Der Schicksalsschlag war schon Jahre her, die Betroffene dachte, die Zeit könne ihre Wunden heilen. Doch als sie Anfang 50 war, ihre Kinder schon fast erwachsen, merkte sie, „dass sie da alleine nicht rauskam“, wie Nadine Plath, Einrichtungsleiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes München-Land-Süd, sagt. Einen Bombenangriff im Irak hatte die Frau überlebt, aber dabei ein Kind verloren. Ihr Mann und sie hatten sich inzwischen getrennt, mit den größer werdenden Kindern wurde es immer schwieriger.
Eines Tages fasste sie den Mut und rief beim Sozialpsychiatrischen Dienst in Ottobrunn an. Was folgte, war kein einfacher Weg, sagt Plath, die Frau sei „immer wieder in Löcher gerutscht“. „Aber insgesamt war dies eine sehr schöne Entwicklung“. Nach den ersten Jahren im betreuten Einzelwohnen, in dem ein Berater regelmäßig bei der Frau zu Hause vorbeischaute, merkte sie, dass sie wohl doch professionelle Hilfe brauchte und begann eine Therapie. Ihr nächster Entwicklungsschritt war, dass sie „den Fokus wieder mehr auf sich richtete“ und beschloss: „Ich will wieder arbeiten.“ Auch aus finanziellen Gründen. Sie schaffte es, einen Job in der Küche eines Altenheimes zu finden und ist heute „stolz darauf, dass sie eigenes Geld verdient“, so Plath.
407 Klienten hatte die Ottobrunner Einrichtung im Jahr 2024. Sie gehört zum Projekteverein der Arbeiterwohlfahrt (Awo) und betreibt selbst drei Projekte: die Beratungsstelle für alle ab 18 Jahren, die psychische Probleme haben, eine Tagesstätte und betreutes Einzelwohnen. „Es melden sich immer mehr jüngere Menschen bei uns“, sagt Plath. Die Hilfsaktion SZ Gute Werke möchte deren Arbeit unterstützen.
Die Hauptgruppe aber seien Klienten zwischen 40 und 60. Gerade wenn es auf die Rente zugehe und man sich nicht mehr in der Lage fühle zu arbeiten, hätten viele Angst vor existenziellen Problemen und Armut. Speziell für Jüngere gibt es die Gruppe „Miteinander-füreinander“, gedacht für junge Erwachsene. Denn in der Tagesstätte seien Jüngere noch rar, sagt Plath, man versuche, auch dort entsprechende Angebote zu entwickeln.
Ein erster mutiger Schritt ist Bedingung dafür, dass man Hilfe in Ottobrunn bekommt: Man muss anrufen. Nicht alle tun das so mutig wie die oben genannte Klientin allein, bei manchen sitzen Angehörige daneben oder Ärzte raten dazu. „Vielen Leuten fällt es schwer“, weiß Plath. „Sie wissen, wenn sie sich bei uns melden, müssen sie sich offenbaren. Aber es schaffen zum Glück viele.“ Das sei auch eine Voraussetzung. Die Menschen müssen gewillt sein, mitzuarbeiten, auch wenn sie Angst davor haben, sonst hat die Beratung keinen Sinn.
Mit eigener Kraft auf den richtigen Weg
Aber auch wenn der Wille da ist, kann es schwierig werden. „Manche tauchen wieder ab, je nachdem, wie sich ihre Krankheit entwickelt“, sagt Plath. Depressionen, Angststörungen, Persönlichkeitsstörungen wie etwa Narzissmus oder auch Borderline – all diese Krankheiten kommen vor, sagt Plath. Beim ersten persönlichen Gespräch bespreche man dann das genaue Anliegen der Hilfesuchenden.
Auch, ob etwa eine Diagnose und professionelle Hilfe sinnvoll sein könnten. Gezwungen wird dazu niemand. Letztendlich müssen sich die Klienten mit eigener Kraft auf den richtigen Weg bringen. So wie die Irakerin, die viele Jahre nach dem Verlust ihres Kindes zum Telefonhörer griff. Die Spenden von SZ Gute Werke werden für Lebensmittel-Hilfe und Gruppenausflüge verwendet.
So können Sie an SZ Gute Werke spenden
Wer helfen will, wird um ein Geldgeschenk gebeten, Sachspenden können leider nicht entgegengenommen werden. Bareinzahlungen sind im SZ Servicepunkt, im Kaufhaus Ludwig Beck, Eingang Dienerstraße, 1.OG., Marienplatz 11, möglich. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr. Banküberweisung an:SZ Gute Werke e.V.HypoVereinsbankIBAN: DE04 7002 0270 0000 0822 28BIC: HYVEDEMMXXXSicher online spenden können Leserinnen und Leser im Internet unter www.sz-gute-werke.de.
