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Ottobrunn:Bildnerisches Denken

Leichtigkeit auf der Leinwand: Sabine Fritsch-Eba will malerisch zeichnen respektive zeichnerisch malen.

(Foto: Claus Schunk)

Sabine Fritsch-Eiba hat zwei große Leidenschaften: Malen und Unterrichten

Von Angela Boschert, Ottobrunn

Wer "Sixtinische Kapelle" hört, denkt sicher an die berühmte päpstliche Kapelle im Vatikan und die dortigen Deckenfresken, die Michelangelo zwischen 1508 und 1512 gemalt hat. So ist es auch einem Freund der Ottobrunner Malerin Sabine Fritsch-Eiba ergangen, der beim Blick auf ihr in Blau gehaltenes Acrylbild gemeint hat, es öffne sich wie das Himmelsgewölbe des großen Renaissancemalers, woraufhin sie ihr 2019 entstandenes Werk mit "Sixtinische Kapelle" betitelt hat.

Inzwischen hängt eine Kopie dieses Bildes in Chandolin, Schweiz, und sogar in Brasilien. Das erwähnt Fritsch-Eiba eher nebenbei, betont aber, dass für sie in erster Linie ihre Familie und ihre Schüler an der Grund- und Mittelschule Kirchseeon wichtig sind. Aber gleichzeitig beschäftigt sie sich intensiv mit ihren Bild-Ideen. "Die Zweigleisigkeit von Schule und Malerei, ergänzt um die Dozententätigkeit im Bereich ,Gestalten im Schulalltag' an der LMU München, ist für mich total stimmig", sagt sie. Mit Herzblut unterrichtet sie zudem Kinder in "Deutsch als Zweitsprache" (DAZ), wobei ihr das bildnerische Denken und Kunstpädagogik helfen, denn "gerade Erst- und Zweitklässler mit nicht-deutscher Abstammung lernen über Bilder, Gestik und Mimik Deutsch".

Wie bleibt bei so viel Engagement noch Zeit zum Malen, fragt man sich ob dicker Mappen voll Acrylmalereien. Auch Leinwandbilder stehen dicht an dicht im Atelier. In beiden Fällen will sie die Spezifika von Zeichnen und Malen verbinden. Sie will malerisch zeichnen respektive zeichnerisch malen und liebt es, Farben aufeinander zu schichten und Strukturen zu bilden. "Es gibt immer ein Thema, eine Zeit, ein Ausstellungsziel, mit dem ich mich auseinandersetze, soweit es meine Arbeit in der Schule zulässt", sagt sie. Dabei entstehen Mischformen aus leuchtenden Acrylfarben, farbigen Öl- und Pastellkreiden.

Thematisch aktuell ist ihr Corona-Triptychon aus dem ersten Lockdown, bei dem ihr gelungen ist, zeichnerisch leicht zu malen. So schwebt die Figur im linken Bild "Hoffnung" über wasser-bis tiefblau gehaltenen Zacken. Dieser in Rottönen gehaltene Engel steht auf dem mittleren Bild "Jetzt (Carpe Diem)" auf dem Kopf, sein Flügel ist gekappt, die schwarze Gesichtskontur ist gröber geworden. Im dritten Bild "Hope" sind Kopf und Nimbus verschwunden, statt des Körpers erkennt man ein angedeutetes Herz, die braune Farbfläche des Bildhintergrunds tritt hervor, das leichtere Helle der Figur tritt zurück. Es entsteht "ein Dialog zwischen dem Bild und seinem Betrachter, der sinnbildlich nur die Tür öffnen und sich auf das Gesehene einlassen muss", so die Malerin.

Im Zyklus von 24 "Alltags"-Bildern zeigt sich ein Spiel mit Kontrasten und zarten Farbabstufungen, mit Lasuren und Transparenz. Auf Zeitungsausschnitte legt die Malerin Objekte mit Acryl, Bleistift oder Kreide: im Wind wehende Röcke, bunte Boote, ein rotes Segel, eine aufgehängte Maske. Ebenso setzt die 53-jährige Striche und Farbtupfer als Akzente. "Gedruckte" Schlagworte wie "Fernweh", "Vernunft", "Maskenball" oder "nichts dazugelernt?" weisen auf Fragen und Zweifel unserer Gegenwart hin. Die teils durch die Farbschicht scheinenden Texte machen neugierig. Wie der Zyklus letztlich wird, lässt Fritsch-Eiba offen. Der Arbeitsprozess, bei dem sie zum breiten Malerpinsel ebenso wie zum feinen Haarpinsel greift, wird es ergeben. Noch hinterlässt die variable Gewichtung von Zeichnung und Farbe einen bewusst flüchtigen Eindruck.

Fritsch-Eiba konzentriert viele Gedanken in ihren Bildern. Arbeitet sie nicht im heimischen Atelier bei Soul und Jazz, etwa von Joss Stone, Asa oder Jamie Cullam - sie hat diese Musik als Studentin lieben gelernt, als sie in der Jazzkneipe Unterfahrt gekellnert hat -, genießt sie gerne auch die Stille eines Konvents am Gardasee, wo sie nur Vogelgezwitscher oder Windrauschen hört. Die 53-Jährige, die "malt, seit sie denken kann", sitzt oder kniet dabei auf dem Boden. Liebend gerne würde sie wieder auf eine Ausstellung hin arbeiten, aber solche Wünsche schweben derzeit im Ungewissen. Nicht in der klaren Weite eines Himmelsgewölbes.

© SZ vom 25.03.2021
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