Ottobrunner Musiker geehrtBundesverdienstkreuz für einen „musikalischen Brückenbauer“

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Ein Repertoire von bayerischen Volksliedern bis hin zu Schlagern und Couplets stimmt Thomas Schmid mit seinem Ottobrunner Sängerkreis an.
Ein Repertoire von bayerischen Volksliedern bis hin zu Schlagern und Couplets stimmt Thomas Schmid mit seinem Ottobrunner Sängerkreis an. Claus Schunk
  • Thomas Schmid aus Ottobrunn erhält das Bundesverdienstkreuz für sein über 40-jähriges Engagement als Chorleiter, Musiker, Dirigent und Komponist.
  • Der 65-Jährige leitet mehrere Chöre, darunter den Chor von Sankt Peter und Paul in Trudering und den Sängerkreis Ottobrunn.
  • Neben seiner Chorleitertätigkeit arbeitet Schmid als Bestatter und begleitet Menschen mit Musik sowohl bei Hochzeiten als auch bei Beerdigungen.
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Thomas Schmid erhält das Bundesverdienstkreuz für eine außergewöhnliche Doppelrolle: Seit  40 Jahren bringt der Ottobrunner Menschen mit seiner Musik zusammen – und schafft dabei einen Spagat: als Chorleiter und Komponist im Leben, als einfühlsamer Trauerredner im Tod.

Von Irmengard Gnau, Ottobrunn

Im ersten Moment dachte Thomas Schmid an nichts Gutes, als ihm der Brief mit dem hochoffiziellen bayerischen Siegel ins Haus flatterte. War er etwa am Steuer seines Autos geblitzt worden? Beim Öffnen dann wandelte sich seine bange Erwartung in freudige Überraschung: Er sollte keinen Strafzettel erhalten, sondern ganz im Gegenteil, eine hohe Ehrung: Für sein mehr als 40-jähriges Engagement als Chorleiter, Musiker, Dirigent und Komponist verlieh der bayerische Wissenschaftsminister Markus Blume dem Ottobrunner das Bundesverdienstkreuz. Schmid sei ein „musikalischer Brückenbauer“, so die Laudatio, und in seiner Funktion als äußerst umtriebiger Leiter verschiedener Chöre und Ensembles eine „kulturelle Konstante im Münchner Süden“.

Auftritt im Vatikan

Wie vielfältig und zugleich tiefgehend Schmids musikalisches Interesse ist, lässt sich an seinen vielen Engagements ablesen. Seit bald 30 Jahren leitet der studierte Kirchenmusiker den Chor der katholischen Kirche Sankt Peter und Paul in Trudering. Jedes Jahr bringt er mit den etwa 40 Sängerinnen und Sängern mehrere ambitionierte Programme zur Aufführung. Vor Kurzem erst sind sie von einer Reise nach Rom zurückgekehrt, wo der Chor einen Auftritt im Vatikan hatte. Mit der von ihm gegründeten „Capella Mediaevalis“, hervorgegangen aus einem Projekt von Schmid und Mitstudierenden, führt der 65-Jährige, neben anderen Programmen bis heute jedes Jahr im Advent Helmut Zöpfls „Bayerische Messe“ auf.

Doch nicht nur religiöse und klassische Werke liegen Schmid am Herzen. 1983 übernahm er die Leitung des Sängerkreises Ottobrunn und prägt diesen bis heute; der Männerchor ist für sein feines Repertoire von bayerischen Volksliedern bis hin zu Schlagern und Couplets in der Region bekannt. Bis 2012 leitete Schmid zudem die beiden von ihm gegründeten Kinderchöre „Truderinger Kirchenmäuse“ und „Hohenbrunner Lieder-Rasselbande“, er nahm CDs auf von Kinderliedern bis bayerischem Gospel. „Die Arbeit mit Menschen ist immer sehr fordernd“, sagt Schmid über seine vielen Engagements. „Aber sie ist erfüllend.“

Für sein mehr als 40-jähriges Engagement als Chorleiter, Musiker, Dirigent und Komponist  erhält Thomas Schmid das Bundesverdienstkreuz.
Für sein mehr als 40-jähriges Engagement als Chorleiter, Musiker, Dirigent und Komponist  erhält Thomas Schmid das Bundesverdienstkreuz. Claus Schunk

Die Musik wurde Thomas Schmid quasi ärztlich verschrieben. Als Säugling erlitt er eine Lungenentzündung, die Folge waren asthmatische Beschwerden. Um die Atmung zu stärken, empfahl der Arzt seinen Eltern, sie sollten ihren Sohn Flöte lernen und singen lassen. Diese frühe Prägung fiel bei Thomas Schmid auf einen äußerst fruchtbaren Boden. An der städtischen Sing- und Musikschule machte der gebürtige Münchner seine ersten musikalischen Schritte, besuchte später das musische Pestalozzi-Gymnasium in München. Beim Ministrantendienst in Ramersdorf war er so fasziniert von der Orgel, dass er sich heimlich auf die Empore schlich und auf dem Instrument seine Klavierstücke probierte. Er schrieb sich schließlich ein für das Studium der katholischen Kirchenmusik am Richard-Strauß-Konservatorium, wurde Organist und sang in mehreren Chören. Als einmal der Chorleiter eines der Ensembles ausfiel, übernahm Schmid spontan den Taktstock – und merkte: „Das macht mir Spaß.“

Die Suche nach dem Mittelweg

Wichtig ist Schmid bei seiner Chorarbeit, stets einen guten Mittelweg zu finden zwischen fordern und fördern. Strikte Notenlehre ist ihm nicht so bedeutsam, aber: „Meine Sängerinnen und Sänger sollen sich über ihren eigenen Erfolg freuen können und diese Freude weitertragen“, sagt er. „Musik kann uns berühren, Musik bildet Gemeinschaft.“ Nicht zuletzt deshalb spielt Schmid auch gern in Seniorenheimen und veranstaltet seit 2006 jedes Jahr ein Benefizkonzert für die Münchner Tafel.

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Neben seiner Chorleitertätigkeit hat Schmid noch ein zweites Arbeitsfeld. Als Bestatter begleitet er Menschen bei einem Trauerfall. Zu diesem nicht gerade gewöhnlichen Job kam er durch Zufall. Als er bei seiner ersten Anstellung als Chorleiter in Ottobrunn Beerdigungen mit seinem Orgelspiel begleitete, sprach ihn der damalige Chef des Beerdigungsunternehmens Denk an. Schmid begann neben seinem Studium eine kaufmännische Ausbildung bei Denk und gründete schließlich 2007 seinen eigenen Trauerdienst, aus Überzeugung heraus. „Jemandem einen teuren Sarg zu verkaufen, ist keine Kunst – aber die Menschen zu begleiten und zu spüren, was sie brauchen, darauf kommt es an“, sagt Schmid. Inzwischen hat dieser mehr als 15 Mitarbeitende, Sohn Alexander ist in das Geschäft mit eingestiegen.

Die Rolle der Musik am Grab

Am Grab spielt die Musik eine besondere Rolle, weiß Schmid. „Musik weckt immer Erinnerungen“, sagt er. „Sie kann Brücken schlagen.“ Etwa wenn eine Witwe sich als Liedbegleitung den Walzer wünscht, den sie einst auf der Hochzeit mit ihrem Mann getanzt hat. „Das sind die Momente, die bleiben“, sagt Schmid. Die Musik verbindet, in Freude wie in Trauer. Für Schmid selbst ist die Cäcilienmesse von Charles Gounod ein lebensverbindendes Werk. „Schon als Student habe ich davon geträumt, die einmal zu dirigieren“, erinnert sich der 65-Jährige. „Dieses Stück drückt für mich unglaublich viel Freude und Glauben aus.“ Der Wunsch sollte sich erfüllen. Die Cäcilienmesse ist ein fester Bestandteil in Schmids Vortragswerk geworden.

Schon bald wird Thomas Schmid die Cäcilienmesse wieder inszenieren. In „seiner“ Kirche Sankt Peter und Paul in Trudering versammelt er am Sonntag, 23. November, Chorsängerinnen, Solisten und ein hochklassig besetztes symphonisches Orchester zum Konzert. Es beginnt um 17.30 Uhr, der Eintritt ist frei. Schmid hat die Gesamtleitung inne, verantwortet Auswahl, Organisation und Proben. Da ist er ganz in seinem Element. Die Zuhörer verlassen die Konzerte meist beglückt und innerlich gestärkt. „Musik“, sagt Schmid, „ist eben Balsam für die Seele“.

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