Ottobrunn Freundlichkeit als Wettbewerbsvorteil

Jonathan, Kerim, Julis und Mahdi (von links) bilden im Projektseminar Business at School ein Team.

(Foto: Claus Schunk)

Ottobrunner Gymnasiasten analysieren in einem Projektseminar die Stärken und Schwächen eines örtlichen Bio-Ladens

Von Anna-Maria Salmen, Ottobrunn

Eine Obstschale, die mithilfe von UV-Strahlen das Schimmeln von Früchten verhindert, nachhaltiges Toilettenpapier aus Gras, ein Stoppmechanismus für Autotüren, der Schäden durch Anschlagen vorbeugt - klingt nach nützlichen Erfindungen und erfolgversprechenden Geschäftsideen. Alle drei Erfindungen haben eines gemeinsam: Sie wurden in den vergangenen Jahren im Zuge von Business at School von Schülern entwickelt.

Bei der Bildungsinitiative der Unternehmensberatung Boston Consulting Group beschäftigen sich die Jugendlichen ein ganzes Schuljahr lang mit der Welt der Wirtschaft. Das Gymnasium Ottobrunn nimmt heuer bereits zum 17. Mal an der Initiative teil, die auch in einen Wettbewerb mündet. Insgesamt 13 Elftklässler erarbeiten sich in dem Projektseminar wichtige Themen aus der Wirtschaft. Unterstützt werden sie dabei von externen Beratern aus verschiedenen Unternehmen sowie ehemaligen Business-at-School-Teilnehmern. In der ersten Phase haben die Schüler in vier Teams bereits börsennotierte Unternehmen wie Adidas und Lufthansa analysiert, um im Anschluss lokale Mittelständler näher zu betrachten. Die Suche nach einem geeigneten Unternehmen in der Region sei mitunter nicht ganz einfach, räumt Lehrerin Ulrike Nesbeda ein, die das Projekt leitet. "Das ist eine echte Herausforderung, aber das gehört auch dazu." Dabei hätten die Schülerteams zwar Tipps von ihren Lehrern und Beratern bekommen, grundsätzlich hätten sie die Unternehmen aber selbständig finden müssen. Dass es dabei auch Probleme geben kann, mussten einige Schüler feststellen: "Man muss vor allem mit Zahlen vorsichtig sein, wie zum Beispiel mit den Umsätzen. Ein untersuchtes Unternehmen wollte sogar anonym bleiben", wie Nesbeda erzählt.

Glück hatten hingegen Kerim, Jonathan, Mahdi und Julis, die einen lokalen Bio-Laden analysiert haben. "Wir sind durch eine Freundin darauf aufmerksam geworden, die in dem Geschäft arbeitet", erzählt Kerim. Seit Ende November hat das Team sich mit dem kleinen Unternehmen beschäftigt, dabei unter anderem Gespräche mit dem Eigentümer geführt und Kunden befragt. Herausgefunden haben die Schüler beispielsweise, dass die Kunden des Ladens die Regionalität und Qualität der Bio-Produkte schätzen. Auch allgemein steigt nach Aussagen des Teams das Interesse an ökologischen Lebensmitteln, die hohe Kaufkraft im Landkreis spreche zudem dafür, dass die finanzielle Lage für den Kauf der oft teureren Produkte gegeben ist.

Die Elftklässler schätzen das Marktpotenzial des kleinen Bio-Ladens also durchaus hoch ein, zumal der Inhaber zu seinen Kunden einen persönlichen Kontakt aufbauen könne. Ein entscheidender Vorteil gegenüber der Konkurrenz, denn in der Umgebung gebe es vor allem große Ketten, bei denen der Einkauf eher unpersönlich bleibe. Auch bei ihrer Analyse ist den Schülern dieser Pluspunkt aufgefallen: "Der Ladeninhaber war sehr hilfsbereit und hat sich viel Zeit für uns genommen", sagt Mahdi. Neben den Kunden und der Konkurrenz hat das Team die finanzielle Lage des Mittelständlers untersucht und eine sogenannte SWOT-Analyse zu Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen durchgeführt. Die fachlichen Grundlagen, wie zum Beispiel die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, haben sie zuvor in Workshops und Kursen erarbeitet.

Obwohl das Seminar keine festen Unterrichtszeiten hat und die Treffen unregelmäßig stattfinden, stellt Mahdi fest: "Das war bisher auf jeden Fall das Fach, für das wir am meisten machen mussten." Doch trotz der vielen Arbeit hatte das Team auch Spaß an dem Projekt, unter anderem deswegen, weil die Schüler mit dem Ladeninhaber einen "sehr freundlichen Menschen" als Partner hatten, wie Jonathan betont. Und auch für ihr späteres Berufsleben schätzen die Elftklässler das Seminar als hilfreich ein, denn viele wollen nach dem Abitur in der Wirtschaft arbeiten.

"Durch die externen Berater habe ich auch schon einige Kontakte geknüpft", sagt Mahdi. Zudem können sie sich am Inhaber des kleinen Bio-Ladens ein Beispiel nehmen, "denn er hat wirklich ein neues Unternehmen aufgebaut, das gut läuft", meint Kerim. Ihre Beobachtungen können dem Team in der dritten und letzten Phase helfen, denn im Rest des Schuljahres sollen sie ihre eigene Geschäftsidee entwickeln. Gedanken dazu haben sie sich bereits gemacht. Julis beispielsweise möchte passend zum winterlichen Wetter einen wasserdichten Überzug für leichte Schuhe entwickeln. Sein Teamkollege Jonathan denkt an eine Kleiderausstattung, die man online zusammenstellen kann und die regelmäßig wechselt. Egal, welches der beiden Konzepte das Team weiterverfolgt, bei Business at School könnten sie es noch weit bringen. Beim Regional- und Bundesentscheid gibt es für die besten Einfälle Geldpreise, um diese vielleicht sogar in die Tat umzusetzen.