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Ottobrunn:Im verlassenen Elternhaus

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Einsamer Stuhl auf fast leerem Balkon. Das Bild ist in der Ausstellung "Mein Elternhaus" zu sehen.

(Foto: Jörg Egerer)

Jörg Egerer zeigt sehr persönliche Fotowerke in Ottobrunn

Für seine erste Ausstellung im neuen Jahr und nach langer Zwangspause wartet der Kunstverein Ottobrunn gleich mit einer bewegenden Werkschau auf: Zu sehen ist die Fotoserie "Mein Elternhaus" - ein persönliches Fotoprojekt des Kunstvereinsmitglieds Jörg Egerer aus Markt Schwaben. "Sie entstand zwischen September und November 2020, wenige Monate nach dem Auszug meines Vaters in ein Pflegeheim" schreibt Egerer in der Ankündigung. "Abgesehen von einigen wenigen Kleidungsstücken, einem Fernsehgerät und einem Wandbild, hinterließ er alle persönlichen Gegenstände im Haus." Die Bilder zeigen den Zustand von Egerers Elternhaus zwischen dem Auszug und der kompletten Räumung. Eine Rückkehr gab es nicht. "Mein Vater starb nach Fertigstellung der Serie am 23. Dezember 2020 im Pflegeheim an Corona", so Egerer.

Die Ausstellung in der Galerie "Treffpunkt Kunst" wird diesen Samstag, 27. März, eröffnet, bleibt dann aber über die Karwoche und Osterfeiertage geschlossen. Eva Hoffmann, erste Vorsitzende des Kunstvereins hofft, dass es möglich sein wird, die Bilder im weiteren Verlauf des April zu zeigen, die ursprünglich auf den 10. April terminierte Vernissage ist abgesagt worden. Für den Besuch ist eine Anmeldung erforderlich, die Galerie in Ottobrunn ist ja kleinräumig. Hoffmann freut sich gleichwohl auf die Resonanz: "Er ist ein sehr talentierter Fotograf" schwärmt sie von Egerer, "und es ist eine sehr interessante Ausstellung, nicht nur weil das Thema so aktuell ist."

Die Bilder sind zwischen September und November 2020 entstanden, wenige Monate nach Auszug von Egerers Vater in ein Pflegeheim. Insgesamt vier Mal suchte der Fotograf das Haus in der Nähe von Mannheim auf. "Die Zeit, die ich während des Projektes im verlassenen Haus verbrachte, versetzte mich in ein Wechselbad der Gefühle, zumal ich während dieser Zeit auch immer meinen Vater besuchte. Die ersten Tage schaffte ich nicht zu fotografieren, so stark kamen meine Erinnerungen hoch", so Egerer. "Es ist schwer in so einer Situation für eine Ausstellung zu fotografieren. Besonders wichtig war mir, den privaten Bereich meines Vaters zu wahren, andererseits dem Betrachter einen Einblick zu geben in eine Zeit, die wohl jeder von uns erleben wird".

Egerer wird am Samstag anwesend sein, vom 10. April an bietet er persönliche Führungen zu den Öffnungszeiten an, donnerstags und freitags 15 bis 18 Uhr, samstags 10 bis 13 Uhr. Interessierte können mit ihm unter 0172/6030453 einen Termin vereinbaren. Infos unter www.kunstverein-ottobrunn.de.

© SZ vom 27.03.2021 / wat
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