Wie können mehr Kinder und Jugendliche für MINT-Fächer, also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, begeistert werden? Eine Frage, die in Deutschland schon seit einiger Zeit immer wieder gestellt wird. Vielleicht ja mit der Aussicht auf eine Reise nach Australien. Yannick Becker und seine Mitstreiter haben es in das Weltfinale der „First Lego League“ in Sydney geschafft. Um so weit zu kommen, mussten die fünf Ottobrunner Schüler von „Go Robot“ sich gegen circa 750 andere deutschsprachige Teams durchsetzen.

Der Wettbewerb besteht aus drei Schwerpunkten. Es muss eine Forschungsarbeit erstellt und ein Roboter aus Lego-Steinen gebaut werden. Zudem wird das soziale Miteinander innerhalb der Gruppe bewertet. Jedes Jahr nach den Sommerferien bekommen die Teams das diesjährige Überthema mitgeteilt. Für die Saison 2024/25 lautete dieses: „Submerged“ – untergetaucht. Es sollte also zum Bereich Tiefsee und Robotik geforscht werden.
Beckers Gruppe entwarf dafür ein Modell von einem Modul für Tauchroboter, wodurch diese sich an heißen Thermalquellen unter Wasser wieder aufladen können sollen. Die Idee sei ihnen im Gespräch mit einem Experten gekommen, so Becker. So könnten Tauchgänge deutlich verlängert werden. Ihre Idee müssen die Teenager in einem 15-minütigen Pitch präsentieren und sich anschließend kritischen Fragen der Jury stellen. Die wird auch die Konstruktion ihres Lego-Roboters begutachten. Die Konstruktion darf ausschließlich aus Klemmbausteinen bestehen und muss autonom verschiedene Aufgaben lösen können.
Es müsse etwa ein Objekt über eine gewisse Strecke transportiert oder aus einem Behältnis herausgeholt werden. Dafür verwendet das Go Robot Team verschiedene Module, die mit einem cleveren Klick-System blitzschnell an den Basis-Roboter angedockt und wieder abgenommen werden können. „Das sind dann richtige Pitstops, für die wir auch eine Strategie entwickeln müssen“, meint der junge Teamcaptain Becker, in Anlehnung an die schnellen Reifenwechsel in der Formel 1.

Teamwork ist also durchaus wichtig. Vor allem in einer besonderen Challenge während des Wettbewerbs: Innerhalb von 20 Minuten müssen die Teams einen Roboter, der nicht ganz richtig funktioniert, so weit reparieren, dass er eine vorgegebene Aufgabe lösen kann. So wird getestet, wie die Gruppen auf Stresssituationen reagieren. Es gibt viele unterschiedliche Aufgaben in so einer Mannschaft, wobei alle MINT-Fächer wichtig sind. Er selbst würde nach der Schule gerne in die Maschinenbau-Richtung gehen, sagt Becker.
Man lerne aber nicht nur fachlich dazu. Anfänglich sei er bei den Präsentationen noch sehr nervös gewesen, „aber wir sind so ein gutes Team und man wird auch routinierter“. Deshalb habe der 16-Jährige mittlerweile kein Problem mehr damit und hat erkannt: „Je besser man vorbereitet ist, desto einfacher fällt es einem auch, spontan auf Nachfragen zu reagieren.“
Nach einer langen Saison fliegt das „Go Robot“ Team mit großer Vorfreude nach Sydney.
Er freue sich riesig auf Sydney, sagt Becker begeistert. Für ihn wird es der erste Flug überhaupt werden. Außerdem: Wann bekommt man schon zwei Wochen während der Schulzeit frei? Fünf Tage davon werden die Jugendlichen bei den „Asia Pacific Open Championships“ verbringen. Den restlichen Trip, unter anderem eine Tour durch die Blue Mountains und Tauchausflüge, haben sie größtenteils selbst organisiert. Dabei wäre für jeden in der Mannschaft etwas dabei, verrät Becker: „Wir begeistern uns alle sehr für Schiffe.“ Da bietet Port Jackson, einer der größten Naturhäfen der Welt, in der australischen Metropole natürlich eine großartige Gelegenheit.

Vorher wollen die Go-Robot-Jungs aber noch möglichst gut beim Saisonfinale der First Lego League abschneiden. Weil sie beim Aufeinandertreffen der besten Teams aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Ende März in Siegen den fünften Platz erreicht haben, haben die Vertreter des Gymnasiums Ottobrunn sich für Sydney qualifiziert. Zuvor gewannen sie den München-Entscheid und wurden bayernweit Dritte. Ein zweites Team der Schule mit etwas jüngeren Teammitgliedern kam auch bis ins Bayern-Finale, erzählt Becker: „Die sind auch schon echt gut.“ Er selbst ist schon zum dritten Mal bei dem Wettbewerb dabei und auch der Rest seiner 16- bis 18-jährigen Teamkameraden ist nicht unerfahren.
Das Interesse an Robotik wird an ihrer Schule schon früh gefördert. Ein entsprechender Anfängerkurs für die Unterstufe sei sehr beliebt bei den fünften, sechsten und siebten Klassen, so Becker. Viele neue Schülerinnen und Schüler würden diesen Wahlunterricht als „wesentlichen Entscheidungsfaktor“ bei ihrer Schulwahl angeben, ist auf der Webseite des Ottobrunner Gymnasiums zu lesen. Auf dem Level von Becker und seinem Team würden sich die Lehrerinnen und Lehrer aber hauptsächlich um die Organisation kümmern, während die Schüler die eigentlichen Aufgaben für die First Lego League komplett eigenständig bearbeiten.

