Ausstellung:Das Rathaus als Kreativquartier

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Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Planegger Rathausverwaltung zeigen ihre künstlerische Seite. Auch Bürgermeister Hermann Nafziger hat Werke beigesteuert.

Von Rainer Rutz, Planegg

Sage niemand, dass es im Planegger Rathaus keine kreativen Leute gibt: In der Ausstellung "Blue House Art" beweisen neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Gemälden, Fotografien, kleinen Preziosen und vielen bemerkenswerten Karikaturen, dass es noch ein zweites Leben gibt außerhalb von Akten, Verordnungen, Bürokram aller Art und Dienstwegen.

Was Bürgermeister Hermann Nafziger, sein Kämmerer Peter Vogel, Kerstin Obermayer aus der Finanzverwaltung, Kim-Thy Kllokoqi-Le aus dem Bauamt, Petra Hilpoltsteiner vom Empfang, Maria Bergmann aus dem Hauptamt, die ehemalige Bauamtsmitarbeiterin Martina Dorn, Umweltamtsleiter Richard Richter und Pressereferentin Kiki Xander einem breiten Publikum zeigen wollen, ist vielfach außergewöhnlich und hat noch dazu den schönen Nebeneffekt, dass Rathausmitarbeiter eine persönliche Seite zeigen und die viel gescholtene Bürokratie ein freundlicheres Gesicht bekommt.

Da wäre zum Beispiel Peter Vogel. Pevo, wie sich der Kämmerer als Künstler nennt, ist längst kein Unbekannter mehr. Er hat nicht nur 20 Jahre lang dafür gesorgt, dass der Planegger Haushalt schuldenfrei auskommt, sondern sich auch einen Namen gemacht als Karikaturist, Maler, Buchautor und Poet. Mit einem Blues-Musiker zieht der Meister langer Zahlenreihen gelegentlich durch die Lande.

Vogels Karikaturen sind feinsinnig, oft hinterfotzig und doppeldeutig, erinnern an Zeichnungen von Olaf Gulbransson, seine Texte weisen ihn als Seelenverwandten von Karl Valentin oder Gerhard Polt aus. Der 61-Jährige aus dem Fünfseenland hält sich selbst für einen "Universalkasperl und Gelegenheitsdenker", was zweifellos untertrieben ist. "Sei frei, sei anders", lautet Pevos Devise und Bilder wie der "Hasenhai" sind ein wunderbarer Beleg dafür. Im Frühjahr geht Vogel in Pension. Er wird fehlen.

Bürgermeister hat schon als Zehnjähriger fotografiert

Und dann der Chef selbst. Ist es böse, wenn man sagt, dass Bürgermeister Hermann Nafziger sein Talent für die Fotografie und surreale Zeichnungen nicht gerade vor sich her trägt? Sicher nicht, eher ist es wohl so, dass der CSU-Mann seine alternativen Begabungen wohl lieber im Verborgenen blühen lässt. "Die Welt durch ein kleines Fenster in ihrer ganzen Schönheit zu betrachten" - das war schon für den zehnjährigen Nafziger mehr als ein Hobby.

Die erste Kamera, die er bekam, war eine Super Paxette. Der 58-Jährige hat sie heute noch. Gegenstände aller Art, Pflanzen und Tiere holt Nafziger heute natürlich digital heran und inszeniert erstaunliche Licht- und Schattenspiele. Richtig witzig ist seine Karikatur eines Bürokraten in seinem Kampf mit der Krawatte: "Ich musste früher immer Krawatten tragen. Für mich sind das Feinde", erklärt Nafziger dazu. Und tatsächlich sieht man ihn nur bei zwingenden Anlässen mal mit Schlips.

Die Rathaus-Ausstellung hat in dem gelernten Elektriker etwas in Bewegung gebracht: "Jetzt habe ich wieder Blut geleckt und will weitermachen", sagt Nafziger. Das kann man sich auch von Petra Hilpoltsteiner wünschen. Sie näht, wenn sie nicht gerade am Empfang im Rathaus sitzt, außergewöhnliche Dirndl, wild und bunt. "Das Nähen liegt bei uns in der Familie, der Urgroßvater war Herren-Maßschneider in Freiburg, die Oma Schneiderin in Offenburg", erzählt sie. "Ich habe es mir letztendlich selbst beigebracht." Jedes ihrer Dirndl ist ein Unikat, etliche davon können Besucher im Rathaus bewundern. Das Motiv für die Hobby-Schneiderin? "Ich seh' so gut aus im Dirndl", sagt sie augenzwinkernd.

Kiki Xander ist nicht nur Planeggs Referentin für Öffentlichkeitsarbeit, sondern gestaltet auch Ringe. Die seien schon immer ihre Leidenschaft gewesen, sagt die weitgereiste Literaturwissenschaftlerin, "das Ergebnis von Zusammenwirken unterschiedlicher Inspirationen und Gefühlen, Farben, Mustern, Stoffen, Materialien und Erlebnissen." Sogar "Geräusche und Geschmäcker" wirken auf Kiki Xander ein, wenn sie an einem neuen Modell arbeitet, wie sie sagt. Die vielen Reisen - sie lebte lange in den USA - haben sie inspiriert. In einer eigenen Vitrine sind im Rathaus etliche Exemplare ihrer Kunst zu bewundern: Kleine Wunderwerke aus Halbedelsteinen, Glas, Holz, Muscheln oder irgendwelchen Fundstücken.

Die Ausstellung "Blue House Art" ist zu den üblichen Öffnungszeiten des Planegger Rathauses zu sehen und soll noch mindestens vier Wochen dauern.

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