bedeckt München 31°

Pandemie:Corona-Gefahr in Flüchtlingsheimen

Grüne richten Fragenkatalog zu Infektionsschutz an Landrat Göbel

Von Sabine Wejsada, Landkreis

Einen umfangreichen Fragenkatalog zum Thema Corona und Flüchtlinge hat die Kreistagsfraktion der Grünen an Landrat Christoph Göbel (CSU) übergeben. Wegen der oft engen räumlichen Verhältnisse in Gemeinschaftsunterkünften für Asylsuchende bittet die Partei um Aufklärung, wie mit der Pandemie-Situation in den Häusern umgegangen wird.

Den Grünen geht es dabei um eine Bestandsaufnahme: Wie viele Covid-19-Erkrankungen wurden bei Geflüchteten im Landkreis München festgestellt? Sind Betroffene an dem Coronavirus gestorben? Wichtig ist der Kreistagsfraktion auch, was nach positiven Tests passiert und wie generell verfahren wird, falls ein Geflüchteter Symptome zeigt. Würden dann alle Bewohner einer Unterkunft untersucht? In ihrer Anfrage, die in der nächsten Sitzung des Kreissozialausschusses beantwortet werden soll, will die Fraktion zudem wissen, welche Maßnahmen der Landkreis ergriffen hat, um eine Ausbreitung von Covid-19 in Asylunterkünften zu vermeiden oder reduzieren. Sollte eine Unterkunft unter Quarantäne gestellt werden müssen, wie es derzeit in mehreren Kommunen im Landkreis Starnberg der Fall ist, fragen die Grünen, wie sich dies auf die Bewohner auswirken würde und anhand welcher Kriterien entschieden werde, dass ein Geflüchteter in ein anderes Asylheim umziehen muss. Hier geht es der Kreistagsfraktion um zeitliche Abläufe, Transportwege und die soziale wie psychische Betreuung.

Thematisiert wird in dem Papier darüber hinaus die soziale Versorgung der Geflüchteten, zum Beispiel im Hinblick auf die Betreuung von schulpflichtigen Kindern während der Corona-Pandemie. Gebe es in den Unterkünften ausreichend Wlan-Zugang und Hardware, um Home-Schooling zu sichern?

Hintergrund der Grünen-Anfrage sind Berichte, "wonach großer Handlungsbedarf besteht", wie es in dem von Fraktionsvorsitzendem Christoph Nadler unterzeichneten Schreiben heißt. So sei Ende April im Klinikum Rechts der Isar ein 35-jähriger Afghane an den Folgen des Virus gestorben - nach Auskunft einer Flüchtlingshelferin soll der Mann trotz starker Symptome tagelang nicht in die Klinik gebracht worden sein, weil sein Heim unter Quarantäne gestanden habe.

Unterdessen nimmt das Infektionsgeschehen im Landkreis München wieder Fahrt auf: Hatte es zuletzt nur einzelne neue Fälle gegeben, zählt das Landratsamt über das Wochenende elf neue bestätigte Corona-Infektionen (Stand: Montag, 12 Uhr). Damit gibt es seit Meldung der ersten Erkrankung am 4. Februar insgesamt 1464 Fälle. Aktuell sind 25 Personen infiziert, 91 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. 1348 Personen gelten als statistisch genesen. In der Altersgruppe der unter Vierjährigen gibt es weiterhin nur 17 Infizierte, bei den Fünf- bis 14-Jährigen sind es 50, bei den 15- bis 34-Jährigen sind 371 Fälle dokumentiert; am stärksten betroffen ist nach wie vor die Gruppe der 25- bis 59-Jährigen mit 617 Infizierten, gefolgt von 407 Fällen bei jenen, die zwischen 60 und über 80 Jahre alt sind.

© SZ vom 07.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite