Jugend forscht Die Düsentriebs

Sie bauen den Briefkasten der Zukunft und bestimmen den Todeszeitpunkt einer Leiche. Bei der Preisverleihung von "Jugend forscht" in Ottobrunn trumpfen Schüler aus Unterhaching, Kirchheim und Hohenbrunn auf.

Von Laura Borchardt, Ottobrunn

Rote Erdbeere voraus. Der "Pflückroboter" greift zu. Bei der grünen Erdbeere reagiert er dagegen nicht. Mit Hilfe eines Farbsensors gelingt die Auswahl nur der reifen Früchte. Für ihre Erfindung haben Robin Schönberg, 13, und Constantin Born, 14, aus Unterhaching im Fachgebiet Technik den dritten Preis beim "Jugend forscht"-Regionalwettbewerb Oberbayern-Ost gewonnen.

Es ist ein buntes Treiben bei der Preisverleihung im Casino des Airbus-Geländes in Ottobrunn. 86 Jungforscher präsentieren der Jury und den Besuchern an 49 Ständen ihre Projekte. Ein bisschen Geist von Daniel Düsentrieb liegt in der Luft, wenn Zwölfjährige mit Zeigestab ihre Erfindung erklären. Bereits seit 50 Jahren gibt es den bundesweiten Wettbewerb für die naturwissenschaftlich interessierten Nachwuchsforscher. Die erste Stufe ist der Regionalentscheid. Bayern ist dafür in zehn Gebiete eingeteilt. Für die Sieger aus den einzelnen Regionen wie Oberbayern-Ost geht es weiter zum Landeswettbewerb. Wer es dann ein weiteres Mal unter die ersten Plätze schafft, darf Ende Mai am großen Bundesfinale teilnehmen. Dort sind nur noch Teilnehmer dabei, die mindestens 15 Jahre alt sind. Für die Jüngeren, die in der Sparte "Schüler experimentieren" starten, endet der Wettbewerb auf Landesebene.

Sophie Kunte, Dominik und Natalie Doll aus Unterhaching mit ihrer Erfindung: ein Tablettenroboter, der ältere Menschen an ihre Medikamente erinnert.

(Foto: Angelika Bardehle)

Großer Gewinner beim Oberbayern-Ost-Entscheid ist heuer das Lise-Meitner-Gymnasium. Außer einem dritten Preis gibt es für die Unterhachinger drei erste Preise. Auch der Schulpreis geht nach Unterhaching. Florian Baader, 16, Stephan Le, 15, und Jakob Unger, 16, sind mit ihrer "E-Letterbox" unter den glücklichen Gewinnern. Die Zehntklässler haben einen "Briefkasten der Zukunft" gebaut: Eine Lichtschranke erfasst jede Postsendung, die durch den Schlitz fällt. Von einem kleinen Computer wird der Empfänger sofort per E-Mail oder SMS über den Einwurf informiert. Die Schüler haben ein halbes Jahr an ihrer Erfindung gebaut. Es ging ihnen darum, den Alltag zu erleichtern. "Es hat Spaß gemacht, dass wir bei diesem Projekt von der ersten Idee bis zum fertigen Endprodukt den ganzen Weg gemacht haben", sagt Florian Baader.

Stephan Le, Jakob Unger und Florian Baacker bauen den Briefkasten der Zukunft.

(Foto: Angelika Bardehle)

Stolz erklären Sophie Kunte, 16, und die beiden Geschwister Dominik, 12, und Natalie Doll, 15, - ebenfalls vom Lise-Meitner-Gymnasium Unterhaching - ihren "PillyMilly". Der selbst gebaute kleine Roboter soll älteren und dementen Menschen zu einer bestimmten Uhrzeit Medikamente bringen. In der Kategorie Arbeitswelt haben auch sie einen ersten Platz ergattert. Mit Geräusch-, Infrarot- und Ultraschallsensoren ausgestattet kann das kleine Gefährt aus Lego-Bausteinen Personen erkennen und orten. Bereits vor den Herbstferien haben die Schüler, die heuer zum ersten Mal am "Jugend forscht"-Wettbewerb teilnehmen, mit ihrem Projekt begonnen.

Robert Hübsch, Daniel Fuchs und Maximilian Lochschmidt forschen mit dem Mikroskop nach dem exakten Todeszeitpunkt.

(Foto: Angelika Bardehle)

Auch das Geschwisterpaar Christopher, 11, und Annie Adeney, 14, kam unter die Erstplatzierten. Die beiden Lise-Meitner-Schüler haben einen Türspion entwickelt, mit dem sie sehen können, wer geklingelt hat, ohne an die Haustüre zu gehen. So wollen die beiden künftig ihre Freunde beim Klingelstreich erwischen. Die Biologie- und Chemielehrerin Stefanie Frisch vom Lise-Meitner-Gymnasium freut sich, dass sich die Mühe aus dem vergangenen Jahr gelohnt hat: In Sommercamps veranstaltete sie und einige Kollegen Kreativitätsworkshops mit den Schülern, wo "die ersten Ideen für die Projekte entstanden".

Mit vier Schülern ergattert auch das Gymnasium Kirchheim Podiumsplätze. Michael Brost, 12, überzeugt die Jury im Fachbereich Geo- und Raumwissenschaften mit seiner autonomen Mondstation und bekommt einen 3. Preis. Ebenfalls auf Rang drei landeten die drei Kirchheimer Zwölftklässler Maximilian Lochschmidt, 19, Daniel Fuchs, 17, und Robert Hübsch, 18, in der Kategorie Biologie. Sie führten im Rahmen ihrer Seminararbeiten eine experimentelle Untersuchung zur Bestimmung des Todeszeitpunkts einer Leiche unter äußeren Umweltfaktoren durch. Für Jannik Klarmann, 12, vom Gymnasium Kirchheim und für Tim Heeger, 14, von der Montessorischule Hohenbrunn gibt es Sonderpreise. Der 14-Jährige Montessorischüler verglich in seinem Projekt eine Industrieroboterhand mit einer intelligenten Greifhand. Fast alle der Nachwuchstüftler wollen später einen naturwissenschaftlichen Beruf ergreifen. Darüber freut sich Regionalwettbewerbsleiter Claus Hilgers besonders: "Wir wollen Freude an Naturwissenschaften wecken und vorhandene Potenziale der Schüler fördern." Bei ihrer Preisentscheidung habe die 22-köpfige Jury in Ottobrunn in erster Linie auf die Originalität und Kreativität einer Projektidee geachtet. Außerdem seien die technisch-experimentelle Umsetzung und die Präsentation der Forschungsarbeit wichtig gewesen. Ehrenamtliche Helfer und Schüler seien "mit Herzblut dabei", sagt Hilgers.

1949 Schüler haben heuer in Bayern am "Jugend forscht"-Wettbewerb teilgenommen. Die drei Erstplatzierten vom Lise-Meitner-Gymnasium dürfen sich vom 25. bis zum 27. März in Regensburg mit den Gewinnern aus anderen Regionen Bayerns messen.