Windpark im Höhenkirchner Forst:„Unfassbar, kurzsichtig und zynisch“

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Einigkeit über Parteigrenzen hinweg: Die Rathauschefs Inge Heiler, Mindy Konwitschny und Andreas Lutz (von links) mit Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger beim Spatenstich im Höhenkirchner Forst. (Foto: Claus Schunk)

Ottobrunns CSU-Bürgermeister Thomas Loderer stößt mit seiner Klage bei Politikern verschiedener Parteien auf Unverständnis und Widerspruch.

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) erntet heftige Kritik für die Klage, die er im Namen der Gemeinde beim Münchner Verwaltungsgericht gegen den Bau von drei Windrädern im Höhenkirchner Forst eingereicht hat. Loderer begründete seinen Schritt, den er ohne Mandat des Gemeinderates unternahm, am Dienstag mit einer Gefährdung der Trinkwasserversorgung. Ottobrunn bezieht den Großteil seines Wassers aus zwei Brunnen, die im Wasserschutzgebiet inmitten des Staatsforstes liegen. In diesem wollen die Gemeinden Höhenkirchen-Siegertsbrunn, Egmating und Oberpframmern zusammen mit dem Landkreis drei Windräder errichten. Der Baubeginn erfolgte Mitte Mai.

Die beiden Grünen-Landtagsabgeordneten aus dem Landkreis München, der Oberschleißheimer Markus Büchler und die Unterhachingerin Claudia Köhler, sowie der Höhenkirchen-Siegertsbrunner Gemeinde- und Kreisrat Otto Bußjäger (Freie Wähler) warfen Loderer am Mittwoch vor, bewusst die Energiewende zu torpedieren. Die Entscheidung des Ottobrunner Rathauschefs, gegen die bereits im vergangenen Oktober vom Landratsamt genehmigten Windräder juristisch vorzugehen, sei „unfassbar, kurzsichtig und zynisch“, sagte Köhler.

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Bürgermeister Loderer sieht die Trinkwasserversorgung durch die geplanten drei Rotoren im Höhenkirchner Forst gefährdet. Deshalb will er die laufenden Arbeiten für das interkommunale Projekt stoppen lassen.

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Bußjäger wirft Loderer vor, die Energiewende blockieren zu wollen, und bezeichnet dessen Klage als „reinen Schaufensterantrag“. Vor allem der Zeitpunkt sei vollkommen unverständlich, so Bußjäger: „Wenn einem das Thema so wichtig ist, hätte man leicht mitbekommen können, dass die Windräder schon im Oktober genehmigt worden sind.“

Das Argument, wonach die Trinkwasserversorgung Ottobrunns gefährdet werde, hält der FW-Kommunalpolitiker für vorgeschoben. „Wo soll denn durch ein Windrad Gefahr entstehen?“ Auch der Grüne Markus Büchler bezeichnet Loderers Argumentation als „schlecht durchdacht und objektiv falsch“. Offenbar, so der Abgeordnete und Kreisrat, gehe es Loderer „um Schlagzeilen gegen den Klimaschutz“.

Oberpframmerns Bürgermeister Andreas Lutz (CSU), ein Parteifreund Loderers, zeigte sich auf Anfrage überrascht vom Schritt seines Ottobrunner Amtskollegen. Lutz räumt dessen Klage kaum Chancen auf Erfolg ein. „Davon gehe ich nicht aus“, sagte Lutz auf die Frage, ob er den Bau der Windkraftanlage gefährdet sieht.

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