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Putzbrunn:Ein Kandidat fürs "Wir-Gefühl"

Das Putzbrunner Rathaus ist ein begehrter Arbeitsplatz: Walter Hois (GPP) konkurriert mit Amtsinhaber Edwin Klostermeier (SPD) und Eduard Boger (CSU) um den Posten an der Gemeindespitze.

(Foto: Claus Schunk)

Walter Hois will Bürgermeister in Putzbrunn werden. Der 51-jährige Parteilose setzt auf starke Finanzen, Wohnungsbau und Südring. Sein Vorwurf: Der Dialog mit dem Bürger habe unter dem SPD-Amtsinhaber gelitten.

Wenn es nach Walter Hois geht, dann muss sich in Putzbrunn einiges ändern. Und der 51-Jährige hat sehr konkrete Pläne, wie er seine Gemeinde neu aufstellen will - für den Fall, dass er am 4. März 2018 (oder in einer eventuell notwendigen Stichwahl) zum neuen Bürgermeister gewählt wird. Hois, der seit 2014 für die Gemeinschaft pro Putzbrunn (GPP) im Gemeinderat sitzt, hat am Dienstag sein Programm vorgestellt.

Kernpunkte sind die Lösung der drängendsten Probleme des Großraums, heruntergebrochen auf Putzbrunn: fehlender Wohnraum und drohender Verkehrsinfarkt. Aber noch zwei andere Punkte hat der Fachkaufmann für Einkauf, Materialwirtschaft und Logistik auf seine Agenda gehoben: eine mittelfristige neue finanzielle Ausrichtung der Gemeinde, etwa durch die Generierung neuer Einnahmen, sowie - das sagte Hois mit Nachdruck - die umfangreiche Beteiligung der Bürger und das Schaffen eines "neuen Wir-Gefühls".

"Das ist mein Baby", sagt er über das Dorffest

Seit seiner Geburt lebt Walter Hois in Putzbrunn, nur für ein relativ kurzes Intermezzo war er in Bad Aibling ansässig. Seit 2001 ist er zurück und trat schon recht bald der GPP bei. "Damals ließ es meine berufliche Situation noch nicht zu, etwa für den Gemeinderat zu kandidieren. Ich bin der Meinung, dass man so ein Amt nur 110-prozentig oder gar nicht ausüben sollte." Mit dem Einzug ins Gremium nach der jüngsten Kommunalwahl habe er einen ersten Schritt getan, sein "Hobby in den Beruf rüberzubringen", wie er sagt. "Kommunalpolitik würde ich durchaus als mein Hobby bezeichnen, schließlich verbringe ich einen großen Teil meiner Freizeit damit."

Der 51-Jährige hat sich genau angeschaut, was aus seiner Sicht besser werden muss. Und da steht der bislang laut Hois fehlende Dialog der Gemeindevertreter mit den Bürgern im Vordergrund. Der GPP-Mann will eine Bürgerwerkstatt einführen (Projektname: "Mein, Dein, Unser Putzbrunn"), dazu einen Bürgerstammtisch nach dem Vorbild der Fernsehsendung "Jetzt red' i". Er sei sich sicher, dass das Interesse an Beteiligung da ist. "Und je besser die Identifikation, desto besser lassen sich politische Entscheidungen in der Öffentlichkeit vertreten." Menschen seien zum Mitmachen zu motivieren, das sehe er bei der Organisation des Dorffestes, das er seit der Neuauflage 2012 federführend umsetzt: "Das ist mein Baby", so Hois, der leidenschaftlich erzählt, wie er am Ende des Festes 2015 die letzten Gäste dazu aufrief, noch beim Aufräumen zu helfen, und es ihm "eiskalt den Buckel herunterlief", als sich alle sofort in die Arbeit stürzten.

Tabuthema Südring

Beim Schwerpunkt "Wohnen" unterstreicht Hois die Notwendigkeit, Singles und jungen Familien einen Verbleib in Putzbrunn zu ermöglichen. Er spricht sich für den Bau von Mehrfamilienhäusern aus, die kleinere Wohneinheiten bergen. Das Wachstum der Gemeinde solle 100 Neubürger pro Jahr nicht übersteigen. Was den Verkehr angeht, so bringt der verheiratete Vater eines 19 Jahre alten Sohnes auch Tabuthemen wie den Südring in die Diskussion. Hois vertraut auf das interkommunale Verkehrskonzept zwischen Putzbrunn und seinen Nachbargemeinden, in dem er die Gemeinde vertritt.

Putzbrunn, Gemeinderatssitzung mit Wahlen,

Walter Hois lebt seit Geburt in Putzbrunn. Der Fachkaufmann für Materialwirtschaft und Logistik war nur kurze Zeit mal in Bad Aibling ansässig. Als er im Jahr 2001 zurück kam, wurde er bald bei der GPP aktiv.

(Foto: Angelika Bardehle)

Dass Hois nun gegen Amtsinhaber Edwin Klostermeier (SPD) und den CSU-Bewerber Eduard Boger antritt, hat nicht zuletzt mit der Entscheidung des Bürgermeisters 2013 zu tun, ein auf den Weg gebrachtes Bürgerbegehren gegen ein geplantes Flüchtlingsheim aus formalen Gründen nicht zuzulassen. "Da geht es gar nicht um die Asylthematik, sondern darum, dass den Bürgern ihr letztes demokratisches Mittel genommen wurde, gegen eine Entscheidung vorzugehen, mit der sie nicht einverstanden sind", so Hois. Er habe sich bis dahin als Unterstützer Klostermeiers gesehen, auch bei der letzten Wahl 2012: "Hätten wir von der GPP nicht gesagt, das ist der richtige Mann, dann hätte er keine 70 Prozent bekommen." Durch die damalige Entscheidung gegen die Bürgerbeteiligung sei in der Gemeinde jedoch viel kaputt gegangen: "Seit damals geht ein tiefer Riss durch die Gemeinde und die Politik."

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