KatastrophenschutzFeuerwehrkommandant befürchtet Sicherheitsrisiken

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Der Ottobrunner Feuerwehr-Kommandant Eduard Klas vor den Oldtimern, dem Wechsellader (links) und dem Löschgruppenfahrzeug, die zu ersetzen wären.
Der Ottobrunner Feuerwehr-Kommandant Eduard Klas vor den Oldtimern, dem Wechsellader (links) und dem Löschgruppenfahrzeug, die zu ersetzen wären. (Foto: Claus Schunk)
  • Ottobrunn verschiebt wegen der angespannten Haushaltslage die geplante Ersatzbeschaffung zweier Feuerwehrfahrzeuge auf unbestimmte Zeit.
  • Feuerwehr-Kommandant Eduard Klas warnt vor Sicherheitsrisiken, da beide Fahrzeuge ihre maximale Lebensdauer von 25 Jahren erreicht haben.
  • Bürgermeister Thomas Loderer betont, die Sicherheit sei nicht gefährdet, da Ottobrunn weiterhin zu den bestausgerüsteten Feuerwehren im Landkreis gehöre.
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Ottobrunn muss sparen und verzichtet langfristig auf den Kauf zweier neuer Fahrzeuge für die Feuerwehr. Deren Chef Eduard Klas kritisiert Bürgermeister Loderer und den Gemeinderat für diese Entscheidung scharf.

Von Daniela Bode, Ottobrunn

Einen Brand in einer Tiefgarage löschen, dem Rettungsdienst Zugang zu einer kranken Person verschaffen, bei einem Unwetter Wasser abpumpen: Das Aufgabenspektrum der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn ist groß, um Menschen in Not zu helfen. Dafür braucht es freilich die geeigneten Fahrzeuge. Ob diese in den nächsten Jahren ausreichend in passablem Zustand zur Verfügung stehen werden, ist in der Gemeinde gerade fraglich. Wegen der äußerst angespannten Haushaltslage hat der Gemeinderat vor Weihnachten die geplante Ersatzbeschaffung eines Wechsellader-Fahrzeugs und eines Löschgruppenfahrzeugs auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Wie steht es um eine Kommune, wenn sogar beim Notwendigsten gespart werden muss? Steht vielleicht die Sicherheit der Bevölkerung auf dem Spiel? Verlieren gar die Ehrenamtlichen ihre Motivation?

Die Gemeinde Ottobrunn musste schon immer sparsam mit ihrem Geld umgehen. Doch jetzt ist die Lage aus mehreren Gründen besonders kritisch. Die Gewerbesteuereinnahmen lagen 2025 mit 13,9  um knapp vier Millionen Euro unter dem Ansatz von 17,5 Millionen Euro. Für 2026 plant die Gemeinde sogar nur noch mit 12 Millionen Euro für diesen Posten. Zugleich ist aber die Belastung durch die Kreisumlage stark gestiegen: Diese liegt 2026 bei mehr als 20 Millionen Euro und damit um acht Millionen über den Gewerbesteuereinnahmen.

„Eine im Landkreis einmalige Situation“, sagt Bürgermeister Thomas Loderer (CSU). Um das zu finanzieren, muss die Kommune im laufenden Jahr 7,4 Millionen Euro vom Vermögenshaushalt dem Verwaltungshaushalt zuführen, um diesen auszugleichen. Die Rücklagen werden bis Ende 2026 auf voraussichtlich 1,2 Millionen Euro abgeschmolzen sein. Angesichts der „aktuellen strukturellen wirtschaftlichen Verwerfungen“ sieht Loderer auch keine kurzfristige Erholung bei den Steuereinnahmen. Er spricht sogar von einer „ernstlichen Gefährdung der dauerhaften Leistungsfähigkeit der Gemeinde“. Einen Hauptgrund für die schwierige Lage sieht Loderer im kleinen Gemeindegebiet – dem kleinsten im Landkreis –, in dem Flächen für die Ansiedlung von Gewerbe fehlen.

Wechsellader und Löschgruppenfahrzeug weder wie zunächst geplant 2025 und 2026 neu anzuschaffen und sie nicht in die mittelfristige Finanzplanung bis 2029 aufzunehmen, sieht Kommandant Eduard Klas kritisch. Und das, obwohl ihm die finanzielle Situation bewusst ist. Laut Klas liegt nach Empfehlungen die maximale Lebensdauer für solche Großfahrzeuge bei 25 Jahren. Diese haben beide erreicht beziehungsweise sogar überschritten. „Wir hätten sie 2025 und 2026 ersatzbeschafft“, sagt er. Das Geld für das Wechsellader-Fahrzeug sei schon im Haushalt 2025 eingeplant, auch ein Zuschuss der Regierung von Oberbayern zugesagt gewesen. Beim Löschgruppenfahrzeug geht es um eine Summe von 800 000, beim Wechsellader um 650 000 Euro.

Klas sorgt sich auch, dass mögliche Zuschüsse im Bereich des Bevölkerungs- und Katastrophenschutzes ausbleiben könnten, die Teil der Sondermillionen der Bundesregierung sind. „Es könnte ja heißen, wir haben die Ersatzbeschaffung noch nicht einmal im Haushalt stehen“, sagt der Kommandant.

Falls ein Fahrzeug ausfiele, müsste die Gemeinde eines mieten und dafür zahlen

Auch mit Blick auf die Sicherheit findet Klas die Entscheidung bedenklich. Zwar habe die Ottobrunner Feuerwehr einen großen Fuhrpark mit zehn Großfahrzeugen mit verschiedenen Funktionen, was entsprechend der Zahl von etwa 1000 Einsätzen im Jahr angemessen sei. „Wenn von den Fahrzeugen nur eines ausfällt oder ein Ersatzteil nötig ist, wie zum Beispiel ein Getriebe, könnte das ein Problem sein, weil es nicht beschafft werden kann“, sagt er. Auch der Bau eines solchen Fahrzeugs dauere, etwa zwölf bis 18 Monate setzt er dafür an. Noch dazu gebe es immer wieder Doppeleinsätze, etwa bei einem Unwetter und einem gleichzeitigen Unfall auf der Autobahn. Wenn dann ein Fahrzeug ausfiele, „wäre die Sicherheit in Gefahr. Dann müssten wir ein Auto mieten und die Gemeinde müsste es zahlen“, sagt er. Eine Dauerlösung sieht er darin aber nicht. „Es wäre viel besser und sicherer, wenn man die Fahrzeuge ersatzbeschaffen würde“, sagt er.

Bürgermeister Loderer sorgt sich in puncto Schutz der Bevölkerung nicht. „Die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger ist durch das Zurückstellen der Ersatzbeschaffungen nicht in Gefahr. Die Feuerwehr Ottobrunn gehört weiterhin zu den am besten ausgestatteten Feuerwehren im Landkreis“, betont er. Auch werde nicht an der Schutzausrüstung für die Ehrenamtlichen gespart. Die Worte des Bürgermeisters zeigen aber schon, wie sehr dem Gremium angesichts der finanziellen Lage die Hände gebunden sind: Zu dem gefassten Beschluss habe es „keine politisch verantwortbare Alternative“ gegeben. Der Rathauschef setzt darauf, wie er im Gemeinderat signalisiert hatte, dass bei Bedarf kreative Lösungen gefunden werden. Er traue den Feuerwehrlern zu, bei eventuellen Ersatzteilproblemen Lösungen zu finden. Auch zählt er darauf, dass sich in dem dicht besiedelten Gebiet die Nachbarfeuerwehren leichter aushelfen könnten.

Bürgermeister Thomas Loderer ist der Ansicht, dass die Ottobrunner Feuerwehr zu den bestausgerüsteten im Landkreis München gehört.
Bürgermeister Thomas Loderer ist der Ansicht, dass die Ottobrunner Feuerwehr zu den bestausgerüsteten im Landkreis München gehört. (Foto: Claus Schunk)

Letzteres überzeugt Klas nicht. „Brandschutz ist eine Pflichtaufgabe der Gemeinde. Da können wir uns nicht auf dem ausruhen, was wir haben und sagen, wir haben ja noch Feuerwehren außenrum“, sagt er. Ohnehin hält er die Entscheidung für völlig unangebracht: „Wir haben den Krieg in der Ukraine, den Klimawandel mit Unwetterlagen, die Energiewende – in so einer Zeit die Gemeinde unsicher ausgestattet zu lassen, ist ein No-Go“, sagt er. Auch der Anschlag in Berlin auf das Stromnetz habe gezeigt, welche Herausforderungen auf die Feuerwehren zukämen. Loderer sieht derweil auch andere in der Pflicht. „Sicherheit und Bevölkerungsschutz sind komplexe Herausforderungen, für die es neue Konzepte braucht, aber auch überörtlich“, sagt er.

Wenn die Lage so angespannt ist wie in Ottobrunn, werden die Einsparungen zwangsläufig stärker hinterfragt. Zuletzt hatte die Gemeinde aus finanziellen Gründen schon den Neubau der Grundschule an der Friedenstraße gestoppt, nun spart sie bei der Feuerwehr. „Es ist auffällig, wenn sonst alles weitergeht, dass da so harte Maßnahmen getroffen werden“, sagt Klas.

Die Motivation der Ehrenamtlichen sieht Klas durch den Sparkurs nicht gefährdet

Bürgermeister Loderer verteidigt diese Linie damit, dass die Fahrzeugbeschaffungen bei der Feuerwehr zu den wenigen verbliebenen Posten im Verwaltungshaushalt gehören, bei denen noch gespart werden kann. Die laufenden Feuerwehrausgaben von mehr als 1,1 Millionen Euro würden auch 2026 nicht angetastet. Überhaupt sieht er keine weiteren Einsparmöglichkeiten – außer man wollte bei den „beliebten Ottobrunner Einrichtungen für Bildung, Sport und Kultur“ kürzen. Dagegen würde er sich aber „mit aller Kraft wehren“.

Neben der Diskussion darum, was notwendig und sicherheitsrelevant ist, stellt sich die Frage, ob die zurückgefahrene finanzielle Unterstützung die Motivation der ehrenamtlichen Feuerwehrmitglieder beeinträchtigt. „Nein, wir leisten ja unseren Einsatz für die Bevölkerung in Not. Wir würden selbst mit der Schubkarre rausfahren“, sagt Klas ohne Umschweife. Dass aber überall davon gesprochen wird, dass die Feuerwehren gestärkt werden müssten und bei ihnen eine Ersatzbeschaffung nicht einmal innerhalb der nächsten fünf Jahre eingeplant werde, sorge natürlich für Unmut.

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