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Pendlerströme:Zur Arbeit an den Stadtrand

München: Verkehrs-Chaos / Pendler-Problem / Berufsverkehr

Ob mit dem Auto oder der Bahn - die meisten Leute, die im Landkreis arbeiten, kommen von weiter her.

(Foto: Johannes Simon)

Nirgendwo im Großraum München ist die Zahl der Berufspendler so groß wie im Landkreis München. Und die meisten kommen von außerhalb. Das hat Auswirkungen auf die Gemeinden und das Verkehrsnetz.

Jeder zehnte sozialversicherungspflichtige Job im Großraum München ist im Landkreis München angesiedelt. Das ist insofern bemerkenswert, als zum Großraum per Definition des Planungsverbandes Äußerer Wirtschaftsraum nicht nur die Landeshauptstadt und die sie umgebenden Landkreise gehören, sondern auch die Städte Augsburg, Ingolstadt, Landshut und Rosenheim sowie entlegenere Kreise wie Kelheim oder Garmisch-Partenkirchen.

Mehr als 220 000 von 2,1 Millionen Arbeitnehmern verdienen ihren Lebensunterhalt in den 29 Städten und Gemeinden des Landkreises München. Viele von ihnen nehmen nicht zu unterschätzende Wege auf sich, wie die Analyse "Pendeln und Arbeiten im Großraum München" des Planungsverbandes zeigt. Vor allem untermauern die Daten, welch Ausnahmestellung der Landkreis einnimmt, wenn es um die wirtschaftliche Leistungskraft und Attraktivität für Arbeitnehmer geht.

Insgesamt 481 Städte und Gemeinden haben die Statistiker des Planungsverbandes für den Zeitraum von 2006 bis 2016 genau unter die Lupe genommen und die Entwicklung der Beschäftigung, die Pendlerströme sowie das Verkehrsaufkommen analysiert. In dem untersuchten Raum ist die Zahl der Arbeitsplätze von 2006 bis 2016 um mehr als 26 Prozent gestiegen, die Bevölkerung ist dagegen im selben Zeitraum nur um 8,2 Prozent gewachsen. Als Ausreißer sticht die Universitätsstadt Garching heraus, die ein sensationelles Plus von 10 638 sozialversicherungspflichtigen Jobs verzeichnet, was einem Zuwachs um 90 Prozent auf mittlerweile mehr als 22 000 Jobs entspricht.

An Einwohnern hat Garching im selben Abschnitt nur um zehn Prozent zugelegt. Es ist die exponierte Lage der Stadt an der A 9, den Bundesstraßen B 471 und B 13 sowie als Endhaltepunkt der U 6, die zu dieser Entwicklung beiträgt. Die U-Bahn endet am Forschungszentrum mit den Einrichtungen der Technischen Universität, der Max-Planck-Gesellschaft und vielen anderen Magneten der Wissenschaft.

Die Gemeinde Unterföhring bleibt Spitzenreiter

Garching gehört zu sechs Kommunen im Landkreis mit jeweils mehr als 10 000 Arbeitsplätzen. Spitzenreiter ist nach wie vor die kleine Gemeinde Unterföhring mit ihren 11 200 Einwohnern. Dort arbeiten mehr als 22 500 Menschen - also doppelt so viele wie dort leben. Die allermeisten von ihnen wohnen nicht in der Gemeinde, sondern pendeln ein: und zwar mehr als 95 Prozent. Das ist absoluter Spitzenwert im Großraum München.

Von Augsburg über München bis Rosenheim liegt die sogenannte Einpendlerquote bei etwa 60 Prozent. Vor allem die Kommunen im nördlichen Landkreis liegen weit darüber: Auch in Aschheim (95 Prozent) und Feldkirchen (94,4) kommen die allermeisten Arbeitnehmer nicht direkt aus der Gemeinde. In Pullach (93,7 Prozent) mit den dominierenden Arbeitgebern Linde und Bundesnachrichtendienst ist die Situation ähnlich.

Der Stau ist täglicher Begleiter

Seit kurzer Zeit ist zudem zu beobachten, dass mehr Menschen aus der Landeshauptstadt in den Landkreis pendeln als umgekehrt. Dieser Druck, verbunden mit den Pendlerströmen aus dem Umland, macht sich auch beim Thema Verkehr bemerkbar: Im gesamten MVV-Verbundraum hat die Zahl der Fahrten von 2006 bis 2016 von etwa 590 Millionen auf 710 Millionen zugenommen. Die Anschlussstelle Aschheim-Ismaning an der A 99 passieren mittlerweile etwa 130 000 Fahrzeuge am Tag, in den Ferien sind es bis zu 170 000. Der Stau ist ein fast täglicher Begleiter des Pendlers in den Landkreis und aus dem Landkreis heraus.

Das gilt auch in Ottobrunn, obwohl die Gemeinde zu den Verlierern im Pendler-Atlas des Planungsverbands gehört. Das hat viel mit dem Unternehmen Airbus zu tun, das im vergangenen Jahrzehnt Hunderte Stellen abgebaut oder in die Konzernzentrale ins französische Toulouse verlagert hat. Etwa 2500 Arbeitsplätze gingen in Ottobrunn verloren. Seit dem Ende der Finanzkrise 2013 geht es aber wieder aufwärts. Es kommen wieder mehr Pendler.

© SZ vom 15.02.2018/hilb
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