Wer selbst schon im Eisstadion Ottobrunn Schlittschuhlaufen war, weiß, welche Freude es macht, dort seine Runden zu drehen. Aber nicht nur der öffentliche Lauf dort ist sehr beliebt. Insbesondere der Eis- und Rollsportclub Ottobrunn (ERSCO), der schon viele große Erfolge erzielt hat, hat regen Zulauf. Aktuell zählt er rund 700 Mitglieder, rund 550 davon sind aktiv. Mangels Kapazitäten muss der Verein laut seinem Vorsitzenden Michael Guggenhuber jedes Jahr rund 60 Kindern absagen. Aber nicht nur platzmäßig kommt das Stadion, das Ende der 1970er-Jahre gebaut wurde, an seine Grenzen. Es ist auch sanierungsbedürftig. Schon lange wird immer wieder überlegt, wie man das Stadion in die Zukunft führen kann.
Nun verdeutlicht eine Vorstudie, welche Entwicklungsmöglichkeiten es gibt. Sie führt unter anderem eine zweite überdachte Eisfläche auf, eine Einhausung der jetzigen und ein ausgeklügeltes Energiekonzept. „Es ist eine Vision, die möglich ist“, sagte Bürgermeister Florian Schardt (SPD) vorige Woche im Gemeinderat. Architekt Uwe Schlenker, der viel Erfahrung mit der Erweiterung und Modernisierung von Eisstadien hat, stellte die Vorstudie dem Gremium vor.
Auch wenn diese erst jetzt öffentlich gemacht wurde – ganz neu sind die Ergebnisse nicht. Die Gemeinde hatte die Studie bereits 2023 nach Gesprächen mit dem ERSCO beauftragt, seit 2024 liegt sie im Rathaus vor. In der Studie hat Architekt Schlenker untersucht, welche Möglichkeiten es an dem Standort gibt und wie die Interessen von Gemeinde, Verein und Sportpark Ottobrunn GmbH als Betreiberin berücksichtigt werden können. So viel steht für ihn fest: „Sie kommen um eine Entscheidung nicht herum.“
Zentrale Handlungsfelder sind der Studie zufolge die Erneuerung der Kälte- und Energietechnik und witterungsunabhängige Eisflächen. Zur Sicherung des Eissports sieht Schlenker in einer ersten Stufe eine Verkleinerung der Eisfläche auf für Eishockey noch zulässige 26 mal 60 Meter; dies würde die Energiekosten um 15 Prozent senken. Damit verbunden wären ein neues Technikgebäude sowie der Ersatz der jetzigen mit Ammoniak betrieben Kälteanlage durch eine moderne Glykol-Kälteanlage vor. Außerdem solle ein Parkdeck mit Photovoltaikanlage errichtet werden. Die Kosten schätzt Schlenker auf gut drei Millionen Euro vor – ohne das Parkdeck. Eine zweite Entwicklungsstufe sieht eine zweite überdachte Eisfläche mit Photovoltaikanlage vor, die auch das Phönixbad versorgen könnte. So wäre eine ganzjährige Nutzung möglich.

Stufe drei wäre laut Architekt das „Highlight“ und böte eine Einhausung der bestehenden Eisfläche, eine Tribüne für rund 1000 Zuschauer sowie neue Nutzungen wie Gastronomie und VIP-Bereich. „Dann hätte man eine Vorzeigeanlage“, so Schlenker, die sich zu einem modernen Eissportzentrum entwickeln könnte.
Ein von der Firma Caldoa aus Friedrichshafen, einem Spezialisten für Energie-, Eisspeicher- und Wärmepumpengesamtlösungen, erarbeitetes Energiekonzept nutzt Synergien: Die überschüssige Entzugsenergie der Eislauffläche würde zur Beheizung des Schwimmbads genutzt. Eine Kombination aus Wärmepumpe und Eisspeicher würde für einen effizienten Betrieb sorgen. Ziel ist, Energiekosten und CO₂-Ausstoß des Sportparks deutlich zu senken.
Im Gemeinderat gab es positive Rückmeldungen zu dem Konzept. Großes Thema bleibt die Finanzierbarkeit; wie so viele Kommunen ist auch Ottobrunn knapp bei Kasse. Sofort umgesetzt oder gar von der Gemeinde allein finanziert werden, soll der dreistufige Umbau ohnehin nicht. Für Vereinsvorstand Guggenhuber hat angesichts der großen Nachfrage mehr Eisfläche Priorität. Ziel sei ein Businessplan mit einem tragfähigen Konzept. Guggenhuber kann sich auch unkonventionelle Lösungen vorstellen.

„Es ist eine tolle Vision“, befand der Bürgermeister. Mit Blick etwa auf den Universitätscampus, der in der Nähe entsteht, sagt Schardt: „Wir brauchen aber Verbündete.“ Das Eisstadion sei das Einzige im Landkreis München, doch nur ein Drittel oder gar ein Viertel der Nutzer seien Ottobrunner. Diese müssen sich im Übrigen nicht sorgen, dass das Eisstadion zugesperrt wird, wenn nicht bald etwas passiert. Wie Werner Müller, der Geschäftsführer der Sportpark Ottobrunn GmbH der SZ sagte, kann die Anlage noch sieben oder acht Jahre laufen. Man habe zuletzt korrodierte Stellen an den Stahlrohren reparieren lassen und diverse Ersatzteile eingekauft.

