Ottobrunn:Mehr Züge auf den bestehenden Gleisen

Lesezeit: 2 min

Bahnübergang in Höhenkirchen-Siegertsbrunn, 2020

Der beschrankte Bahnübergang in der Ortsmitte von Höhenkirchen-Siegertsbrunn kann nicht durch eine Unterführung ersetzt werden.

(Foto: Claus Schunk)

Umwelt- und Fahrgastverbände wollen das Angebot auf den S-Bahn-Außenästen bereits vor dem Ausbau der Infrastruktur verbessern. Die Initiative S 7 Ost-Plus hält das für kontraproduktiv

Von Martin Mühlfenzl, Ottobrunn

Im Grunde genommen, sagt Wolfram Liebscher, drehe sich alles um den Landkreis München. Wer schnelle Verbesserungen im S-Bahnnetz erreichen wolle, ist sich der Vorsitzende des Verkehrsclubs Deutschland in München (VCD) sicher, der müsse die bestehende Infrastruktur der Bahn vor allem auf den Außenästen nutzen - und das insbesondere in den Hauptverkehrszeiten. Hierfür hat sich der VCD München mit der Aktion Münchner Fahrgäste, dem Bund Naturschutz, der Umweltorganisation Green City, dem Münchner Forum und dem "Verein der Bürgerinitiative Haidhausen S-Bahn-Ausbau" zur S-Bahn-Initiative Qualität (SIQ) zusammengeschlossen und einen Maßnahmenkatalog zusammengestellt. Mit diesem könnten laut Liebscher binnen drei Jahren deutliche Verbesserungen für Pendler erreicht werden.

"Unser Ziel ist es, auf allen Außenästen der S-Bahn zumindest in den Hauptverkehrszeiten einen Zehn-Minuten-Takt zu erreichen", sagt Liebscher. Eine der Formeln dafür klingt zunächst paradox: weniger Fahrten auf der Stammstrecke - dafür aber längere Züge. Dies würde etwa die komplett überlastete Stammstrecke in der Landeshauptstadt entlasten, die derzeit darauf ausgerichtet sei, alle zwei Minuten eine Durchfahrt aufnehmen zu müssen; mit all den Verspätungen auf den Außenästen sowie den hohen Fahrgastwechseln an den Bahnsteigen sei dies aber nicht zu leisten, ist sich der VCD-Vorsitzende sicher. "Und die zweite Stammstrecke kommt frühestens in acht Jahren. So lange aber können wir nicht warten."

Heftige Kritik übt Liebscher am Freistaat, der es in den vergangenen 15 Jahren versäumt habe, ins S-Bahnnetz zu investieren. "Es ist in diesem Zeitraum kein einziger Zugkilometer bestellt worden", kritisiert er. Zudem könne nicht weiter auf einen Ausbau der Infrastruktur gewartet werden - etwa einen zweigleisigen Ausbau der S 7 auf dem Ost-Ast von Giesing bis nach Höhenkirchen-Siegertsbrunn. Dieser werde in den kommenden zehn Jahren keinesfalls angegangen, ist sich Liebscher sicher. Daher schlägt die SIQ vor, in den Hauptverkehrszeiten auf dieser Strecke am Morgen sechs Züge von Höhenkirchen-Siegertsbrunn aus in Richtung Ostbahnhof fahren zu lassen und stattdessen das Angebot in Richtung Landkreis zu reduzieren. Von Nachmittag an sollte dann das Angebot in Richtung Landkreis entsprechend erhöht werden. Dass mittlerweile mehr Menschen von der Stadt aus in den Landkreis in die Arbeit pendeln als umgekehrt, sei der SIQ bewusst. "Aber es müssen ja auch die Schüler berücksichtigt werden. Es wäre ein Anfang und man müsste beobachten, wie sich die Maßnahme entwickelt."

Mit einer Reduzierung der Fahrten durch die Stammstrecke lasse sich die Zahl der Fahrten auf den Außenästen deutlich erhöhen, ist sich die SIQ sicher. So sollen dem Konzept zufolge Züge aus dem Westen teilweise in Pasing enden und Pendler am selben Bahnsteig in Züge in Richtung Innenstadt umsteigen, so soll auch mit S-Bahnen aus dem Osten verfahren werden, die dann am Ostbahnhof halten. Zudem schlägt die S-Bahn-Initiative Qualität vor, provisorische S-Bahn-Haltestellen an den U-Bahnhöfen Poccistraße und Kolumbusplatz einzurichten, um so den östlichen Landkreis noch enger anzubinden. Auch der Süd- und Nordring müssten vor allem in den Hauptverkehrszeiten gestärkt werden, um die Außenäste miteinander zu verbinden.

Auf wenig Gegenliebe stoßen die Vorschläge für den Zehn-Minuten-Takt auf dem Ost-Ast der S 7 bei der Initiative S 7 Ost-Plus. Sie kritisierte, der Vorschlag, in den Hauptverkehrszeiten bei stadtauswärtsfahrenden Zügen den hinteren Zugteil in Ottobrunn abzukoppeln und als eigenständigen Zug in die Stadt zurückfahren zu lassen, sei unsinnig; damit werde auch der zweigleisige Ausbau gefährdet. Das stimme nicht, sagt Liebscher: "Wir wollen unbedingt den zweigleisigen Ausbau."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema