Es kann losgehen – zunächst allerdings nur auf dem Papier. Für die ersten 3600 Quadratmeter des etwa 30 000 Quadratmeter großen Grundstücks am Planegger Bahnhof wird in den nächsten Monaten ein punktgenaues Konzept erstellt. Die Gemeinde entschied sich jetzt für den ersten Bauabschnitt mit 100 Wohnungen und einem Nahversorger für ein attraktives Planungsverfahren, die sogenannte Konzeptvergabe. Anders als beispielsweise beim Architektenwettbewerb legt ein Investor einen kompletten Plan vor, der sämtliche relevanten Details enthält – auf der Basis der Vorstellungen der Gemeinde.
Landrat Christoph Göbel, der zur Vorstellung durch das Bauamt und durch Bürgermeister Hermann Nafziger (CSU) extra nach Planegg gekommen war, zeigte sich begeistert: „Was wir bekommen werden, ist ein Rundum-sorglos-Paket.“ Schon im nächsten Frühjahr will man sich entschieden haben, dann wird der Bebauungsplan erstellt und es kann richtig losgehen. Das moderne Verfahren erspart der Gemeinde und der Genehmigungsbehörde im Landratsamt erheblich Arbeit. Göbel lobte „das sehr kluge Vorgehen Planeggs: Das geht natürlich nur mit einem kompetenten Team.“
Das Bauvorhaben mit 300 Wohnungen, Tiefgaragen, einem Busbahnhof und etlichen kleineren Vorhaben ist eines der zur Zeit aufwendigsten im Landkreis München. Das Charmante an der Methode beschrieb Göbel so: „Wir bekommen alles in einem Paket“. Was die Gemeinde sich so alles wünscht, wurde in den vergangenen vier Jahren in Dutzenden von Sitzungen besprochen und festgezurrt. Neben einer Anzahl von „bezahlbaren“ Wohnungen, soll es auch Eigentumswohnungen geben.
Die großzügige Wohnanlage entlang den Bahngleisen soll möglichst autofrei konzipiert werden. Dafür sollen zwei Tiefgaragen sorgen. Mehrere Läden, darunter ein Discounter – vermutlich von Edeka – sollen entstehen, kleine Läden, ein Omnibusbahnhof und auf dem Gelände des ehemaligen Heide-Volm unter anderem ein Gastrobetrieb samt Biergarten. Seit zwei Wochen werden die alten Gasthausgebäude abgerissen. Die alten Kastanien bleiben stehen. Dass dies alles in mehreren Schritten und Bauabschnitten verwirklicht werden kann, ist laut Landrat Göbel auch „dem Coup von Bürgermeister Nafziger und dem Gemeinderat zu verdanken, die ehemalige Pension Elisabeth zu kaufen“. Hier sind jetzt noch ukrainische Flüchtlinge und ein Kindergarten untergebracht.
Stefanie Meyer von der Stabsstelle Ortsentwicklung betonte, endgültige Entscheidungen über Erbpacht, Grundstücksverkauf oder andere Modelle seien noch nicht gefallen. Auch die dem Landkreis gehörende Wohnungsbaugesellschaft BML wird wohl zum Zuge kommen, letztlich sei alles eine Frage des Baurechts, meinte Göbel. Die neue Form einer Konzeptvergabe biete eine „perfekte Herangehensweise und für uns größte Flexibilität“, versprach Bürgermeister Nafziger.
Von allen Bauvorhaben bliebe der Kommune nur ein einziges übrig, das sie selbst erstellen muss: der Omnibusbahnhof, allerdings ein zentrales Vorhaben. Man wolle mit dem ersten Bauabschnitt beginnen, meinte Meyer. Es sei durchaus denkbar, parallel andere Bauvorhaben dazuzuschalten. Man müsse allerdings darauf achten, dass die riesige Baustelle stets gut angefahren werden könne, ein Chaos dürfe es nicht geben.
Das Konzept soll vor den Kommunalwahlen beschlossen werden
Was die benachbarte Gemeinde Krailling betrifft, zeigte sich Nafziger ganz gelassen. Krailling will direkt im Anschluss an das Heide-Grundstück rund 250 Wohnungen bauen – und diese auch über Planegger Grund und Boden anbinden. Das lehnt Planegg strikt ab. „Die haben Zeit und können jetzt nachdenken“, meinte Nafziger.
Schwierig könnte es werden, wenn es nicht gelingt, das Konzept vor den anstehenden Kommunalwahlen im März 2026 zu verabschieden. Ein neuer Gemeinderat – oder auch ein neuer Bürgermeister – könnte sich mehr Zeit wünschen, um das Projekt noch einmal zu studieren: „Wir müssen unbedingt noch in dieser Legislatur beginnen“, sagte Nafziger, der sich zur Wiederwahl stellt, aber sich mit mindestens vier weiteren Kandidatinnen und Kandidaten um das Bürgermeisteramt konfrontiert sieht.
Doch Nafzigers Optimismus scheint groß. Auf die Frage, wann die Planegger ihren neuen Stadtteil am Bahnhof in Besitz nehmen können, sagte er: „Ich denke, in zehn Jahren steht alles.“ Das neue Bahnhofsviertel hätte dann, alles in allem, rund 30 Jahre zur Verwirklichung gebraucht.

