Leopold Vogel schaltet den kastenförmigen Roboter aus roten Lego-Steinen an und los geht's. Er fährt über das Spielfeld, das einer Landkarte mit antiken Stätten ähnelt, sammelt mit Hilfe eines bestimmten Aufsatzes an einer Station graue Blöcke ein und bringt sie an eine andere Stelle. Das alles geht ziemlich schnell, alles funktioniert reibungslos. Am Ende dieses Laufes resümiert Valentin Ziebahl, neben Leopold ein weiterer Mitstreiter des siebenköpfigen Robotik-Teams „Here we go“ am Gymnasium Ottobrunn: „Jetzt haben wir gerade alle Aufgaben gelöst. Das wäre volle Punktzahl.“
Eigentlich kein Wunder, hat das Team aus Acht- und Neuntklässlern das doch schon oft geschafft und einige Jurys überzeugt. Das ist auch der Grund, warum sich die Gruppe nun für das Weltfinale des internationalen Robotik-Wettbewerbs „First Lego League“ in Südkorea im Juli qualifiziert hat. Um die privaten Kosten für die Reise abzufedern, sammeln sie gerade Spenden.
Als die 13- bis 15-Jährigen vom Programmieren, Forschen und dem gemeinsamen Arbeiten erzählen, ist ihnen anzumerken, wie begeistert sie von Robotik im Speziellen und MINT – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – im Allgemeinen sind. Denn all diese Bereiche vereint der Wettbewerb: Zu einem jährlich wechselnden Thema ist eine Forschungsfrage zu erstellen und eine innovative Lösung zu finden. Außerdem muss ein Roboter entwickelt und programmiert werden, der autonom anspruchsvolle Aufgaben löst. Punkte gibt es zudem für die Strategie und die Zusammenarbeit als Team.

In diesem Jahr lautete das Thema „unearthed“, also ausgegraben. „Ziel der Forschungsaufgabe war es, den Archäologen die Arbeit zu erleichtern“, sagt Leopold. Das Team erfuhr in Gesprächen mit Experten, dass unter anderem das Einpacken der Artefakte sehr zeitaufwendig und und beim Transport größte Vorsicht geboten ist, damit nichts beschädigt wird.. Die Lösung der Schüler: „Wir haben eine Transportbox entwickelt, die gefedert ist“, erzählt Federico Cadeggianini. Und das ist nicht alles, was die graue Truhe kann. Über einen Chip an der Seite lässt sich beispielsweise auslesen, welches Artefakt sich in der Box befindet – ganz ohne sie öffnen zu müssen.
Raffiniert und innovativ
Ähnlich raffiniert und innovativ sind die Lösungen der schlauen Köpfe für den autonom fahrenden Roboter. Ihren sogenannten Base-Roboter haben sie oben mit Zahnrädern ausgestattet, an denen sich verschiedene Aufbauten befestigen lassen, um die jeweiligen Aufgaben zu erfüllen. Beispielsweise sind an den verschiedenen Stationen Teile umzuklappen oder Objekte einzusammeln. Wie Donghyun Kim erzählt, haben sie die Werte in der Programmierung so angepasst, „dass es auch bei kleinen Abweichungen funktioniert“. Maximal gibt es 545 Punkte für alles.
„Sie sind das einzige Team im deutschsprachigen Raum, das mehrmals bei Wettbewerben die volle Punktzahl geschafft hat“, sagt Informatikstudent Lucas Welscher, der die Gruppe an der Schule betreut. Punkte gibt es auch für die ausgeklügelte Strategie, die die Schüler ausgetüftelt haben und präsentieren müssen: In einer Präsentation erklären sie, was ihren Roboter besonders und innovativ macht. Die Teamarbeit nimmt die Jury ebenfalls unter die Lupe und bewertet sie.

Jeder im Team bringt seine Fähigkeiten ein und ist für einen bestimmten Bereich zuständig. Während sich Leopold, Valentin und Federico vor allem um die Forschung kümmerten, waren Donghyun und Lukas Lin für das Programmieren verantwortlich. Taisia Fröhlich erstellte zudem 3D‑Modelle für die Präsentationen. Eine große Begeisterung für Technik, Innovation und diesen Wettbewerb bringen sie alle mit.
Programmierer seit der Kindheit
Khushi Nemade und Federico erzählen, dass sie schon als Kinder mit dem Programmieren begonnen haben. Valentin gefiel besonders, etwas zu entwickeln und mit Experten im Austausch zu stehen. Auch dass der Zusammenhalt im Team gefördert wird, finden sie gut. „Man lernt etwas fürs Leben, ich würde es jedem empfehlen“, sagt Leopold. Auf die Frage, was sie später einmal machen wollen, sind sich alle einig: Irgendetwas im MINT‑Bereich. Bei ihnen hat der Wettbewerb sein Ziel – Talente zu wecken und Interessen für MINT zu fördern – in jedem Fall erreicht.
Dass sie nun nach Südkorea reisen und sich dort mit den besten Robotik‑Teams der Welt messen dürfen, finden die sieben Jugendlichen großartig. Das Team – immer wieder in leicht veränderter Zusammensetzung – nimmt zum dritten Mal an dem Wettbewerb teil, ist aber noch nie so weit gekommen. „Wir haben uns riesig gefreut, dass sich unsere Arbeit ausgezahlt hat“, sagt Leopold. Viele Nachmittage verbrachten sie gemeinsam, tüftelten, experimentierten und tauschten sich aus. Nach dem Sieg beim Regionalwettbewerb München gewannen sie das Qualifikationsfinale in Heidelberg - und zwar in allen Kategorien. Vor Südkorea steht im April die Begegnung der Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in Leipzig an.
Dass mit Leopold und seinen Mitstreitern erneut ein Team der Schule so weit gekommen ist, hat dort fast schon Tradition. Bereits im vergangenem Jahr reiste ein Team vom Gymnasium zum Weltfinale nach Sydney. Insgesamt hat Robotik an der Schule einen hohen Stellenwert: Schon in der Unterstufe wird das Fach als Wahlangebot unterrichtet. Fast alle aus Leopolds Team haben damals bereits damit begonnen.
In Südkorea planen die sieben Tüftler, neben vier Wettkampftagen auch ein wenig vom Land zu sehen – etwa die Hauptstadt Seoul, denn das Turnier findet an einem anderen Ort statt. Um die Reise nicht vollständig privat finanzieren zu müssen, hoffen sie auf weitere Spenden, unter anderem für die Teamtrikots fürs Weltfinale. Aktuell sind rund 3000 Euro zusammengekommen, etwa 10 000 Euro sollen es insgesamt werden. Spenden sind über die Crowdfunding‑Plattform „GoFundMe“ sowie über den Förderverein des Gymnasiums möglich, Informationen dazu erteilt Lisa Vogel (E-Mail: lisa.vogel@honores-gmbh.de). „Wenn wir dann in Südkorea gewinnen würden, ginge für uns ein Traum in Erfüllung“, sagt Leopold.

