bedeckt München 30°

Paketdienst:Q für Quarantäne

Günther Brummer, Zustellteamleiter der DHL-Group in Kirchheim, freut sich, dass die Leistung der Paketzusteller von den Kunden sehr gewürdigt wird. Die Abstandsregel wird problemlos eingehalten.

(Foto: Claus Schunk)

Auf die Unterschrift des Empfängers wird bei der DHL-Group derzeit verzichtet.

Von Selina Trummer, Kirchheim

Es ist 6 Uhr morgens. Im Stützpunkt der Deutschen Post DHL Group in Kirchheim ist nicht viel los. In Zeiten des Coronavirus startet nur ein Teil der Mitarbeiter um diese Uhrzeit, um bei den Vorbereitungen und gemeinsamen Tätigkeiten genügend Abstand einhalten zu können. Der zweite Teil der Truppe startet um 9 Uhr. "Abstand ist das A und O", erklärt der Zustellteamleiter.

Seit 29 Jahren arbeitet Günther Brummer schon bei der Deutschen Post. Aber so viel positives Feedback von Kunden wie jetzt, habe er noch nie bekommen. "Die Menschen lernen unsere Dienste zu schätzen." Als Briefzusteller trägt er täglich zu Fuß oder mit dem Fahrrad Briefe und Pakete aus. Zusätzlich dazu hat Brummer als Zustellteamleiter auch die Verantwortung über seine Mitarbeiter.

Im Laufe der letzten Woche habe sich zwar das Briefaufkommen laut Brummer verringert, die Anzahl der Pakete habe sich jedoch erhöht. Auch Dieter Nawrath, Pressesprecher der Deutschen Post, spricht von insgesamt erhöhten Sendungsmengen. "Bei einzelnen Kunden und Segmenten ist es in den letzten Wochen zu sehr deutlichen Veränderungen nach oben oder auch nach unten gekommen." Mode sei beispielsweise stark rückläufig, während die Nachfrage nach Produkten im Lebensmittel- und Tiernahrungsbereich teils stark gestiegen sei. Von Hamsterkäfigen, über Tiernahrung, bis hin zu Blumenerde werde alles geliefert, so Brummer. "Aber das ist eben unser Job."

Zum Schutz der Mitarbeiter gebe es im Stützpunkt in Kirchheim ausreichend Desinfektionsgeräte, sowie Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken für unterwegs. Zwei Kollegen seien krankgeschrieben, da sie in die Risikogruppe fallen, so der Zustellteamleiter. Laut Nawrath liege der Anteil der erkrankten Beschäftigten des Unternehmens unter dem Durchschnitt der insgesamt Erkrankten im Land. Die Brief- und Paketzustellung laufe bundesweit weiterhin ohne betriebliche Einschränkungen. Er weist zusätzlich auf die Möglichkeit hin, als DHL-Kunde einen sogenannten Ablagevertrag zu schließen.

Ähnlich wie in der Zeit vor Weihnachten

Dabei lege der Zusteller Paket-Sendungen an einen zuvor vom Kunden festgelegten Ort ab, wodurch eine direkte Übergabe nicht mehr erfolgen müsse. "Diese Leistung ist kostenfrei und kann jederzeit auch online vereinbart werden", so der Pressesprecher. Auch auf Unterschriften werde verzichtet. Stattdessen zeichne der Zusteller stellvertretend für den Kunden nach erfolgreicher Übergabe mit einem Q für Quarantäne, erklärt Brummer. Im Team in Kirchheim starte nun ein neuer Mitarbeiter als zusätzliche Unterstützung. Ähnlich wie in der Zeit vor Weihnachten, so Brummer. Einstellungsgespräche für freie Stellen werden laut Nawrath derzeit meist virtuell durchgeführt. Die Erfahrungen damit seien sehr gut. Auch Brummer ist zufrieden. Die Kunden müssen sich keine Sorgen machen, auch wenn im Moment Abstand gehalten werde muss.

© SZ vom 11.04.2020/hilb

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite