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Junger Filmemacher:Nur mal kurz die Welt zerstören

Die Pinguine, die seinen Film bevölkern, hat Florian Hofmann am Computer gestaltet.

(Foto: Claus Schunk)

In seinem Animationsfilm "The Chain Rule" beschreibt der Ottobrunner Gymnasiast Florian Hofmann die apokalyptische Wirkung einer Ananaszucht am Südpol. Das nicht einmal zwei Minuten lange Video hat bereits drei Preise eingeheimst.

Von Christina Hertel, Ottobrunn

Mathe-Unterricht, zwölfte Klasse, Gymnasium Ottobrunn. Der Lehrer versucht, die Kettenregel zu erklären. Florian Hofmann schweift ab, aber er denkt nicht an die nächste Party, an Mädchen oder Alkohol, sondern an seinen nächsten Animationsfilm. Und er wird "The Chain Rule", die Kettenregel, heißen, benannt nach dieser Mathestunde.

In einer Minute und 40 Sekunden zeigt Hofmann, wie Erfinder eine Ananas züchten, die in der Antarktis wächst. Gewächshäuser werden auf den Südpol gestellt - immer mehr und mehr, bis den Pinguinen nichts bleibt als eine kleine Scholle. Dort sitzen sie, das Eis schmilzt und ein Pinguin nach dem anderen purzelt ins Wasser. Der letzte landet schließlich im Zoo.

"Der Mensch sollte nicht anfangen Gott zu spielen"

Doch es kommt noch schlimmer: Das Ananas-Experiment geht schief, die Erde wird verseucht und die Menschen müssen am Ende selbst unter einer Glaskuppel leben. Hofmann ist keineswegs Umweltaktivist, doch er sagt: "Der Mensch sollte nicht anfangen, Gott zu spielen." Seiner Meinung nach sollte die Wissenschaft nicht zu weit gehen. Und genau das ist das Anliegen seines Animationsfilms.

Florian Hofmann hat für den Film schon drei Preise bekommen. Unter anderem belegte er bei dem Multimediawettbewerb Crossmedia, der vom bayerischen Kultusministerium ausgerichtet wird, den zweiten Platz. Preise in diesem Wettbewerb erhielt das Gymnasium Ottobrunn für zwei weitere Projekte: für noch einen Film und für den Jahresbericht. An beiden war Hofmann beteiligt.

American Football zum Ausgleich

Der 17-Jährige ist fleißig, aber er ist kein Streber. Sein nächstes Projekt muss warten, bis er das Abitur in der Tasche hat. Wenn er gerade nicht lernen muss, will er seine Freunde treffen oder Sport treiben. Hofmann spielt American Football. "Man kann ja nicht den ganzen Tag vor dem Computer sitzen", sagt er. Denn Animationsfilme zu machen, bedeutet genau das.

Die Figuren baut Hofmann mit einem Computerprogramm. Er hat sich das selbst beigebracht, das dauerte. "Zuerst hat gar nichts geklappt, dann habe ich das Programm erst mal ein halbes Jahr nicht mehr angefasst", sagt er. Etwa ein Jahr brauche es, bis man die Grundlagen beherrsche. Und auch dann musste er Durchhaltevermögen zeigen. Seine ganzen Sommerferien steckte er in den Film. Er wollte ihn einfach fertig machen. Von dem Wettbewerb erfuhr Hofmann erst später.

"Be afraid to cross the line" kann der Zuschauer fast am Ende des Films lesen: "Habt Angst, die Grenzen zu überschreiten." Schwarze Schrift auf einem weißen Bildschirm. Man könnte denken, der Film sei vorbei, aber es geht weiter. Die Forscher können es nicht lassen und experimentieren an dem letzten Pinguin. Wie das ausgeht, bleibt offen, doch man ahnt, dass das kein gutes Ende nehmen kann. "Ich wollte zeigen, dass die Menschen nicht aus der Geschichte lernen", sagt Hofmann. "Dass sie eben immer weiter machen."

Auch als Designer hat der 17-Jährige schon Talent bewiesen

Der 17-Jährige findet Forschung gut, wenn es zum Beispiel um die Heilung von Krankheiten geht. Sobald aber der Kommerz im Vordergrund steht, sieht er sie kritisch. Deshalb entschied er sich auch für die Ananas. "Das ist ein Luxusgut, das wir nicht unbedingt brauchen, aber halt haben können." Und für so ein Luxusgut setzt die Menschheit in Hofmanns Film sich selbst aufs Spiel.

Im Sommer macht der 17-Jährige Abitur. Wie es dann weitergeht, weiß er noch nicht. Aber er will auf jeden Fall in dieser Richtung arbeiten. Auch designen und gestalten macht ihm Spaß, und auch dabei hat er schon einen Wettbewerb gewonnen. Die Reispackung einer Supermarktkette in China geht auf seinen Entwurf zurück.

Florian Hofmanns Film "The Chain Rule" ist zu sehen unter http://silectra.de/thechainrule.php

© SZ vom 09.12.2015/wkr

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