinnen des Feodor-Lynen-Gymnasiums in Planegg.
Ihre Idee hat eine Experten-Jury von Unternehmern überzeugt, die sie zu den Siegerinnen des „Start-up School Cup“ ihrer Schule gekürt haben. Damit dürfen die Schülerinnen ihren Wärmegürtel, der bisher nur als Vision existiert, am 7. Juli beim Regionalwettbewerb in Fürstenfeldbruck präsentieren, bei dem auch Gewinnerinnen und Gewinner anderer Schulen antreten. Mädchen beweisen bei dem Wettbewerb jedes Jahr, dass sie jede Menge Gründergeist besitzen und, wenn es um die besten Unternehmensideen geht, die Nase vorn haben: 70 Prozent der ersten Plätze gehen bei dem Cup an Mädchen.
„Fe Flow – Female Flow“ haben die Schülerinnen Eva Fleschhutz, Susanna Ruth und Magdalena Bergemann aus der 10d des Planegger Gymnasiums ihre Innovation genannt. Es ist ein „Smart Heat Belt“, der den Untertitel „Wärme, die dich versteht“ trägt.
Noch ist das Produkt reine Theorie, die Produktbilder hat eine KI entwickelt. Doch eigentlich könnte die Idee jederzeit umgesetzt werden, die 16 Jahre alten Schülerinnen haben sie von Anfang bis Ende durchdacht: Die technische Lösung funktioniert – es sollen Carbonfasern verwendet werden –, der Strom kommt aus einer besonders leichten Powerbank, es gibt einen integrierten Timer und drei Wärmestufen. Sicherheitsstandards sind erfüllt, die Stoffe sind hautfreundlich, ein Lager wäre logistisch am besten in Leipzig platziert und obendrein liegt eine detaillierte Kostenkalkulation vor: 89 Euro soll das Wärmeband kosten. Bei den 23 Bewertungskriterien der Jury hat die Innovation der Schülerinnen bestens gepunktet.
Die theoretische Unternehmensgründung in allen Facetten war Teil des Unterrichts. Dass aus den Lehrplanvorgaben dann ein Wettbewerb wurde, liegt unter anderem an Jürgen Biffar. Er ist Vorsitzender des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft in Germering. Der Arbeitskreis will Schule und Unternehmen am Ort vernetzen. Als die fiktive Unternehmensgründung neu im Lehrplan des G8 aufgenommen wurde, entstand die Idee, aus dem Unterrichtsstoff einen Wettbewerb zu machen und Unternehmer und Unternehmerinnen der lokalen Wirtschaftswelt an Bord zu holen, die den Schülerteams als Coaches zur Seite stehen.

Ihre Ideen sollten die Schülerinnen und Schüler dann bei einem Pitch-Wettbewerb um die beste Innovation vor einer Jury aus Wirtschaftsvertretern auf der Bühne präsentieren und gleichzeitig vor einem großen Publikum aus Mitschülern, Lehrkräften Eltern und anderen Gästen. So wurde vor vier Jahren „Start-up School Cup“ ins Leben gerufen.
Biffar ist überzeugt davon, dass bei dem Format etwas „hängen bleibt“ bei den Schülerinnen und Schülern: „Wer sich einmal getraut hat, eine vielleicht auch gewagte Idee vor Publikum zu präsentieren, macht es später vielleicht wieder.“ Start-up School Cup könnte den Boden bereiten, so die Hoffnung. Laut Biffar benötigt eine erfolgreiche Wirtschaftsentwicklung in der Region Innovationen, Unternehmergeist und ein Verständnis dafür, wie ein Unternehmen in der sozialen Marktwirtschaft funktioniert.
In der Schulzeit haben Mädchen noch die Nase vorn, doch später ändert sich das
Start-up School Cup hat Kooperationspartner gewonnen. Die Stiftung Digitale Bildung, die Biffar mitgegründet hat und die technisch-digitale Kompetenzen bei jungen Menschen fördern möchte, unterstützt das Projekt. Ebenso dabei ist die Industrie- und Handelskammer (IHK) München und Oberbayern.
Auch diese sieht Potenzial in dem Wettbewerb. Solche Schulprojekte würden „auf Gründergeist und Unternehmertum in der Region einzahlen“, sagt IHK-Sprecher Florian Reil. Die Erfahrung zeige, dass praktische und realitätsnahe Projekte „am besten und am nachhaltigsten Unternehmertum vermitteln und Lust auf Selbstständigkeit machen“. In diesem Schuljahr haben 15 Gymnasien in der Region beim Wettbewerb mitgemacht, nächstes Jahr sind es 40, in den nächsten fünf Jahren sollen es 300 werden, so die Pläne der Initiatoren.
Dass die Mädchen bei dem Projekt so einen guten Lauf haben, ist insofern bemerkenswert, als dieser Höhenflug im späteren Leben deutlich nachlässt. Der Frauenanteil an Start-up-Gründungen liegt in Deutschland nur bei 19 Prozent und ist im vergangenen Jahr sogar leicht zurückgegangen. Das zeigt eine Studie des Start-up-Verbands, einer Interessenvertretung für Firmenneugründungen in Deutschland, im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. Biffar glaubt, Frauen seien bei der Unternehmensgründung „vorsichtiger“ als Männer, die wiederum mehr Risikobereitschaft zeigten. Über die Gründe dafür mag er nicht spekulieren.
In der Schule jedenfalls sind die Mädchen im Alter von 15 oder 16 Jahren den Jungs voraus. Nach Biffars Beobachtungen zeigten sie bei Start-up School Cup mehr Ehrgeiz und Selbstvertrauen. Vor allem brächten sie die Bereitschaft mit, sich über den Unterricht hinaus für das Projekt zu engagieren. Das trifft auch auf Eva, Susanna und Magdalena zu. Den „Feinschliff“ habe die Idee nach der Schule, zu Hause, erhalten, sagt Eva Fleschhutz. Außerdem wollten sie selbst mit dem Produkt zufrieden sein. Es sollte „perfekt“ sein, meint Susanna Ruth.
Das Schwierigste sei gewesen, eine gute Idee zu finden, sagt Mitschülerin Eva. Als Ansatzpunkt hätten sie ihre eigenen Probleme im Alltag analysiert. So sei die Idee für den Wärmegürtel geboren, der übrigens auch für Männer geeignet sei, weil man ihn bei Rückenbeschwerden einsetzen könne, betonen die Mädchen. Für Susanna war das Projekt nach eigenen Worten ein „Blick in die Welt der Wirtschaft“. Sie könne sich gut vorstellen, später in dem Bereich zu arbeiten. Auch Eva meint, das Projekt habe Lust geweckt, auf einen Beruf in der Wirtschaft. Fe Flow bleibt jedoch vorerst eine Vision. Obwohl eigentlich nur das Geld für die Realisierung fehlt.


