Was in ein paar Jahren zwischen Finsinger Feld und der Staatsstraße 2078 in Ottobrunn entstehen soll, wird ein Hingucker. Das dortige Gewerbegebiet Nordwest soll ein neues Gesicht und eine neue Struktur bekommen. Mit einer Halle des Paketdienstleisters DHL und Gebäuden des Unternehmens TE Connectivity ist das Areal derzeit eher unscheinbar. In ein paar Jahren soll dort nach einem „Masterplan“ ein modernes Campus-Areal als Büro- und Technologiestandort für bis zu 5000 Arbeitsplätzen entstanden sein, auf dem sich der Investor, die GIEAG Immobilien, auch Gastronomie und kulturelle Nutzungen vorstellen kann.
Den Bebauungsplan hat Ottobrunn als Satzung festgezurrt. „Wir haben vier Jahre intensiver Arbeit hinter uns und haben alle Beschlüsse in den vergangenen Jahren dazu einstimmig gefasst, trotz des komplexen Verfahrens“, sagt Ottobrunns Bürgermeister Thomas Loderer (CSU).
Nach Bekanntwerden der Pläne vor ein paar Jahren kam aus den Nachbargemeinden Unterhaching und Neubiberg Gegenwind wegen der zu erwartenden Verkehrszunahme und weil hohe Gebäude sehr nah am Landschaftspark entstehen sollen. Unterhaching schaltete sogar ein Anwaltsbüro ein und drohte mit einer Klage, sollte sich nichts an den Planungen ändern. Diesen Kurs verfolgt die Kommune auch weiter. „Wir lassen unseren Teil des Landschaftsparks nicht zum Vorgarten eines Gewerbegebiets in Ottobrunn werden“, sagt Pressesprecher Simon Hötzl.
Entlang einer diagonalen Wegeverbindung vom südöstlichen Eck des Gebiets, die das Ottobrunner Gemeindegebiet mit dem Landschaftspark Hachinger Tal verbindet, sollen sich verschiedene Gebäudeformen finden. Es sind auch fünf höhere Bauwerke mit einer Höhe von 38 bis 66 Metern geplant. Visualisierungen zeigen moderne Bauten und Quartiersplätze.

Für die Gemeinde ist das Vorhaben von großer Bedeutung. Sie will unter anderem für den Teil der Kommune, der etwas abseits liegt, mehr „Wahrnehmbarkeit“ erreichen, wie es Loderer nennt. Das soll unter anderem erfolgen durch das Schaffen neuer Hochpunkte. Der Bürgermeister spricht bei dem Projekt auch gern von einem „städtebaulich dreifachen Brückenschlag“. Insgesamt sollen neue gewerbliche Strukturen in einen bestehenden Kontext eingefügt, neue Arbeitsplätze geschaffen und bestehende gesichert werden.
Angebunden werden soll das Gebiet über einen Umbau des Knotenpunkts am Finsinger Feld und der Westumgehung. Der städtebauliche Vertrag ist abgeschlossen, er regelt unter anderem die nötigen Straßenbaumaßnahmen. „Sie sind schon jetzt mit dem Straßenbauamt abgestimmt“, sagt Loderer. Sollte alles nach Plan laufen, kann laut dem Bürgermeister im April mit den Umbauten begonnen werden.
Die Nachbargemeinde Unterhaching hält unterdessen ihre Kritik an dem Vorhaben aufrecht. Im Juli hat sich der dortige Bauausschuss noch einmal mit dem Thema befasst. „Der Ausschuss hat seine bisherige Linie verschärft“, sagt Pressesprecher Hötzl. Die Gemeinde habe erneut eine negative Stellungnahme nach Ottobrunn geschickt. „Wenn sich nichts Wesentliches an den Plänen ändert, werden wir sofort klagen, wenn der Bebauungsplan rechtskräftig ist“, sagt der Sprecher.
Unterhaching beklagt eine mangelnde Abstimmung
Und er kritisiert, dass die gesetzlich vorgeschriebene Abstimmung mit den Nachbarn, also mit Unterhaching, nicht erfolgt sei. Zudem zerstörten die Planungen das städtebauliche Grundkonzept des Landschaftsparks Hachinger Tal, „insbesondere durch die bewusste Gestaltung von weit sichtbaren, städtebaulich nicht erforderlichen Hochpunkten sowie der allgemeinen Höhe der zulässigen Bebauung“. Mit diesen Worten hatte die Anwaltskanzlei Ritterhaus 2022 die Kritik formuliert.
Die Kanzlei hatte in einem Schreiben an Ottobrunns Bürgermeister auch an die planerischen Leitgedanken des Landschaftsparks als naturnahes, extensives Naherholungsgebiet für die Anrainergemeinden und die südöstlichen Münchner Stadtteile erinnert. Die Besucher sollten Weite erleben, im Süden die Berge sehen, aber keine Gebäude wahrnehmen.
Loderer weist die Vorwürfe zurück. „Ich habe dafür kein Verständnis“, sagt er. Unterhaching konstruiere eine Betroffenheit, die der Realität nicht standhalte. Der Landschaftspark hat seinen Worten nach eine unglaubliche Weite, die Randbebauung solle aber den Gemeinden überlassen bleiben. Er sieht keine Beeinträchtigung des Landschaftsparks durch die geplante bauliche Entwicklung und verweist auf das Gutachten, das die Gemeinde vom Professor für Landschaftsarchitektur regionaler Freiräume, Sören Schöbel-Rutschmann, hat erstellen lassen.
Loderer teilt die dort geschriebene Argumentation, dass durch die Punkthochhäuser Gebäude und Weite ins richtige Verhältnis gesetzt würden. Es würden „Orientierungspunkte zur Wahrnehmung der Weite“ geschaffen, sagt er. Sollte Unterhaching wirklich klagen, werde das einen „massiven Schaden“ für Ottobrunn bedeuten, betont er.

Was den zu erwartenden Verkehr angeht, sagt der Rathauschef, dass dieser „natürlich“ zunehmen werde. Aber über 15 Jahre, über die sich der Bau erstrecken werde. Zudem verweist er auf das Mobilitätskonzept, das Antworten bereithalte, wie der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an der Verkehrszunahme gering gehalten werden könne. Unter anderem soll der Radverkehr ausgebaut werden. Neben zwei Tiefgaragen sind auch zahlreiche Fahrradstellplätze vorgesehen.
Einen Vorgeschmack, wie die Gebäude in dem Areal aussehen könnten, gibt es schon. Für ein sechsgeschossiges Büro- und Werkstattgebäude hat der Investor das Einvernehmen erhalten. Das Gebäude soll an die Firma TE Connectivity vermietet werden. Im unteren Bereich, wo Laborräume entstehen, soll das Gebäude mit dunklem perforierten Blech verkleidet sein, der obere Bereich mit Büros soll als Holzrahmenkonstruktion gestaltet werden, wie Architekt Fredrik Werner vom Büro Henn in München erläuterte.
Wenn die Firma TE Connectivity in den Neubau gezogen ist, kann das südöstlich liegende derzeitige Büro- und Werkstattgebäude abgerissen werden, wie es in der Beschlussvorlage heißt. Das ist Voraussetzung für die öffentliche Erschließung des Areals.

