Süddeutsche Zeitung

Ottobrunn:Ottobrunn nimmt's gelassen

Bürgermeister Thomas Loderer konfrontiert die Ottobrunner bei der Bürgerversammlung mit neuen Flüchtlingszahlen. Die reagieren sehr gelassen - und nehmen die Bilanz der Gemeinde freudig zur Kenntnis

Nein, zur Boom-Town des Landkreises wird sich Ottobrunn nicht mehr entwickeln. Das ist schon rein aus Platzgründen nicht möglich - auf die Bevölkerung bezogen ist die Gemeinde mit nahezu 22 000 Einwohnern die drittgrößte Kommune des Landkreises, von der Fläche her allerdings die zweitkleinste und damit auch deutschlandweit die Kommune mit der zweithöchsten Bevölkerungsdichte. Da bleibt nicht viel Platz.

Nun steht die Gemeinde, wie alle anderen Kommunen des Landkreises mit deutlich mehr Fläche, aber vor einer zentralen Herausforderung: Sie wird im kommenden Jahr deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen müssen als bisher angenommen, sagte Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) bei der Bürgerversammlung im Festsaal des Wolf-Ferrari-Hauses am Donnerstagabend. Etwa 570 Schutzsuchende prognostiziert das Landratsamt für Ottobrunn im Jahr 2016; insgesamt 188 Menschen sind derzeit in der Gemeinde untergebracht. "Lange Zeit waren wir der Musterknabe bei der Unterbringung", sagte Thomas Loderer - und verwies dabei auch auf die großartige Unterstützung durch die Ehrenamtlichen. Nicht zuletzt die Domain des Helferkreises mache deutlich, wie früh und intensiv sich Ottobrunner Bürger schon mit der Integration der Flüchtlinge beschäftigt hätten: ",www.helferkreis-asyl.com' sagt eigentlich alles. Dafür ein herzliches Dankeschön", sagte Loderer. Jedoch werde sich die Gemeinde intensiv Gedanken darüber machen müssen, wie sie so viele Menschen wird unterbringen können - eine umfassende Antwort vermochte der Bürgermeister darauf noch nicht zu geben. Allerdings, sagte Loderer, habe er dem Landratsamt ein Grundstück an der Hochackerstraße angeboten, auf dem bereits Anfang November eine Containerunterkunft für bis zu 40 Menschen entstehen wird. Darüber hinaus hat Loderer die noch bestehende und derzeit leer stehende Containeranlage an der Albert-Schweitzer-Straße als möglichen Standort für Übergangsklassen ins Gespräch gebracht: "Dort könnten Kinder unterrichtet werden, die noch kein oder kaum Deutsch sprechen."

Möglicherweise war es dieser konstruktive Ansatz des Rathauschefs, der - im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Veranstaltungen in vielen Landkreiskommunen - nicht eine kritische Frage der Bürger zur Folge hatte. Vielleicht war es auch Loderers Kritik an der Politik der Kanzlerin: "Es reicht nicht, wenn Frau Merkel sagt: ,Wir schaffen das'. Wir müssen sagen, wie, und wir werden uns mit Ihnen bemühen, in Ottobrunn die richtigen, menschenwürdigen Antworten zu finden."

Ein anderes Thema, das im östlichen Landkreis viele Bürger beschäftigt, fing die Gemeindeverwaltung vor der eigentlichen Bürgerversammlung geschickt ab. Die Landesanstalt setzte die Besucher im Wolf-Ferrari-Haus mit einem Informationsstand über die Gefahren und die Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers in Kenntnis, der ja nicht zuletzt in der Nachbargemeinde Neubiberg merkliche Spuren hinterlassen hat.

Der Rest der Veranstaltung war für den Rathauschef gewissermaßen "business as usual": Kriminalitätsstatistik? Ein leichter Rückgang bei den Straftaten. Aber: "Vorsicht vor Einbrechern." Öffentlicher Nahverkehr? Wird ausgebaut - insbesondere die relevanten Buslinien. Der Friedhof wird noch einmal erweitert. Nein, boomen wird diese Gemeinde nicht. Aber sie ist auf eine gewisse Art sehr zufrieden.

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Quelle:
SZ vom 17.10.2015
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