Eine Podiumsdiskussion ist eigentlich eine gute Gelegenheit, sich und seine Positionen möglichst vielen Menschen bekannt zu machen. Das gilt insbesondere für Kandidaten vor einer Wahl. Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) lässt sich diese Chance vor der Stichwahl am Sonntag, 22. März, entgehen. Eine Diskussion mit seinem Herausforderer Florian Schardt von der SPD wäre organisiert gewesen, doch Loderer nimmt nicht teil.
Stephan Reiners wollte das Aufeinandertreffen der beiden verbliebenen Kandidaten vor der Entscheidung kommende Woche organisieren. Für den wahrscheinlichen Fall einer Stichwahl hatte der Ottobrunner nach eigener Darstellung bereits am 26. Februar bei Loderer persönlich angefragt, an wen er sich für die Reservierung eines Veranstaltungsraums wenden solle. Nachdem er vom Rathaus eine Reservierungsbestätigung für den Großen Festsaal im Wolf-Ferrari-Haus für kommenden Mittwoch, 18. März, erhalten habe, sei er von der Teilnahme Loderers ausgegangen. Doch dieser habe ihm am Dienstag mitgeteilt, für die Podiumsdiskussion nicht zur Verfügung zu stehen. Die beiden anderen damals infrage kommenden Kandidaten, Florian Schardt von der SPD und Leon Matella (Grüne), hätten ihm dagegen bereits verbindlich zugesagt.
Eine Rathausmitarbeiterin bestätigte der SZ am Mittwoch die Reservierung. Und Bürgermeister Loderer, dass er nicht an einer neuerlichen Diskussion teilnehmen werde. „Ich habe andere Prioritäten, wie ich meinen Wahlkampf gestalte“, lässt der Amtsinhaber wissen. Jetzt gehe es darum, wie man am meisten Menschen erreiche. „Da sehe ich eine weitere Podiumsdiskussion nicht als effizientes Mittel.“ Er wolle mit den Menschen sprechen, um seine Positionen klar zu machen. „Für die Vorbereitung und die Durchführung brauche ich Zeit.“
Bei der Wahl am Sonntag hatte Loderer 42,8 Prozent der Stimmen erhalten, sein SPD-Herausforderer Schardt 39,9 und Grünen-Kandidat Matella 15,2 Prozent. Vor sechs Jahren war er noch im ersten Wahlgang mit 59,8 Prozent im Amt bestätigt worden. Dass sich Loderer keinem weiteren direkten Schlagabtausch stellt, nährt am Ort Mutmaßungen, er befürchte, dort erneut nicht gut abzuschneiden. Bei der ersten Podiumsdiskussion war der CSU-Bürgermeister von seinen Gegnern Schardt und Matella immer wieder hart angegangen worden. Er hatte sich gegen viel Kritik verteidigen müssen. Zu Behauptungen, er sei am Ort „mit allen zerstritten“, sagt Loderer: Manchmal müsse man Kante zeigen, nicht alles lasse sich in Zusammenarbeit regeln. Es müsse unterschieden werden zwischen dem persönlichen Interesse und „ob man als Bürgermeister die Interessen Ottobrunns vertritt“. Rückendeckung bekommt Loderer vom CSU-Ortsvorsitzenden Theodor Fall: „Es gab schon eine Podiumsdiskussion, wir haben jetzt andere Prioritäten. Und zwar mit den Menschen zu sprechen, in den Geschäften, auf der Straße.“

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Während Andreas Bukowski in Haar, Christoph Böck in Unterschleißheim und Stefan Schelle in Oberhaching bestätigt werden, müssen Thomas Loderer in Ottobrunn und Thomas Pardeller in Neubiberg in die Stichwahl.
SPD-Mann Schardt hätte sich nach eigenen Worten einer weiteren Diskussion gerne gestellt. „Mir hat die Initiative von Herrn Reiners gut gefallen. Zum einen gibt es auf kommunaler Ebene sonst keine Formate, bei denen alle Kandidaten aufeinandertreffen, was für die Meinungsbildung aber wichtig ist.“ Zudem seien bei der ersten Podiumsdiskussion mehrere wichtige Themen nur gestreift worden, etwa die Gewerbeansiedlung zur Verbesserung der schwierigen Einnahmesituation und die Frage, wie die Gemeinde mit ihren Nachbarn besser zusammenarbeiten könne. „Insofern bedauere ich die Absage von Herrn Loderer sehr“, so Schardt zur SZ. „Ich stehe weiterhin zur Verfügung.“
Das gilt auch für den Termin am kommenden Mittwoch: Am 18. März können sich interessierte Wähler von 19 Uhr an im Großen Saal des Wolf-Ferrari-Hauses bei einem Bürgerdialog mit dem Thema „Zukunft Ottobrunn“ über die Positionen des SPD-Kandidaten informieren. Denn Organisator Stephan Reiners hält an seiner Veranstaltung fest. Zwar wird es dort nun nicht zu einer Diskussion der beiden Kandidaten kommen, aber Schardt werde sich Fragen der Bürger stellen, wie Reiners sagt. Moderiert wird die Diskussion von Coach Cornelia Stadler aus Hohenbrunn.

