Süddeutsche Zeitung

Ottobrunn:Zu wenig Platz für Kinder

Die Gemeinde kämpft mit Personalmangel, starkem Zuzug und Raumnot - und sucht nach innovativen Lösungen

Der Boom der Region geht auch an der Gemeinde Ottobrunn nicht spurlos vorbei. Sehr zur Freude von Bürgermeister Thomas Loderer (CSU), der sich vor allem auf das Projekt "Bavaria One" und den damit verbundenen Aufbau einer eigenen Raumfahrtfakultät mit bis zu 2000 neuen Arbeitsplätzen freut, von dem seine Kommune und der Nachbar Taufkirchen profitieren sollen. Ein weiteres Prestigeobjekt ist der sogenannte Astyx-Campus, den der gleichnamige Konzern auf dem Ludwig-Bölkow-Campus realisiert. Dort sollen einmal 250 Mitarbeiter unterkommen.

Der Boom hat aber auch seine Schattenseiten: In der Gemeinde gibt es aufgrund des starken Zuzugs derzeit nicht genug Plätze in der Kindertagesbetreuung. "Bei der Entwicklung kommt man als Gemeinde ins Kämpfen", sagt Rathauschef Loderer - und macht zugleich deutlich, dass die Rathausverwaltung diesen "Kampf" auch an angenommen hat. "Wir haben im vergangenen halben Jahr über unsere gemeindliche GmbH insgesamt 17 Erzieherinnen eingestellt", sagt Loderer.

Allein diese Zahl ist angesichts des leer gefegten Marktes an qualifizierten Erzieherinnen und Erziehern sowie der immer weiter auswuchernden Mieten und Lebenshaltungskosten bemerkenswert. Dennoch sind die Wartelisten für die Ottobrunner Einrichtungen momentan wieder voll. Insgesamt 25 Kinder standen zum Stichtag 31. August auf den Listen für die Kinderkrippen - 14 Plätze können momentan nicht besetzt werden, weil schlichtweg das Personal fehlt. Bei den Kindergärten fanden sich Ende August vier Kinder auf der Warteliste, bis zum 31. Dezember werden es voraussichtlich 18 sein. Auch hier macht sich der Personalmangel bemerkbar: 25 Plätze können nicht besetzt werden.

Nahezu 50 Kinder sind in den vergangenen Monaten zugezogen

Auch in der sogenannten nachschulischen Betreuung können nicht alle Kinder untergebracht werden: 18 stehen derzeit auf der Warteliste. Der sogenannte Anstellungsschlüssel, der die Absicherung des Einsatzes ausreichenden pädagogischen Personals regelt, liegt in den Ottobrunner Einrichtungen derzeit bei etwa 1:9,5 - und damit allerdings immer noch unter dem bayernweit empfohlenen Schlüssel von 1:10.

Die Gemeinde versucht im Rahmen ihrer begrenzten Möglichkeiten, neuen Raum für die Betreuung zu schaffen. Unlängst hat sie am Haidgraben eine neue Krippe "sehr schnell" eingerichtet, sagt Loderer. Die Bemühungen gleichen aber einem Wettlauf gegen die Zeit und werden von drei Faktoren maßgeblich beeinflusst. Dem Zuzug: Von Mai bis September sind sieben Kinder im Krippen-Alter nach Ottobrunn gezogen - bei den Kindern im Kindergarten-Alter waren es im selben Zeitraum sogar 42. Zweitens sind Erzieher weiter schwer zu finden. Und drittens geht der Gemeinde Ottobrunn nach und nach der Platz aus.

"Das ist momentan unsere größte Not. Wir brauchen jetzt wieder Raum, um neue Gruppen einrichten zu können", sagt Loderer. Ottobrunn aber ist nach der Landeshauptstadt München deutschlandweit die Kommune mit der höchsten Einwohnerdichte und im Landkreis diejenige mit der kleinsten Fläche. Es werde also auch innovative Lösungen geben müssen, um der momentanen Not Herr zu werden, sagt Loderer.

Hierfür investiert die Gemeinde auch weiterhin, etwa in den Neubau der Carl-Steinmeier-Mittelschule. Die liegt zwar in Hohenbrunn, wird aber vor allem von Ottobrunner Schülern besucht. Der Neubau kostet 20 Millionen Euro, die Hälfte zahlt Ottobrunn.

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Quelle:
SZ vom 20.10.2018
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