Ottobrunn Honig plus Wodka gleich Bärenwasser

Thomas Kolodziej ist mit Bienen aufgewachsen.

(Foto: Claus Schunk)

Thomas Kolodziej ist Koch, Imker und Likörhersteller. Momentan sammelt er Geld, um seine Produktion auszuweiten.

Von Christina Hertel, Ottobrunn

Thomas Kolodziej ist ein großer Mann, aber er bewegt sich flink, fast ein bisschen hektisch. Zack, Eiswürfel ins Glas. Und Brett her - zum Zitrone Schneiden. Die Schale trennt er hauchdünn ab. Über Eis und Zitronenschale lässt Kolodziej eine hellbraune, fast goldene Flüssigkeit laufen. Dann noch ein Strohhalm rein, fertig.

Kolodziej guckt ein bisschen stolz. An dem, was da auf dem Tisch steht, hat er wochenlang gearbeitet. Bärenwasser nennt er das Getränk. Ein 30-prozentiger Honiglikör, hergestellt in Kolodziejs Küche in Ottobrunn. Weil er gerne mehr davon produzieren würde, und vor allem professioneller, hat Kolodziej vor kurzem eine Crowdfunding-Kampagne im Internet gestartet. Noch bis zum 22. September können ihn Menschen dort finanziell unterstützen.

Der Kontakt mit Bienen und Honig liegt in Kolodziejs Familie

Kolodziej ist gelernter Koch. In seinem Beruf muss es immer schnell gehen. Und das hat vielleicht auch ein bisschen auf ihn abgefärbt. Er redet schnell, er bewegt sich schnell, er geht schnell. Aber an einem Ort kommt er zu Ruhe: zwischen Feldern und Gestrüpp, da wo seine Bienenstöcke stehen. Langsam hebt er den Deckel, ebenso langsam zieht er einen Rahmen heraus. "Schau, da schlüpft eine Biene", sagt er und man merkt, wie fasziniert er von diesem kleinen Naturschauspiel ist. Vor etwa sechs Jahren begann Kolodziej zu imkern. Auch sein Vater und sein Großvater hatten Bienen, aber nicht in München, sondern in Schlesien in Polen, der Heimat der Familie.

Thomas Kolodziej ist mit Bienen aufgewachsen.

(Foto: Claus Schunk)

Mit sieben Jahren ist Kolodziej nach Deutschland gekommen, aber wenn man ihn fragt, wo seine Heimat ist, weiß er nicht genau, was er sagen soll. An seine Zeit in Schlesien denkt er gerne und die meisten Erinnerungen hängen mit Bienen zusammen. Die Mutter drückte ihm eine Zwiebelhälfte oder Zuckerstücke auf die Haut, wenn er gestochen wurde. Der Bruder stocherte mal mit einem Stock in einem Bienenkasten herum, am Ende war sein ganzer Körper voller roter Beulen. Kolodziej erzählt das und man merkt: Sein Hobby hat auch etwas mit Nostalgie zu tun. Aber nicht nur.

Sein Hobby ist auch ein Einsatz gegen das Bienensterben

Kolodziej sah im Fernsehen eine Dokumentation über das Bienensterben. Er sah, dass es ohne Bienen nicht nur keinen Honig mehr gäbe, sondern auch kein Obst und Gemüse. "Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben, hat Albert Einstein ja mal gesagt - und das ist wirklich so", meint Kolodziej. Ihn hat das alles so sehr erschreckt, dass er einen Kurs im Imkerverein besuchte und sich selbst Bienenvölker zulegte - mit der Zeit wurden es immer mehr, inzwischen hat er sieben Stück.

Sieben Völker betreut er aktuell, doch das reicht nicht für die Nachfrage.

(Foto: Claus Schunk)

Doch nicht nur Bienenstiche kennt Kolodziej von Klein auf, sondern auch den Honig - und was man mit ihm alles anstellen kann. "Zu allen Festen stand bei uns zu Hause das Bärenwasser auf dem Tisch", sagt er und grinst ein bisschen - mit Bärenwasser muss es wohl immer recht lustig zugegangen sein. Als er dann selbst mit dem Imkern begann, fragten die Verwandten gleich nach dem Likör - und Kolodziej lieferte.

Die Herstellung klingt einfach, ist aber aufwendig. Der Honig wird in Wodka eingelegt, dazukommen Zitronen, Nelken, Zimt und noch ein paar weitere Zutaten, die Kolodziej nicht verraten will. Sechs bis acht Wochen muss das Gemisch durchziehen. Damit sich der Honig auflöst, muss es Kolodziej jeden Tag gut durchrühren.

Die Nachfrage nach "Bärenwasser" ist groß

500 bis 1000 Liter kann er momentan davon jedes Jahr produzieren. Aber er würde gerne mehr schaffen - denn die Nachfrage ist groß. Dafür braucht er vor allem noch mehr Bienenstöcke, doppelt so viele wie jetzt, also insgesamt 14, hätte Kolodziej gerne. Und er würde gerne eine Lagerhalle mieten, wo er sein Bärenwasser herstellen kann. Momentan macht er das in seiner eigenen Küche in drei kleinen Plastiktanks - er hätte gerne einen großen aus Edelstahl. Das Ziel ist es, für die ganzen Anschaffungen mindestens 10 000 Euro zu sammeln.

Falls er diese Summe im angestrebten Zeitraum nicht erreichen kann, bekommen die Unterstützer ihr Geld zurück. Und Kolodziej? "Ich mache trotzdem weiter." Denn er hat einen Traum: eines Tages würde er gerne vom Bärenwasser leben können.

Unter www.startnext.com/baerenwasser kann man Thomas Kolodziej unterstützen. Wer vorher sein Bärenwasser probieren, möchte kann das am Samstag, 3. September, von 21 Uhr an im Murphy's in Ottobrunn an der Putzbrunner Straße 26. Da veranstaltet der Koch ein kostenloses Tasting.