bedeckt München 11°

Ottobrunn:Haltestellen bleiben ohne digitale Anzeige

Bürgermeister Thomas Loderer findet, Fahrzeitenanzeiger bringen wenig Mehrwert und sind teuer.

(Foto: Claus Schunk)

Ottobrunn verzichtet wegen der hohen Kosten auf Technik, die die An- und Abfahrt von Bussen in Echtzeit angibt

Von Daniela BOde, Ottobrunn

Während andere Gemeinden im Landkreis München digitale Anzeigen der Abfahrtszeiten an Bushaltestellen einführen wollen, halten zahlreiche Ottobrunner Gemeinderäte samt Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) nicht viel davon. Der Planungsausschuss hat es mehrheitlich abgelehnt, solche Anlagen anzubringen, die anzeigen, wann der Bus kommt und abfährt. Das Hauptargument war: "Die Kosten stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen", sagte der Bürgermeister.

Der Landkreis München hat im November 2018 beschlossen, ein dynamisches Fahrgastinformationssystem einzurichten. Teil davon ist es, ÖPNV-Haltestellen mit Tafeln auszustatten, die anzeigen, wann der Bus in Echtzeit ankommt und abfährt. Dabei wurden den Gemeinden Standorte vorgeschlagen. Für Ottobrunn gab es eine Empfehlung für zwölf Haltestellen. Bürgermeister Loderer betonte im Planungsausschuss, nachdem die Verwaltung sich konkret mit dem Thema auseinandergesetzt habe, er sehe mit Blick auf die Kosten keine Notwendigkeit, dabei in großem Stil mitzumachen. Wie die Verwaltung berechnet hat, würden die Gemeinde abzüglich von Zuschüssen etwa Investitionskosten von 218 000 und bis zu 254 000 Euro treffen. Zudem fielen nach der Berechnung jährliche Betriebskosten von 45 000 Euro an.

Einige Gemeinderäte befürworteten die Anzeigetafeln dennoch. Jean Marcel Prasser (ÖDP) berichtete, dass er sich vor kurzem bei seinem Umsteigepunkt in der Hubertusstraße in der Situation befand, in der er nicht wusste, ob sein Anschlussbus schon weggefahren war oder noch kommen würde. Über das Internet habe er das nicht eruieren können. Doris Popp (Grüne) plädierte für die Echtzeitanzeigen, weil sie einen Komfort böten, den Ottobrunn als eine Gemeinde, die sich High-Tech-Gemeinde nennt, ihrer Ansicht nach haben sollte. Man könne sich ja auf sechs Stationen mit Anzeigen beschränken.

Die Verwaltung und Bürgermeister Loderer indes verwiesen mehrmals auf die MVG-App, über die man digital alle relevanten Informationen abrufen könne. Wie Loderer sagte, zeige diese auch, ob ein Bus zu spät komme. Er berichtete, er habe selbst bei einer Fahrt schnell eine Alternativroute gebraucht und diese über die App innerhalb von einer halben Minute parat gehabt. Auch der Einwand von unter anderem Sabine Athen (SPD), dass ältere Menschen oft kein Handy nutzten und damit auch nicht die App, stimmte ihn nicht um. Loderer meinte, er wisse von vielen Älteren, dass sie feste Routen führen. Das Argument mit den Älteren überzeuge ihn nicht. "Der Ausgabe steht kein Mehrwert gegenüber, der die Höhe rechtfertigt", sagte er. Er würde das Geld viel lieber in den barrierefreien Umbau von Bushaltestellen stecken. Das Gremium folgte dem Vorschlag der Verwaltung, das System nicht einzuführen. Das Thema wird im Gemeinderat am 22. Juli behandelt.

© SZ vom 16.07.2020

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite