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Pandemie:Corona-Tests in allen Kommunen

Der Schutz der Elterngeneration ist ein Ziel von Landrat Christoph Göbel.

(Foto: Claus Schunk)

Sanitäter und Feuerwehren sollen im Landkreis München Ärzte in sogenannten "Drive through" oder "Walk through" entlasten.

Der Landkreis wird seine Bemühungen im Kampf gegen das Coronavirus intensivieren. In nahezu allen 29 Städten und Gemeinden sollen dezentrale Testzentren eingerichtet werden - "so schnell wie möglich, beginnend mit jetzt", sagte Landrat Christoph Göbel (CSU) am Freitagnachmittag.

Am Vormittag hatte er mit Vertretern aller Kommunen vereinbart, dass Infizierte und Kontaktpersonen in solchen Stationen schnell getestet werden sollen, unter Beteiligung der Ärzte im Ort und mit Unterstützung von geschultem Personal, etwa Sanitätern, Feuerwehrleuten oder First Respondern. Mit dieser Maßnahme solle die Ausbreitung des Virus im Landkreis verlangsamt werden, sagte Göbel. Es gehe insbesondere um den Schutz "der Generation unserer Eltern".

Zuerst hatte Oberhachings Bürgermeister Stefan Schelle (CSU) angekündigt, in der ehemaligen Gepäckhalle des Bahnhofs ein Testzentrum für Corona-Abstriche einrichten zu wollen, in Grünwald hat die Gemeinde in Wörnbrunn ein Zelt aufgestellt, um dort von Hausärzten Abstriche vornehmen zu lassen. Die Gemeinde Ismaning ist dabei, am Sportpark ein Drive-in für Tests zu errichten. Nun sollen Untersuchungsstätten - "walk through" oder "drive through" - flächendeckend errichtet werden. Die "reine Lehre", wie Göbel sagte, also der Gang zum Hausarzt oder Gesundheitsamt, funktioniere aufgrund mangelnder Kapazitäten nicht mehr.

Bei Verdacht: Tests so schnell wie möglich

Es sei von enormer Bedeutung, so der Landrat, bei Infektionen und Verdachtsfällen die Kontaktpersonen zu ermitteln und so schnell wie möglich testen zu lassen. Die Kommunen seien als Meldebehörden die richtigen Entscheider. Zudem könnten auf diesem Weg zwei Probleme behoben werden, die bei steigenden Corona-Fallzahlen drängender werden: Ärzte würden auf diese Weise entlastet und könnten Kapazitäten in den Praxen schaffen, da geschultes Personal die Tests abwickelt. Auch das Problem mangelnder Schutzkleidung könne so gelindert werden, denn in einem Drive-in könne der zu Testende den Test auf Anweisung eines Geschulten oder Arztes, der mehrere Meter weit weg ohne Schutzkleidung steht, selbst machen.

Mit den Testzentren wird laut Göbel die Zahl der Tests nach oben schnellen, ohne dass sich die Kapazität der Labore erhöhe. Dass sei aber nicht gravierend, auch wenn sich dadurch die Wartezeit auf die Ergebnisse verlängere. Bedeutender sei, dass flächendeckend getestet werde und auch Kontaktpersonen 14 Tage in Quarantäne kämen. "Und wir werden viel mehr Menschen in Quarantäne haben, aber das nehme ich in Kauf", sagte Göbel. Gesunde Menschen ohne Symptome oder solche, die keine Kontaktpersonen sind, würden abgewiesen.

Um alle gesellschaftlich, sozial und auch sicherheitstechnisch relevanten Kernbereiche aufrecht erhalten zu können, wird es in den 29 Kommunen zudem eine Notfall-Kinderbetreuung geben. Etwa für Kinder von Polizisten, Sanitätern, Feuerwehrleuten und vielen mehr. Organisiert wird diese von den Kommunen in den bestehenden Einrichtungen. Auch die Zahl der Mitarbeiter beim Bürgertelefon wird deutlich aufgestockt. All das, was getan werde, diene dazu, die "Situation im Griff zu halten", sagte Göbel.

Er wisse, was "da draußen" los ist. Sein Sohn besuche die Kita in Gräfelfing, die als erste nach einem bestätigten Fall zusperren musste. "Lassen Sie uns bei allem so menschlich wie möglich vorgehen", sagte der Landrat.

© SZ vom 14.03.2020/belo

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