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Pinakothek der Moderne:Wo Rauch ist, ist auch Feuer

Bei einer Benefiz-Auktion steigern sich die Freunde der Pinakothek in einen wahren Rausch - und geben mehrere hunderttausend Euro aus.

Neo Rauch bleibt erst einmal an seiner Säule stehen, gemeinsam mit seiner Frau, der Malerin Rosa Loy, die ihm wie immer beisteht; er wahrt noch etwas Distanz zur Gesellschaft, die angetreten ist, ihn und sein Werk zu feiern. Was für ein Aufgebot: 900 Freunde der Pinakothek sind da, um sich gegenseitig an Großzügigkeit und Sammlerfreude zu überbieten.

Die Freunde der Pinakothek der Moderne veranstaltet zum achten Mal das große PIN.-Fest - und sammelten 380.000 Euro ein.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Die Damen in der festlich dekorierten Rotunde tragen die noblen Designerkleider und Edelbroschen aus der Maximilianstraße, die Herren das dunkle Partygewand des Münchner Großbürgertums, prächtig frisierte Gräfinnen und jede Menge Doktoren schmücken die Gästeliste. Auch Sammler und Galeristen aus Zürich, Berlin, Hamburg oder Frankfurt haben sich eingefunden, zudem ein paar echte Originale wie die Schweizerin Pipilotti Rist, die einen avantgardistischen Strampelanzug mit sagenhaften Karos trägt. Keine Verkleidung, das ist ihr Alltagskostüm.

Ja, es ist ein großer Champagnerabend, auch für das staatliche Museum, vor allem aber für die Freunde der Pinakothek, den Pin.-Verein. 650.000 Euro wollte die neue Vorsitzende Katharina von Perfall einsammeln, um das großflächige Gemälde "Kalimuna" von Neo Rauch anzukaufen. Schon vor der Party am Samstagabend gab es eine monatelange Kampagne, verlängerte Neo-RauchFestspiele gewissermaßen nach der vielbesuchten Ausstellung im Sommer.

Und jetzt steht die zierliche Freifrau mit ihren festlich herausgeputzten Mitstreiterinnen vom Ladies' Comittee auf der Bühne, um sich für ihren Einsatz bejubeln zu lassen. Rauch verharrt gespannt oder auch angespannt an seiner Säule, auch Herzog Franz von Bayern, ein treuer Freund der Pinakothek, kann es kaum erwarten; die Champagner-Damen schenken reichlich nach, gleich geht es los mit der Auktion, die den Zweck hat, den Ruhm der modernen Kunststadt München zu mehren.

Andreas Rumbler steht bereit. Er hat sein Hämmerchen in der Hand. Rumbler ist ein eleganter Dandy-Typ mit sehr vollen, dunklen Haaren, er wirkt wie eine Mischung aus Mr. Bean und dem Schauspieler Christoph Waltz, kann von einer Sekunde auf die nächste von seriös auf spielerisch umschalten - und das tut er auch bei dieser Versteigerung: 32 Werke bedeutende Namen sind dabei, also dauert es nicht lange, bis die Hände in die Höhe gehen, fast alle Galerienpreise überboten sind, sogar das monströse Goldkissen des Amerikaners Paul McCarthy, das sich wie ein Phallus in die Höhe schraubt, findet einen Abnehmer, obwohl es zu 99 Prozent aus Luft besteht. So ist er halt, der Kunst-Glamour.

Das Publikum steigert sich in einen Rausch hinein, die Wangen werden röter, Rumblers Motivationskunst sei Dank, der die stolzen Bieter immer wieder persönlich anspricht und mit den passenden Scherzen fünfstellige Beträge aus ihnen rauskitzelt. Eine kleine Zeichnung von Neo Rauch erzielt 30.000 Euro (der Künstler subventioniert sich damit selbst), ein Schriftzug des Konzeptkünstlers Remy Zaugg bringt 33.000 Euro, und die Überraschung des Abends ist die Arbeit von Birgit Brenner mit dem sinnigen Titel "Er zahlte alles": 21.000 Euro und weg.

Am Ende der Show kann von Perfall ein Rekordergebnis verkünden: 380.000 Euro liegen auf dem Tisch, zusammen mit den Spenden im Vorfeld der Party verfügt der Pin.-Verein sogar über mehr als eine halbe Million. "Kalimuna" ist erobert, aber es kommt noch besser: Neo Rauch und sein Galerist Gerd Harry Lybke (Eigen + Art) verzichten in einem Anfall von Großzügigkeit auf die Hälfte des Verkaufspreises, um dem Pin.-Verein weitere Ankäufe zu ermöglichen.

So ein Benefiz-Trommelfeuer macht hungrig. Die Gäste strömen nun an ihre Tische; es gibt Garnelen-Happen, feinsten Bio-Lachs, asiatisches Entengröstl und Rehragout, später hält man sich an Weichkäse, Mascarpone-Creme und Pralinen, die dem Anlass entsprechend in Perlengröße serviert werden. Die NeoRauch-Anbeter tanzen zu den Klassikern der modernen Disco-Musik, und wer hier nicht dabei war und sich zur Münchner Gesellschaft zählt, hat etwas verpasst.

Sammlerin Ingvild Goetz, die selbst kräftig mitgeboten hat, schwärmt davon, dass die Münchner Pinakotheken-Freunde nunmehr in einer Liga mit Museumsförderern in London und New York spielen, wo opulente Sponsorenfeste längst etabliert sind. "Es fing alles ganz harmlos an, aber inzwischen sind wir hier richtig gut - es macht einfach Spaß, etwas für die Kunst zu tun." Und fürs eigene Wohlbefinden, auch das.