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Unterhaching:Der Bürgermeister hat Sehnsucht nach dem Rathaus

Unterhachings Bürgermeister Wolfgang Panzer lenkt die Geschicke der Gemeinde derzeit von zu Hause aus.

(Foto: Privat)

Wolfgang Panzer lenkt die Geschicke der Gemeinde aus seinem Wohnzimmer, das er in der Quarantäne fast nicht verlassen darf.

Von Iris Hilberth, Unterhaching

Im Bürgermeisterzimmer im ersten Stock des Unterhachinger Rathauses sitzt seit mehr als einer Woche keiner hinter dem großen Schreibtisch. Das hat es wohl so noch nie gegeben. Denn wenn der Erste Bürgermeister ausfällt, springen normalerweise seine Stellvertreter ein. Die Situation aber ist im Moment diese: Wolfgang Panzer (SPD) und Richard Raiser (CSU) sind nach einem Ausflug mit den Volleyballern als Kontaktperson eines Corona-Infizierten in häuslicher Quarantäne und Johanna Zapf (Grüne) soll den Job aus Gründen der Gesundheitsvorsorge derzeit nicht übernehmen. Erledigt wird der trotzdem: Panzer managt die Gemeinde von seinem Wohnzimmer aus.

"Ich war eben zur falschen Zeit am falschen Ort", seufzt er. Alle, die mit der Bundesligamannschaft des TSV Unterhaching zum Saisonstart im Bus gefahren sind, wurden für zwei Wochen nach Hause geschickt, darunter eben auch der Erste und Dritte Bürgermeister. Seitdem hat Panzer sein Wohnzimmer nicht mehr verlassen. Er isst dort, er schläft dort, und er arbeitet dort. "Es geht mir gut", sagt er. Der erste Test sei negativ ausgefallen, von seinem Stellvertreter Raiser kann er das gleiche berichten: "Wir stehen regelmäßig in Kontakt."

Natürlich nur digital oder telefonisch. Panzer hält sich strikt an das Gebot der Isolation. Ein Bote aus dem Rathaus kommt täglich, gibt die große Unterschriftenmappe und die Rathauspost ab und holt die bearbeiteten Dokumente wieder ab. Auch seine Frau stellt das Tablett mit dem Essen vor der Schiebetür von Panzers derzeitigem Reich ab.

"Ein bisschen so wie im Camping-Urlaub"

"Die erste Nacht habe ich noch auf der Couch verbracht", berichtet Panzer. Dann habe er sich eine Liege aufgestellt. Optimal sei auch das nicht, aber besser. "Wenn am Freitag die Quarantäne rum ist, freue ich mich auf das Rathaus, aber ganz besonders auf mein Bett", gibt er zu. "Es ist ein bisschen so wie im Camping-Urlaub."

Nun ist es ja kein Urlaub und auch kein freiwilliges, geplantes Home-Office. Panzer kommt dort einfach nicht weg, kann nur im Zimmer auf- und abgehen und höchstens mal ein paar Schritte durch den Garten. "Es ist etwas ganz andres, wenn man zwangsweise zu Hause bleiben muss", sagt er.

Im fehle vor allem der Kontakt mit den Menschen, sagt Panzer, er sei ja auch Bürgermeister, weil er gerne mit Leuten zu tun habe. Zwar nehme er regelmäßig an Videokonferenzen mit seinen Mitarbeitern teil, "aber das ist doch etwas anderes", sagt Panzer, "die eine oder andere Besprechung geht mir schon ab". Etwa die Gemeinderatssitzungen, die im Oktober alle ausfallen mussten. Als er nach dem ersten negativen Test zu Fuß zu seinem zweiten Abstrich im Unterhachinger Testzentrum im Ortspark gehen durfte, habe er sich richtig darauf gefreut.

Schon beim Lockdown im Frühjahr hat Panzer nach eigenen Angaben festgestellt: Vor allem für die Kinder sei es nicht egal, ob sie zu Hause bleiben müssen oder nicht. "Das habe ich ganz stark bei meinem siebjährigen Sohn festgestellt, der braucht einfach die Gleichaltrigen um sich herum. Da habe ich wirklich dazugelernt", sagt der Bürgermeister.

© SZ vom 14.10.2020/wkr
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