OttobrunnNeuer Bürgermeister, neues Klima

Lesezeit: 2 Min.

Nach 19 Jahren CSU-Herrschaft im Rathaus weht in Ottobrunn ein neuer Wind: Florian Schardt (Mitte) übernahm souverän das Steuer, hier im Bild mit seinem Stellvertreter Michael Senft und seiner Stellvertreterin Susanne Vordermaier.
Nach 19 Jahren CSU-Herrschaft im Rathaus weht in Ottobrunn ein neuer Wind: Florian Schardt (Mitte) übernahm souverän das Steuer, hier im Bild mit seinem Stellvertreter Michael Senft und seiner Stellvertreterin Susanne Vordermaier.
Claus Schunk

Der neue Bürgermeister Florian Schardt (SPD) wirbt um eine kollegiale Zusammenarbeit im Gremium. Zweiter Bürgermeister wird Michael Senft von den Grünen, Dritte Bürgermeisterin ist nun Susanne Vordermaier von der CSU.

Von Daniela Bode, Ottobrunn

SZ bei Google bevorzugen

Wenn es so weitergeht wie bei der konstituierenden Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch im Wolf-Ferrari-Haus, können die Ottobrunner zufrieden sein. Der neu gewählte Bürgermeister Florian Schardt (SPD), der in der Stichwahl mit 61,5 Prozent Thomas Loderer (CSU) nach 19 Jahren vom Chefsessel im Rathaus verdrängte, warb für ein „kollegiales Klima“ angesichts der Herausforderungen, die in der neuen Wahlperiode zu bewältigen seien, insbesondere die angespannten Finanzen. Und gleich gelang es. Die meisten Abstimmungen, bei denen es vor allem um Personalien wie weitere Bürgermeister- und Referentenposten ging, verliefen einstimmig, jedenfalls aber mit einer großen Mehrheit. Auch scheint es, als liege dem Sozialdemokraten das neue Amt, der die Gremienarbeit als Fraktionschef seiner Partei im Kreistag kennt: Schardt leitete die Sitzung souverän und sympathisch, als habe er nie etwas anderes getan.

Thomas Loderer übergab Florian Schardt die Bürgermeisterkette.
Thomas Loderer übergab Florian Schardt die Bürgermeisterkette.
Claus Schunk

Einfach wird die Entscheidungsfindung möglicherweise dennoch nicht immer, sind doch bei sieben Gruppierungen viele Meinungen unter einen Hut zu bringen. Erstmals sind auch die Linke mit einem Sitz und die AfD mit zwei Sitzen vertreten. Überhaupt ist das 30-köpfige Gremium ziemlich neu zusammengewürfelt – Schardt vereidigte 15 neue Gemeinderatsmitglieder. Bei der AfD wurde Alexander Munz als Nachrücker bestellt, weil der gewählte Thomas Budweiser das Amt aus persönlichen Gründen niedergelegt und auch seine Listennachfolgerin Astrid Gerstlberger abgelehnt hatte.

Ottobrunns neuer Bürgermeister Florian Schardt bei der Vereidigung der neuen Gemeinderäte.
Ottobrunns neuer Bürgermeister Florian Schardt bei der Vereidigung der neuen Gemeinderäte.
Claus Schunk

Das neue kollegiale Miteinander, das auch in der vorherigen Wahlperiode gepflegt wurde, manifestierte sich bei der Wahl der weiteren Bürgermeister. So hat der neue Gemeinderat mit 23 Ja-Stimmen Michael Senft von den Grünen zum Vize-Rathauschef gewählt. Mit sechs Sitzen ist die Partei drittstärkste Kraft. Fraktionsvorsitzender Leon Matella (Grüne) hatte den Schreinermeister vorgeschlagen, dessen Devise sei „Machen, nicht Quatschen“. Die langjährige Gemeinderätin Susanne Vordermaier von der CSU wurde mit 26 Ja-Stimmen zur Dritten Bürgermeisterin gewählt. Fraktionschef Florian Keil hatte sie als jemanden beworben, die die Fähigkeit hat, Menschen zusammenzuführen. Er sagte aber auch, dass Vordermaier ihre Wunschkandidatin für das Amt der Zweiten Bürgermeisterin gewesen sei. Die CSU ist mit elf Sitzen vor der SPD mit sieben Sitzen die stärkste Kraft im Gremium. Vordermaier freute sich so oder so: „Ich glaube, wir sind ein super Team“, sagte sie zu ihren beiden Bürgermeisterkollegen.

Kleine Gruppierungen wurden eingebunden

Zur Besetzung der Fachausschüsse erklärte Bürgermeister Schardt auch für die vielen Zuhörer, dass sie möglichst ein Spiegelbild des Gemeinderats sein sollten. „Ich bin außerordentlich erfreut, wie hier die Gespräche unter den Fraktionen gelaufen sind“, sagte er. Denn man habe sich verständigt, auch die kleinen Gruppierungen einzubinden. So wählte das Gremium dann auch. So hat die CSU etwa im Bauausschuss einen Sitz an den einen FDP-Vertreter Benedikt Muschong abgegeben. Die Grünen haben im Haupt- und Kulturausschuss Theresa Rothfuß (Linke) einen Sitz abgetreten. Den Rechnungsprüfungsausschuss hätte sich die AfD-Fraktion mit sechs statt nun beschlossenen vier Sitzen gewünscht. Dann hätte sie auch einen Sitz darin gehabt. Ein entsprechender Antrag wurde aber gegen ihre zwei Stimmen abgelehnt. Schardt plädierte unter anderem für die vier Sitze, um das Gremium klein und effizient zu halten.

Die Referentenposten sind derweil im Wesentlichen auf die drei stärksten Fraktionen SPD, Grüne und CSU aufgeteilt, mit der Besonderheit, dass es gleich drei Finanzreferenten gibt. Erika Aulenbach von der Bürgervereinigung Ottobrunn indes wurde als Seniorenreferentin bestellt. Das Amt hatte sie auch bisher schon inne.

Wie sich die Mehrheitsverhältnisse gestalten, wird sich zeigen. SPD, Grüne und Linke haben zusammen 14 Sitze, CSU und FDP gemeinsam zwölf. Zünglein an der Waage könnten die BVO und die AfD mit ihren je zwei Stimmen werden.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Kontrapunkt zu Trump, Putin und XI
:„Die Zukunft der Welt wird im Münchner Umland entschieden“

Satjiv Chahil, der einst mit Steve Jobs Apple aufbaute, hat Großes vor:  Ein neues Technologie-Zentrum im Herzen Europas soll die Fehler des Silicon Valley korrigieren und zum globalen Hoffnungsträger der Demokratie werden. Wie das gelingen könnte und wer davon profitieren würde.

SZ PlusVon Claudia Koestler

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: