Es ist das wichtigste Infrastrukturprojekt für den Südosten des Landkreises München in den kommenden Jahren: die Verlängerung der U5 von Neuperlach Süd über Neubiberg und Ottobrunn bis zum Ludwig-Bölkow-Campus in Taufkirchen. Schließlich werden nicht nur durch den Ausbau der dortigen Fakultät für Luft- und Raumfahrt der Technischen Universität München (TUM) immer mehr Menschen dort hinfahren.
Da verwundert es nicht, dass der Ratssaal in Ottobrunn bei der Wahlkampfveranstaltung der örtlichen CSU zu dem Thema einschließlich einiger Plätze auf der Galerie gut gefüllt war. Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer und Landrat Christoph Göbel betonten, dass sie sich dahinterklemmen, damit das Projekt vorankommt. Klar wurde aber auch, wie komplex das Vorhaben ist. So lange, wie es mit der Verlängerung der U6 nach Martinsried gedauert hat, etwa 33 Jahre, dürfe es nicht dauern, sagte der Landrat: „Das wäre eine Katatstrophe.“
Die Pläne zur U-Bahn-Verlängerung reichen schon lange zurück. Aus Artikeln einer Publikation der Ottobrunner CSU Ende der 1980er-, Anfang der 1990er-Jahre, die Loderer erwähnte, wird deutlich, dass sich die Partei früh für das Vorhaben engagierte. Darin wird die Frage gestellt, ob es nicht angesichts der vielen Kraftfahrzeuge auf den wichtigen Verkehrsachsen im Ort sinnvoll wäre, über eine Ausweitung der Linie U5 nach Ottobrunn nachzudenken. „Die U-Bahn-Verlängerung ist das CSU-Projekt schlechthin“, sagte Loderer.
Das Vorhaben sei dann jedoch erst einmal eingeschlafen, wegen des Niedergangs der Luft- und Raumfahrtindustrie am Standort Anfang der 1990er-Jahre, vermutete er. Seit klar ist, dass Europas künftig größter Luft- und Raumfahrtcampus am Standort Taufkirchen/Ottobrunn entstehen soll, erlebt das Projekt wieder Aufwind.
Vor einigen Jahren wandte sich Loderer auch an den Landrat und betonte, wie wichtig es sei, eine Planung aufzulegen, damit relevante Flächen offengehalten werden, die man möglicherweise einmal benötigt. „Es geht sehr langsam voran, aber wir dürfen nie stehenbleiben“, mahnte er nun.
Auch Göbel hob die Bedeutung des Vorhabens hervor: Er betonte, dass die Carl-Wery-Straße, die wichtige Verkehrsachse aus München, schon jetzt ein Nadelöhr sei. Der Zuwachs an Menschen mit Studenten, Arbeitsplätzen et cetera müsse durch ein „Rückgrat im ÖPNV“ aufgegangen werden. Man brauche beides – eine Verlängerung der U-Bahn und den zweigleisigen Ausbau der S7. Mehrmals betonte er, dass beides gedacht werden müsse, unabhängig auch davon, ob die Stadtwerke München ihre Pläne verwirklichen und den neuen U-Bahnbetriebshof in Neuperlach Süd bauen.

Ein wichtiger Durchbruch beim Projekt U-Bahnverlängerung war die Machbarkeitsstudie 2019. Sie ergab ein Nutzen-Kosten-Verhältnis, das höher lag als in einer vorherigen Prüfung. Dieses stellt den volkswirtschaftlichen Nutzen den Kosten gegenüber und muss über dem Wert eins liegen, damit der Bund das Infrastrukturprojekt überhaupt fördert. Ein solcher Wert ergab sich allerdings erst 2022, nachdem die Bewertungsregeln geändert worden waren.
Auswirkungen auf die Pläne hatten auch andere Entwicklungen: Der Luft- und Raumfahrtcampus der TU siedelte sich am Ludwig-Bölkow-Campus an. Zudem wurde klar, dass im Bereich der Firma IABG erschütterungsempfindliche Flächen bei der Trassenplanung zu berücksichtigen sind. Göbel sprach von „Sicherheitsabständen“, die einzuhalten seien. Ergebnisse wurden dem Mobilitätsausschuss des Kreistags vorgelegt. Im Kreis stehe man einstimmig hinter dem Vorhaben, sagte Göbel.

Die bauliche Machbarkeitsstudie, an der gerade gearbeitet wird, konzentriert sich nun auf drei mögliche Trassen. Bei allen drei sind Haltepunkte vorgesehen in Neubiberg östlich des Friedhofs, südlich der Straße „Auf der Heid“ und in Ottobrunn im Zentrum an der Rosenheimer Landstraße, etwa auf Höhe der Putzbrunner Straße. Dann verzweigen sich die Routen.
Eine verläuft nördlich des IABG-Geländes und sieht Haltepunkte am Luft- und Raumfahrtcampus der TUM im Bereich Lise-Meitner-Straße/Robert-Koch-Straße vor und als Endpunkt an der Ludwig-Bölkow-Allee/B471. Bei den anderen beiden Varianten, die südlich von IABG verlaufen, wird eine Haltestelle im Bereich Einsteinstraße/Caroline-Herschel-Straße untersucht. Die Endhaltestelle würde an der Kreuzung der Bundesstraße 471 mit der Ludwig-Bölkow-Allee oder der etwas östlicher liegenden Willy-Messerschmitt-Straße liegen.

Nach Prüfung der Realisierbarkeit der Varianten und einer vertieften Investitionskostenabschätzung soll eine Entscheidung für eine Vorzugsvariante getroffen werden. „Das nehmen wir uns für das dritte Quartal 2026 vor“, sagte Göbel. Es sind viele Punkte zu untersuchen – von der Baulogistikplanung bis zur Frage der bestmöglichen verkehrlichen Erschließung des Luft- und Raumfahrtcampus.
Doch auch wenn diese geklärt sind, dauert es noch: Den Planfeststellungsbeschluss, also die Genehmigung für das Vorhaben, erwartet der Landrat nicht vor 2034. Bis dann der Bau umgesetzt ist, werden einige weitere Jahre verstreichen. „Ich hoffe, dass das im Zeitraum von unter zehn Jahren zu schaffen ist“, antwortete Göbel auf die Frage aus dem Publikum, wie lange die Arbeiten am neuen Streckenabschnitt dauern.
Die bislang geschätzten Kosten von einer Milliarde Euro seien „die absolute Untergrenze“, sagt Göbel
Die U5-Verlängerung ist nicht nur in Bezug auf den Zeitraum, sondern auch wegen der Kosten ein Mammutprojekt. Derzeit ist die Rede von etwa einer Milliarde Euro. Wenn das Nutzen-Kosten-Verhältnis über eins liegt, fördert der Bund das Projekt mit bis zu 75 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten, der Freistaat Bayern mit weiteren 15 Prozent. Der Rest entfiele auf den Landkreis. Die Kommunen Neubiberg, Ottobrunn und Taufkirchen wären bei der umgebenden Infrastruktur im Boot.
Große Hoffnungen macht Göbel allerdings nicht, dass es bei dem Betrag bleibt. „Die Zahl ist die absolute Untergrenze“, sagt er. Von der alternativen Idee einer Seilbahn, die auch schon diskutiert wurde, ist man abgekommen, wie Göbel einer Zuhörerin antwortete. Man habe die Idee zwar geprüft. Doch das Kosten-Nutzen-Verhältnis sei schlechter, weil die Seilbahn ein „erheblich geringeres Fahrgastpotenzial“ als die U-Bahn habe.
Wie auch immer die Trassen am Ende verlaufen, dürften sie auch bebautes Gebiet betreffen. Auf die Frage aus dem Publikum, wie man damit umgehe, versicherte der Landrat: Man werde sehr genau hinsehen, ob Eigentumsrecht berührt werde. Überhaupt wolle man das Projekt der Bevölkerung sehr gründlich vorstellen, sagte Göbel: „Sonst wird das nie etwas.“

