BetrugsverdachtSpendengelder für krebskranken Feuerwehrmann sind weg

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Die Unterstützung für den 17 Jahre alten Maurice-Joel soll weitergehen.
Die Unterstützung für den 17 Jahre alten Maurice-Joel soll weitergehen. Claus Schunk

Die Feuerwehr Ottobrunn hat für ein schwer erkranktes Mitglied Zehntausende Euro gesammelt. Jetzt fehlt das Geld. Die Polizei ermittelt gegen einen Verein, auf dessen Konto die Spenden eingingen.

Von Bernhard Lohr, Ottobrunn

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Maurice-Joel will leben. Das Schicksal des 17-jährigen jungen Feuerwehrmanns bewegt Ottobrunn. Zehntausende Euro kommen zusammen, als vor einem Jahr die Kameraden am Ort die Bevölkerung aufrufen, für den an einem klinisch unheilbar geltenden Gehirntumor leidenden jungen Mann zu spenden. Doch jetzt ist der größte Teil des Geldes offenbar weg. Die Konten beim Verein „Harzer Sonnenzwerge“ seien leer, sagt der Vorsitzende des Feuerwehr-Vereins, Klaus Ortmeier. Es ergingen Strafanzeigen, die Polizei in Göttingen ermittelt. In Ottobrunn ist derweil die Empörung groß, aber die Hilfsbereitschaft für den Jugendlichen ist ungebrochen.

Vielen Menschen hat der junge Feuerwehrmann mit seinem ungebrochenen Lebenswillen imponiert, und er tut es bis heute. Er ließ sich seine Pläne und Träume nicht nehmen, als er im Mai 2024 die erschütternde Diagnose erhielt, an DIPG (Diffuses intrinsisches Ponsgliom) erkrankt zu sein, einem bösartigen Gehirntumor, der nicht operiert werden könne. Seitdem kämpfen er und seine Familie. Maurice-Joel startete mit Bestrahlung, Chemotherapie und Medikamenten eine aufwendige Behandlung und schloss parallel die zehnte Klasse mit einem Notenschnitt von 1,8 ab. Nun stehe der Besuch einer weiterführenden Schule an, berichtet die Familie.

Doch aktuell geht es dem 17-Jährigen schlecht, und weitere Behandlungen stehen an. Die Hoffnung liegt auf neuen Behandlungsmethoden, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Und genau dafür war laut Familie von Anfang an das Spendengeld gedacht, das man mit Unterstützung des Vereins „Sonnenzwerge“ damals gesammelt hat. Der Verein mit Sitz in Hörden am Harz wirbt bundesweit damit, speziell Kindern und Jugendlichen mit Gehirntumoren und deren Familien beiseite zu stehen.

Spendengelder wurden auf vielen Ebenen eingesammelt. Die ARD berichtete über den Verein, Spendenaktionen von Firmen liefen gemeinsam mit der Kinderklinik der Uni-Medizin in Göttingen. Und auch in Ottobrunn wähnte man sich bis vor Kurzem auf der sicheren Seite. Die Verantwortlichen des Vereins seien vier Mal in Ottobrunn gewesen. Man habe persönliche Gespräche geführt. Der Verein habe beim Ottostraßen-Fest gesammelt. Und bei einer großen Spendenaktion im Stadion der SpVgg Unterhaching sei vor Tausenden Menschen ein Scheck überreicht worden. „Wir hatten überhaupt keine Zweifel.“

Maurice-Joel Biermann (Mitte) ist seit seinem 14. Geburtstag bei der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn. 
Maurice-Joel Biermann (Mitte) ist seit seinem 14. Geburtstag bei der Freiwilligen Feuerwehr Ottobrunn.  privat

Dennoch steht die Familie jetzt wohl mit leeren Händen da. Ortmeier hat praktisch keine Hoffnung mehr, das Geld nochmal zu sehen. Als er kürzlich aus den sozialen Medien von dem Verdacht erfuhr, dass ein Mitglied des Vereins Geld veruntreut haben könnte, fragte er direkt nach und bekam per E-Mail auch die Bestätigung über das leer geräumte Konto.

Anrufe der SZ bei dem Verein laufen ins Leere. Es nimmt niemand ab. Auf der Homepage ist angeblich aus „organistorischen und strukturellen“ Gründen die Aktivitierung von Spendenformularen deaktiviert.  Die Polizeiinspektion Göttingen teilt auf Anfrage mit, dass bereits mehrere Anzeigen aus dem gesamten Bundesgebiet eingegangen seien. Es sei zu vermuten, dass diese nicht die letzten sein würden. Die Schadenshöhe sei abschließend noch nicht zu beziffern. Das Betrugsdezernat ermittle wegen des Verdachts der Untreue.

Eine neue Spendenaktion läuft an

Als erstes berichtete der Harz Kurier über die Probleme bei dem Verein, der von den DIPG-Betroffenen gegründet wurde und über Jahre für viele Menschen zu einer Anlaufstation wurde, die auch auf Informationen über die Erkankung hofften. Noch vor Kurzem habe der Verein Pläne verfolgt, sich überregional zu postionieren und den Zusatz „Harzer“ aus seinem Namen zu sreichen. Mittlerweile habe der Verein Insolvenz angemeldet. Es liege eine Selbstanzeige vor, berichtete das Lokalblatt.

Wie viele andere hatte sich auch die Ottobrunner Familie von Maurice-Joel in ihrer Not an den Verein gerichtet, und offenbar pflegte man über längere Zeit auch einen durchaus unterstützenden direkten Umgang. Feuerwehr-Vereinsvorsitzender Ortmeier bestätigt das und sagt, etwa zehn Prozent der Spendensumme sei  für therapeutische Ausgaben geflossen. Doch ein Großteil sei offenbar weg. Seiner Aussage nach geht es insgesamt um gut 60 000 Euro.

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Das anfänglich gute Bild ist zerstört. „Das hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt ein Feuerwehrler in Ottobrunn über die Nachricht, dass Geld für die Krebstherapie des 17-Jährigen veruntreut sein soll. „Das ist eine Riesen-Sauerei, allerunterste Schublade.“ Dennoch wollen sich die Familie, die mittlerweile in ein barrierfreies Haus in Brunnthal umgezogen ist, und auch die Feuerwehr Ottobrunn nicht entmutigen lassen.

Eine neue Spenden-Kampagne ist auf der Plattform „Go fund me“ im Internet angelaufen, die die Feuerwehr unterstützt, und bei der auch bereits knapp 20 000 Euro eingegangen sind. Das sei ja das Bittere, sagt Ortmeier, dass durch solche strafbaren Aktionen der gute Wille und die Hilfsbereitschaft der Menschen ausgenutzt und untgergraben würden. „Bei uns geht es in erster Linie darum, dass man dem jungen Mann weiterhilft.“

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