Palliativ- und Hospizarbeit Beistand für die letzten Tage im Heim

Der Palliativ-Geriatrische Dienst der Caritas soll helfen, den Bedürfnissen schwerkranker und sterbender Heimbewohner gerecht zu werden.

(Foto: Claus Schunk)

Viele Senioren kommen erst kurz vor ihrem Tod in eine stationäre Einrichtung. Weil das Personal dort unzureichend im Umgang mit Sterbenden geschult ist, wird der Palliativ-Geriatrische Dienst der Caritas ausgebaut.

Von Iris Hilberth, Oberhaching

Von "Total Pain" sprach die britische Krankenschwester, Sozialarbeiterin und Ärztin Cicely Saunders, als sie in den frühen Sechzigerjahren die Hospiz- und Palliativversorgung gründete. Nach ihrem Konzept geht der Schmerz Schwerkranker über das rein körperliche Leiden hinaus und erfasst den Menschen auch psychisch, sozial und spirituell. Eine ganzheitliche Begleitung ist daher wünschenswert, doch von den Mitarbeitern stationärer Pflegeeinrichtungen oft gar nicht zu stemmen.

Häufig fehlt es an personellen Kapazitäten und fachlicher Unterstützung. Eine große Bedeutung im Landkreis München kommt daher dem Zentrum für Ambulante Hospiz- und Palliativversorgung (ZAHPV) der Caritas zu, das seit 15 Jahren seinen Sitz am Inneren Stockweg in Oberhaching hat und im vergangenen Jahr um das Angebot des Palliativ-Geriatrischen Dienstes erweitert wurde. Was im März 2017 zunächst als Pilotprojekt für das Hachinger Tal und das Isartal startete, wird jetzt auf den gesamten Landkreis erweitert. Der Kreisausschuss hat sich dafür ausgesprochen, das auf zunächst drei Jahre angelegte Projekt jährlich mit etwa 320 000 Euro zu fördern.

Stationäre Pflegeeinrichtung haben sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu Orten des Sterbens entwickelt. Die Zahl hochbetagter und schwerstkranker Bewohner wird weiter zunehmen. Als "multimorbide" wird ihr gesundheitlicher Zustand im Fachjargon beschrieben, oft leiden sie an chronischen Krankheiten, häufig sind sie dement. Viele Menschen kämen erst in der letzten Lebensphase in eine Pflegeeinrichtung, weiß man im Landratsamt, knapp die Hälfte sterbe im ersten halben Jahr. So gehört die Sterbebegleitung viel mehr als früher zum Alltag auf den Pflegestationen. Doch dort ist die Personalausstattung deutlich niedriger als etwa auf Palliativstationen oder in stationären Hospizen. Für die Pflegekräfte stelle dies eine immense physische wie psychische Belastung dar. Daher verbringen etwa 25 Prozent der Bewohner in deutschen Seniorenheimen ihre letzten Tage nicht in ihrer vertrauten Umgebung, sondern im Krankenhaus.

Niederschwelliges Angebot

Aus Unsicherheit, Unwissenheit oder vorauseilendem Gehorsam gegenüber Behörden würden die Bewohner vom Personal am Ende gegen ihren Willen oft nach Plan gelagert, mit Infusionen bestückt und auf die Waage gesetzt, schreibt das ZAHPV in seinem Förderantrag für das Projekt. "An den Wünschen, Bedarfen und Bedürfnissen der Betroffenen geht diese Versorgung meist völlig vorbei", ist man sich bei der Caritas sicher.

Das Zentrum bietet schon länger einen ambulanten Dienst zur Beratung, Versorgung und Begleitung von schwerstkranken und sterbenden Menschen und deren Angehörigen an. Zwei multiprofessionelle Teams der allgemeinen Hospiz- und Palliativberatung sowie der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung arbeiten hier eng zusammen. Zu den rund 30 hauptamtlichen Fachkräften aus Pflege, Medizin, Sozialarbeit, Verwaltung, Seelsorge, Physiotherapie und handwerklich Tätigen kommen 20 eigene ehrenamtliche Mitarbeiter. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit zahlreichen Hospizgruppen im Landkreis, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen haben. Dadurch kommen etwa 75 weitere ehrenamtliche Hospizbegleiter hinzu.

Weil die Erfahrungen des ZAHPV laut Caritas gezeigt haben, dass Heimbewohner einen deutlich erschwerten Zugang zur Hospiz- und Palliativversorgung haben, wurde der Palliativ-Geriatrische Dienst geschaffen. Er soll ein niederschwelliges Angebot sein, den Zugang erleichtern und die Mitarbeiter der Einrichtungen durch fachliche Beratung und Koordination der verschiedenen Angebote unterstützen. Dazu gehören etwa die ehrenamtliche Hospizbegleitung, Unterstützung bei ethischen Konfliktsituationen und eine spezialisierte ambulante Palliativversorgung.

Pilotprojekt wurde gut angenommen

Erste Auswertungen des Pilotprojekts zeigten, dass das Angebot gut angenommen werde. Im Hachinger Tal stiegen demnach die Kontakte der Hospiz- und Palliativversorgung mit den Heimen in der ersten Jahreshälfte um mehr als 50 Prozent, die Anzahl der Einsätze von Hospizbegleitern sogar knapp um 155 Prozent. Im Isartal waren die Steigerungen geringer. Hier gingen die Kontakte um 17 Prozent nach oben, die Einsätze um 13 Prozent. Für das Einzugsgebiet mit 23 Häusern in 15 Gemeinden mit insgesamt knapp 2200 Plätzen waren zwei Vollzeitkräfte, je eine aus Pflege und Sozialarbeit, tätig. Die Anschubfinanzierung für den Palliativ-Geriatrischen Dienst hat für zwei Jahre der Freundes- und Förderkreis "Behütet Leben und Sterben" bis März 2019 übernommen.

Landrat Christoph Göbel (CSU) befürwortet die Ausweitung des Angebots auf den gesamten Landkreis sehr. "Mir ist dabei auch wichtig, bereits vorhandene Strukturen in das Angebot zu integrieren", betont er. "Durch ein einheitliches Konzept schaffen wir die erforderlichen Rahmenbedingungen, um jeder Alten- und Pflegeeinrichtung im Landkreis München eine gleichartige Unterstützung bei dieser komplexen Aufgabe zu ermöglichen."