Paartherapie Schatz, wir müssen reden

"Ich ergreife keine Partei." Die Psychotherapeutin Eva-Maria Gebert-Riess aus Ottobrunn hilft Paaren in Krisensituationen.

(Foto: Angelika Bardehle)

Kinder, Beruf, Schulden - der Alltag stellt viele Beziehungen auf die Probe. Wenn die Trennung droht, helfen Paartherapeuten wie die Ottobrunnerin Eva-Maria Gebert-Riess.

Von Marie Ludwig, Ottobrunn

Wann ist der Zeitpunkt gekommen, um eine Paarberatung zu beginnen? Annemarie blickt zu ihrem Mann. Er hat den Finger an die Wange gelegt, schaut zu Boden. Stille. "Wir konnten nicht mehr miteinander reden", sagt sie. Wieder ein Seitenblick zu Ludwig. Er holt Luft, reißt sich aus der starren Haltung und aus der Erinnerung los: "Die Beratung war unsere letzte Chance."

Seit Oktober kommen Annemarie und Ludwig einmal im Monat in die Praxis von Eva-Maria Gebert-Riess, die sie 2011 in Ottobrunn eröffnet hat. Ursprünglich hatte sie als Apothekerin gearbeitet. "Medikamente haben durchaus ihre Berechtigung", sagt die Eheberaterin. Doch allein dadurch, dass man Symptome bekämpfe, seien die Probleme nicht gelöst. Irgendwann fasste die Ottobrunnerin den Entschluss, sich mit alternativen Methoden der Heilung zu beschäftigen: erst eine Ausbildung zur Heilpraktikerin, darauf zur Psychotherapeutin. Inzwischen kommen zahlreiche Paare zu ihr in die Therapie.

Annemarie und Ludwig sind seit 16 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Wenn die beiden sich selbst beschreiben würden, wäre Annemarie Balu, der Bär aus dem Dschungelbuch, und Ludwig Baghira, der schwarze Panther. Annemarie ist humorvoll, harmonieliebend und ein Familienmensch. Ludwig locker, regelfolgsam und kämpferisch, wenn es um die Familie geht. Doch so gern sich die beiden Charaktere mögen - sie sind verschieden. Auch im wahren Leben kam es daher oft zu Konflikten. "Wir haben uns schleichend voneinander entfernt. Sind immer in die gleichen Verhaltensmuster gefallen", sagt Annemarie.

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Du hast dies nicht, du hast das nicht! Und sowieso immer nur du! Ich nie! Gebert-Riess kennt die Sprache der Paare. Das jüngste Paar, das sie betreut hat, war um die 18 Jahre alt. "Die meisten sind jedoch zwischen 30 und 50." Bei den Jüngeren gehe es eher um Sexualität. Bei der "Sandwich-Generation", mit der alle zwischen 30 und 50 gemeint sind, seien die Probleme oft anderer Natur. Denn mit steigendem Alter komme auf Paare eine Vielzahl von Verpflichtungen zu: "Die Erziehung der Kinder, Beruf, Karriere, Abbezahlen von Schulden und Sorge, um die alternden Eltern - eine Masse an Anforderungen", sagt Gebert-Riess. Dadurch sei das Zusammenleben als Paar oft sehr belastet. So auch bei Annemarie und Ludwig: "Unser Alltag war unheimlich vollgestopft, dass wir kaum mehr Zeit füreinander hatten." Dann kamen die Streits. "Wir haben uns einfach nicht mehr verstanden", sagt Annemarie. Die Trennung stand im Raum.

Auch Gebert-Riess weiß, wie schnell Kommunikation schief laufen kann. "Es gibt ein Modell nach Schulz von Thun, das sich vier Seiten einer Nachricht nennt", sagt sie. Ein Beispiel: Nehmen wir den Satz "Da ist etwas Grünes in der Suppe". Der Satz kann in vier unterschiedliche Richtungen von Gegenüber verstanden werden: Erstens die Sachinformation. Schlicht und einfach: "Da, schau mal, etwas Grünes!" Zweitens die Selbstoffenbarung: "Ich weiß nicht, was es ist!" Drittens der Appell: "Sag mir, was es ist?" Und viertens die Beziehungsebene: "Du solltest wissen, was du da rein getan hast." Das Problem: Oft hört das Gegenüber nur den Appell oder die Beziehungsbotschaft und nimmt das Gesagte oft sogar als Vorwurf wahr. Ein Tipp der Therapeutin: "Man sollte immer von sich und seinen Bedürfnissen und Wünschen sprechen."

"Wir hatten verlernt, uns richtig zu verstehen", sagt Ludwig. Bereits nach der ersten Therapiesitzungen habe er gemerkt, dass sich etwas verändert habe: "Natürlich dauerten unsere Diskussionen erst mal länger. Wir mussten schließlich immer noch erklären, wie wir das Gesagte meinten", erzählt er. Doch man sei einfach ruhiger und sachlicher an die Sache herangegangen.