Wirtschaft im Landkreis MünchenAmerikaner steigen bei Ottobrunner Raketenbauer ein

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Im März fand in Nordmela auf der Insel Andøya in Norwegen der erste Test der Trägerrakete von Isar Aerospace statt. Viele weitere Starts sollen folgen, auch dank eines 150 Millionen Euro Darlehens des amerikanischen Unternehmensinvestors Eldridge Industries.
Im März fand in Nordmela auf der Insel Andøya in Norwegen der erste Test der Trägerrakete von Isar Aerospace statt. Viele weitere Starts sollen folgen, auch dank eines 150 Millionen Euro Darlehens des amerikanischen Unternehmensinvestors Eldridge Industries. AP/AP

Das Unternehmen Isar Aerospace akquiriert vor dem Umzug nach Parsdorf 150 Millionen Euro vom Technologie-Investor Eldridge Industries aus Florida.

Von Wieland Bögel, Ottobrunn/Vaterstetten

Der Raketenbauer Isar Aerospace mit Sitz in Ottobrunn bekommt 150 Millionen Euro vom Technologie-Investor Eldridge Industries mit Sitz in Miami, Florida. Dies teilte Isar Aerospace nun mit. Die Beteiligung der Amerikaner ist wichtig für die Umzugspläne der Raumfahrt-Firma ins Gewerbegebiet Parsdorf in der Gemeinde Vaterstetten.

Wie es in der Mitteilung von Isar Aerospace weiter heißt, fließt das Geld in Form einer sogenannten Wandelanleihe. Das bedeutet, die 150 Millionen sind zunächst ein normales Darlehen, für welches Zinsen fließen. Der Geldgeber kann sich die Summe zurückzahlen lassen oder sie binnen einer festgelegten Zeit in eine ebenfalls vorher festgelegte Zahl von Aktien umwandeln. In dem Fall würde Eldridge Teilhaber bei Isar Aerospace. Die Firma entwickelt und baut Trägerraketen für den Transport von kleinen und mittleren Satelliten, erst im März wurde das jüngste Raketenmodell getestet, wenn auch nicht vollständig erfolgreich.

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Laut Isar Aerospace seien für die Beteiligung beziehungsweise das Darlehen der Amerikaner „alle erforderlichen behördlichen Genehmigungen“ erteilt worden und weiter: „Die Investition soll Isar Aerospace dabei unterstützen, das Angebot an flexiblen und kosteneffizienten Startdiensten für Kunden weltweit zu erweitern und gleichzeitig den souveränen Zugang Europas zum Weltraum zu stärken.“ Daniel Metzler, CEO und Mitgründer von Isar Aerospace sagt: „Wir bedienen die weltweit steigende Nachfrage nach Satellitenstarts und bieten Märkten und Regierungen einen unabhängigen und flexiblen Zugang zum Weltraum. Diese Investition bestätigt das starke Vertrauen der globalen Märkte in unsere Bemühungen, einen neuen führenden Anbieter im Raumfahrtsektor aufzubauen.“

Bereits vor etwa einem Jahr konnten sich die Ottobrunner Raketenbauer über einen Zuschuss freuen, damals gab die Firma bekannt, dass man für die Finanzierung der Raketen der Serie C eine Finanzspritze aus dem „Innovation Fund“ der Nato bekommen habe. Wie hoch der ausfiel, wurde zwar nicht mitgeteilt, aber insgesamt habe man damals für die Serie C 220 Millionen Euro an Investorengeldern eingesammelt, davon 65 allein im Jahr 2024. Das Handelsblatt bescheinigte den Ottobrunnern kürzlich, das bestfinanzierte Space-Tech-Unternehmen Europas zu sein. Was zeigt, dass große Geldgeber durchaus in eine hochfliegende Zukunft der Firma vertrauen.

So wie nun offenbar der Unternehmensinvestor Eldridge Industries aus Florida. Wofür das Geld der Amerikaner konkret verwendet werden wird, teilt Isar Aerospace gleich mit: Die „Mittel sollen für Ausbau der Startkapazitäten und Serienfertigung nahe München eingesetzt werden“. Letztere soll vom kommenden Jahr an nicht mehr in Ottobrunn, sondern in Parsdorf stattfinden. Im dortigen Gewerbegebiet hat sich Isar Aerospace bereits im Mai vergangenen Jahres ein Grundstück gesichert, im Juli wurde die Baugenehmigung erteilt.

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Die Raketenbaufirma aus Ottobrunn verlegt ihren Sitz in den Landkreis Ebersberg. Im dortigen Gewerbegebiet Parsdorf soll auch die Produktion von Trägerraketen massiv ausgebaut werden. Andere Gemeinden wie Taufkirchen, die sich Hoffnungen auf den Standort gemacht hatten, gehen damit leer aus.

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Gebaut werden sollen in dem Gewerbegebiet an der A94, wo sich bereits der Maschinenbauer Krauss-Maffei und ein Batterieforschungszentrum von BMW angesiedelt haben, sowohl die neue Produktionsstätte als auch der Hauptsitz von Isar Aerospace. Grund für den Umzug ist laut der Firma vor allem der steigende Platzbedarf. Aktuell gibt das 2018 gegründete Unternehmen die Zahl seiner Mitarbeiter mit etwa 400 an, im Bauantrag für den Standort Parsdorf sind es schon 500 Beschäftigte.

Während sich die Firma in Ottobrunn noch auf 8000 Quadratmeter in über die Jahre nach und nach angemieteten Hallen beschränken muss, wird es in Parsdorf gut fünfmal so viel Platz geben. Der Betreiber des dortigen Gewerbegebietes, die VGP-Group, wird dem Raketenbauer eine eigens auf seine Bedürfnisse zugeschnittene Immobilie mit 40 000 Quadratmetern Nutzfläche errichten.

Damit will man bei der Produktion in Parsdorf ganz neue Dimensionen erreichen. Nach eigenen Angaben plant Isar Aerospace am neuen Standort den Bau von bis zu 40 Trägersystemen pro Jahr.

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